Norderstedt
19.11.12

Bad Bramstedt

Die Energiewende der Bürger in Norderstedt

Genossenschaft weihte am Sonnabend die Bürgersolaranlage in Bad Bramstedt ein. Auch die Norderstedter können jetzt Anteile zeichnen.

Von Michael Schick
Foto: Michael Schick
Bürgersolaranlage in Bad Bramstedt wird eingeweiht. Vorstand und Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft Sonnenkraftwerk Bad Bramstedt-Auenland vor einem Solardach der Schule Hoffeldweg
Fritz Bredfeldt (von links), Claudia Wisy, Jan-Uwe Schadendorf, Frank Schwedhelm und Thomas Leidreiter weihten die Photovoltaik-Anlagen offiziell ein

Kreis Segeberg. "Wir wollen nicht hören, was nicht geht, sondern, wie die Versorgung mit erneuerbaren Energien endlich vorankommen kann", sagte Fritz Bredfeldt. Er selbst ist zusammen mit engagierten Bürgern vorangegangen und befördert die Energiewende von unten. Bredfeldt ist Aufsichtsratsvorsitzender der Energie-Genossenschaft "Sonnenkraftwerk Bad Bramstedt-Auenland" - am Sonnabend wurde die Bürgersolaranlage offiziell eingeweiht.

Im Vorstand der Energiegenossenschaft trägt einer Verantwortung, der in den Bürger-Solaranlagen einen wichtigen Beitrag zur Energiewende sieht: Thomas Leidreiter, Chef des Solarzentrums Norderstedt, hat inzwischen seine dritte Energiegenossenschaft gegründet. BürgerEnergie Nord eG heißt das Projekt, das nun den Solarstrom in Norderstedt voranbringen will. "Nehmen wir die beiden bestehenden Bürger-Solaranlagen in Henstedt-Ulzburg und Bad Bramstedt dazu, sind wir sicher der größte Betreiber dieses Modells in der Metropolregion Hamburg", sagt Leidreiter.

Wird der Strom gleich verbraucht, sind Netze und Speicher überflüssig

BürgerEnergie Nord sei nicht nur eine ökologische Geldanlage, mit der jeder Genosse in eine Solaranlage investieren und eine Rendite von bis zu fünf Prozent erwirtschaften könne. Leidreiter sieht den Zusammenschluss auch als neuen Energieversorger für die Unternehmer im Norden. Energiegenossenschaften erzeugten als Betreiber von Solaranlagen dezentral Strom auf gewerblichen und kommunalen Gebäuden, der dort auch sofort genutzt werde. Das mache Netze und Speicher überflüssig.

"Das sind doch gerade zwei große Problembereiche und Kostentreiber beim Umstieg auf die erneuerbaren Energien", sagte der Solar-Experte. Leidreiter hält es für falsch, ausschließlich auf den Bau großer Off-Shore-Windanlagen zu setzen. Die kleinteilige Energieversorgung, wie sie mit den Bürgeranlagen möglich sei, sei eine wesentliche Ergänzung beim Ausbau der erneuerbaren Energien.

Solche dezentralen Modelle verringerten die Kosten für den teuren Netzausbau, der zudem immer wieder auf den Widerstand Betroffener stoße. Das genossenschaftliche Engagement fördere auch die Akzeptanz der erneuerbaren Energien. Die Genossen arbeiteten direkt mit an der Energiewende. "Etwa 80 000 Privatpersonen sind bundesweit in Energiegenossenschaften engagiert und beginnen ähnlich wie die BürgerEnergie Nord eG die Energiewende von unten", sagte Leidreiter. Insgesamt seien rund 260 Millionen Euro in Bürgerbeteiligungsgesellschaften eingezahlt und damit für rund 800 Millionen Euro Investitionen in Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien ausgelöst worden. Zudem entstünden Arbeitsplätze bei Herstellern, Projektentwicklern und Installateuren in der Region.

"Solarstrom vom eigenen Dach lässt sich deutlich günstiger erzeugen als herkömmlicher", sagt Leidreiter. Mittelgroße Unternehmen sowie Städte und Gemeinden zahlten unter 18 Cent für die Kilowattstunde, Tendenz steigend. Solarstrom von der eigenen Anlage lasse sich inzwischen aber ab 10 Cent herstellen - und das komplett ohne die Solarförderung, die nach den Beschlüssen vom Frühjahr uninteressant geworden sei. Durch das Genossenschaftsmodell müssten der Unternehmer oder die Kommune noch nicht mal die Investitionskosten für eine Photovoltaik-Anlage tragen. Die Installation werde aus den Genossenschaftsanteilen finanziert oder über ein Bankdarlehen zwischenfinanziert. Nach einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wollen, so Leidreiter, immer mehr Unternehmen ihren Strom selbst erzeugen. "Unsere Bürgergenossenschaft übernimmt die komplette Abwicklung", sagt Leidreiter, der in den nächsten Wochen die ersten Anlagen in Norderstedt in Betrieb nehmen will. Da die Verträge noch nicht in trockenen Tüchern seien, könne er mehr noch nicht verraten.

Doch am Sonnabend ging es erst mal um die regenerative Stromerzeugung in Bad Bramstedt. Die funktioniert noch nach dem alten Prinzip: Der Strom, der auf den Dächern der öffentlichen Gebäude erzeugt wird, wird ins allgemeine Netz eingespeist und vergütet. Photovoltaik-Module wurden auf den Dächern der Feuerwache, der Kita Storchennest, der Jürgen-Fuhlendorf-Schule, des Bauhofes, der Gemeinschaftsschule Auenland, der Schule Hoffeldweg und der Grundschule Wiemersdorf installiert. "Wir haben ganz bewusst auch die Liegenschaften in der Nachbarschaft einbezogen", sagte Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach.

Die Leistung reicht, um jährlich rund 100 Haushalte mit Strom zu versorgen

Knapp 100 Bramstedter haben Anteile zu je 500 Euro gezeichnet und so den Bau der Anlagen finanziert. Die leisten 440 Kilowatt-Peak - Peak beziffert die maximale Spitze unter Standardbedingungen. Das reicht, so Leidreiter, um jährlich rund 100 Vier-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen. Hinzu kommt nochmals etwa die gleiche Leistung der Bürgersolaranlage in Henstedt-Ulzburg.

Nach dem Sektempfang diskutierten Leidreiter, Kütbach, die Grünen-Landtagsabgeordnete Ines Strehlau und Udo Bottländer, Vorstand von E.on Hanse, über die Energiewende. Bottländer begrüßte die Bürgerbeteiligung. Sie könne aber nur ein Teil der Energiewende sein. "Die ist ein Riesenprojekt, vergleichbar mit der Deutschen Einheit, und wird noch viel Geld kosten", sagte er.

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