28.02.13

Mordfall Lena

Drama um unschuldigen 17-Jährigen kommt ins TV

Im Mordfall der elfjährigen Lena aus Emden stand der Hauptverdächtige schnell fest. Doch nach drei Tagen stellte sich heraus: Der 17-Jährige war unschuldig. Sat.1 verfilmt das Drama jetzt.

Von Katja Heins
Foto: dpa

Kerzen, Blumen und Stofftiere liegen zum Gedenken an die ermordete elfjährige Lena vor dem City-Parkhaus am Wasserturm in Emden. Das Drama wird nun verfilmt
Kerzen, Blumen und Stofftiere liegen zum Gedenken an die ermordete elfjährige Lena vor dem City-Parkhaus am Wasserturm in Emden. Das Drama wird nun verfilmt

Köln. Auf dem Auto prangt das Wort "Mörder", Steine fliegen durch die Fensterscheibe ins Haus und die Nachbarn sind sich schon lange einig: Der Sohn von nebenan war's. Unter dem Arbeitstitel "Nichts mehr wie vorher" laufen in Köln zurzeit die Dreharbeiten für einen neuen Sat.1-Film, in dem es genau darum gehen soll: Die Verurteilung eines Jugendlichen nach einer Gräueltat in einer Kleinstadt. Soziale Netzwerke und Medien mischen kräftig auf, die Polizei beugt sich dem öffentlichen Druck und das Leben einer Familie gerät aus dem Gleichgewicht.

Als Vorlage für ihren neuen Film diente den Produzenten Michael Souvignier ("Contergan", "Das Wunder von Lengede") und Dominik Frankowski der Mordfall "Lena" im ostfriesischen Emden. Die wahre Geschichte wurde im Drehbuch jedoch verfremdet. Während das elfjährige Mädchen im März 2012 mit einem Nachbarsjungen zum Entenfüttern aufbrach und anschließend von ihm in einem Parkhaus erwürgt wurde, ist das Opfer im Film ein Junge.

"Wir wollten uns soweit wie möglich vom Originalfall entfernen und nur die gesellschaftlichen Mechanismen aufzeigen, die dahinter stehen", sagte Souvignier der Nachrichtenagentur dpa. Es solle um Halbwahrheiten gehen, die sich im Internet verbreiten, um Leistungsdruck der Polizei, und im Mittelpunkt eine Familie, deren Sohn des Mordes bezichtigt wird. "Wir wollen behutsam zeigen, was diese Leute fühlen, denken und aushalten müssen – bis sie zum Schluss in dem Ort einfach nicht mehr wohnen können."

Im Emder Fall war es die Familie eines 17-jährigen Berufsschülers, der unschuldig in U-Haft saß. Im Film dreht sich alles um die Gudermanns, gespielt von Annette Frier, Götz Schubert, Elisa Schlott und Jonatan Jakobsson, die zusehen müssen, wie der älteste Sohn und Bruder an den Pranger gestellt wird. Jonas Nay ("Homevideo") übernimmt in "Nichts mehr wie vorher" die Rolle des 16-jährigen Daniels. Während der Soko-Leiter (Thomas Sarbacher) in alle Richtungen ermittelt, will die junge Hauptkommissarin (Bernadette Heerwagen) den Gudermann-Sohn schnell als Täter überführen.

"Vor vorschnellen Verurteilungen ist man nicht gefeit", glaubt Schauspielerin Annette Frier. Aus der Distanz sehe man natürlich schnell die Fehler, die gemacht wurden. "Ich selbst bin aber immer skeptisch, wenn solche Gruppendynamiken entstehen."

"Nichts mehr wie vorher" handle jedoch nicht nur von Lynchjustiz, sondern sei vor allem ein intimer, Familien-psychologischer Film. An der Rolle habe sie das Gedankenspiel der Film-Mutter gereizt. "Was bedeutet das, wenn man sich fragen muss: "Kann das sein, dass mein eigener Sohn jemanden umgebracht hat?" Und was würde das für die Mutter heißen? Wie geht man mit diesem diffusen Schuldgefühl um?"

Die Eltern des wahren verdächtigen Jungen haben das Vorhaben, aus ihrem Drama einen Film zu drehen, laut Souvignier positiv aufgenommen. Bis zum 17. März dauern die Dreharbeiten noch an. Regie führt Oliver Dommenget. Ein Sendetermin steht noch nicht fest. (dpa)

Multimedia
Prozessbeginn im Mordfall Lena

Prozessbeginn im Mordfall Lena

Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. AuslandAttentat in Kanada"Ein Angriff auf unser Land und unsere Werte"
  2. 2. WirtschaftGefühlte InflationDie ganze Wahrheit über die Lebensmittelpreise
  3. 3. DeutschlandSebastian MollAfD geht nicht gegen Vergleich mit NSDAP vor
  4. 4. KommentareFlüchtlingeAsylbewerber lieber zurückweisen als inhaftieren
  5. 5. WirtschaftRussland"Alkohol ist die Tragödie unserer Wirtschaft"
Top Video Alle Videos

Diese Kurden, die in Düsseldorf demonstrieren, fordern auch die Freilassung des in der Türkei inhaftierten PKK-Chefs Öcalan
Brightcove Videos

Sie fordern Unterstützung für Kobani: In Düsseldorf sind rund 21.000 Menschen gegen die Terrormiliz IS auf die Straße gegangen. Viele kritisieren dabei auch die Zurückhaltung der Türkei. mehr »

Top Bildergalerien mehr
Fußball

Der 3. Spieltag der Champions League

Ottawa

Islamist verübt Anschlag auf Kanadas Regierung

Hamburg-Mitte

Zwei Verletzte bei Unfall in der HafenCity

Hurrikan

"Gonzalo" überschwemmt den Fischmarkt

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr