06.08.12

Kooperation von Esa und Nasa

3D-Kamera vom Bodensee half "Curiosity" bei der Landung

An Bord der Sonde "Mars Express" half die Kamera aus Deutschland den Radius für den Landebereich von "Curiosity" zu bestimmen.

Friedrichshafen. Wegweiser für den Marsrover "Curiosity": Die europäische Sonde "Mars Express" hat für das am Montagmorgen auf dem Mars gelandete Roboterfahrzeug den Landepunkt markiert. Mitgeholfen hat dabei auch die von der Astrium in Friedrichshafen am Bodensee gebaute hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der Sonde, wie Astrium-Sprecher Mathias Pikelj am Montag sagte. Bei der optischen Hilfe ging es vor allem darum, die Landezone von "Curiosity" genauer zu bestimmen.

Ursprünglich sei der Bereich eine 20 mal 25 Kilometer große Ellipse gewesen, hieß es bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Durch die Kombination von Höhendaten aus der 3D-Kamera, Bilddaten der Nasa-Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" und den Farbinformationen aus den Bilddaten von früheren Missionen konnte die Zielellipse auf 20 mal 7 Kilometer verkleinert werden. "Damit konnte man das Zentrum der Ellipse näher an den Zentralberg im 154 Kilometer großen Gale-Krater verlegen", teilte die Esa mit. Der Marsrover soll dort zwei Jahre lang nach Spuren von Leben suchen.

Chronologie bisheriger Marsmissionen

Um den Mars zu besuchen, hat die Menschheit Dutzende Versuche gestartet. Doch nur wenige waren erfolgreich.

4. November 1962: Die Sowjetunion startet mit "Sputnik 24" den ersten Landeversuch auf dem Roten Planeten. Die Sonde zerbricht aber kurz nach dem Start und verglüht im Januar 1963 in der Erdatmosphäre.

27. November 1971 : Das Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 2" zerschellt an der Oberfläche des Roten Planeten. Es ist das erste menschengemachte Objekt auf dem Mars.

2. Dezember 1971: Dem Landemodul der sowjetischen Raumsonde "Mars 3" gelingt die erste weiche Landung auf dem Roten Planeten, nach 20 Sekunden versagen jedoch seine Instrumente. 9. März 1974: Das Landemodul der Sowjet-Sonde "Mars 7" verfehlt den Planeten um 1300 Kilometer, vermutlich durch einen Computerfehler.

20. Juli 1976: Die Landekapsel der US-Sonde "Viking 1" landet weich auf dem Mars. Mehr als sechs Jahre sendet sie Bilder und Daten. 3. September 1976: Das Landemodul der amerikanischen "Viking 2"-Sonde setzt weich auf dem Roten Planeten auf. Es funkt rund dreieinhalb Jahre lang Bilder und Daten.

17. November 1996: Die russische Raumsonde "Mars 96" stürzt nach einem fehlerhaften Start samt Mars-Einschlagmodulen in den Pazifik. 4. Juli 1997: Die US-Sonde "Pathfinder" landet auf dem Mars und liefert spektakuläre Bilder. Mit dem Roboter "Sojourner" erkundet erstmals ein ferngesteuertes Fahrzeug einen anderen Planeten.

25. Dezember 2003 : Der Landeroboter "Beagle 2" der europäischen Sonde "Mars-Express" wird auf der Oberfläche abgesetzt, sendet aber keine Funksignale. 4. Januar 2004: Der US-Landeroboter "Spirit" erreicht den Mars. Drei Wochen später landet sein Zwilling "Opportunity", der noch immer die Oberfläche erkundet. Der Kontakt zu "Spirit" bricht im März 2010 ab.

26. Mai 2008: Die US-Marssonde "Phoenix" setzt weich am Nordpol des Roten Planeten auf. Mittels Bodenproben können Nasa-Forscher zwei Monate später Wasser auf dem Planeten nachweisen. Seit November 2008 ist "Phoenix" nicht mehr in Betrieb.

26. November 2011: Der neue Rover "Curiosity" wird auf die Reise zum Mars geschickt. Februar 2012: Nasa-Chef Charles Bolden gibt bekannt, dass die US-Weltraumbehörde aus Spargründen aus zwei gemeinsam mit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa geplanten Marsmissionen aussteigt. Dazu gehört eine für 2018 geplante Landung eines Rovers auf dem Planeten, der Gesteine und Boden zur späteren Beförderung auf die Erde sammeln soll. 6. August 2012: Der Nasa-Rover "Curiosity" landet auf dem Planeten.

Die Instrumente der Curiosity
Der fast eine Tonne schwere Marsrover "Curiosity" ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt er zwei Kameras an einem Mast. Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken.
Die "ChemCam" besitzt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen.
Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das "APXS" ("Alpha-Particle X-ray Spectrometer"), ein Röntgenspektrometer.
Am Ende des Roboterarms ist der "Mars Hand Lens Imager" ("Mahli") angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen.
Die Geologen profitieren auch vom "CheMin", einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden dort durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.
Hinzu kommt das Gerät "Sample Analysis at Mars" ("Sam"), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.
Der "Radiation Assessment Detector" ("Rad") analysiert die Teilchenstrahlung auf dem Planeten. Windgeschwindigkeit und -richtung, Druck, relative Feuchtigkeit, Luft- und Bodentemperatur sowie ultraviolette Strahlung werden von den Geräten des "Remote Sensing Mast" ("RSM") bestimmt.
Eine weitere Kamera namens "Mardi" ("Mars Descent Image") filmt den Abstieg des Rover ab dem Moment, von dem der Hitzeschild ausgeklinkt wird. Das Objektiv ist direkt nach unten auf den Boden gerichtet.
Schaufel, Bohrer und Bürsten und ein Roboterarm komplettieren die Ausstattung. Der Einsatz aller Geräte muss sorgfältig geplant werden: Die zur Verfügung stehende Energie ist begrenzt. Zudem lassen sich nicht beliebig viele Daten vom Mars zur Erde oder Befehle in die andere Richtung übertragen.
(dpa)
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