27.12.12

Neue Strategie

Russische Raumfahrt nimmt Krise mit ins neue Jahr

Anhaltenden Qualitätsprobleme nach fünf kapitalen Havarien und zwei Fehlstarts machen der Branche einen dicken Strich durch die Rechnung.

Von Gerhard Kowalski
Foto: dpa
Neil Armstrong - Mond
Eigentlich hätte eine neue Raumfahrt-Strategie der Russen schon längst verabschiedet worden sein

Berlin. Russlands Raumfahrt nimmt ihre Krise mit ins neue Jahr. Eigentlich sollte 2012 die neue Strategie für die Zeit bis 2030 und darüber hinaus verabschiedet und in Angriff genommen werden. Doch dann machten die anhaltenden Qualitätsprobleme nach fünf kapitalen Havarien 2011 der Branche einen dicken Strich durch die Rechnung. Mehrere "Bris"- und "Fregat"-Oberstufen der "Proton"- und "Sojus"-Raketen versagten oder mussten nach nicht bestandenen Tests ins Werk zurückgeschickt werden.

Das Ergebnis: zwei Fehlstarts, bei denen zwei Satelliten verloren gingen. Dass der russische Kommunikationssatellit "Jamal-402" Mitte Dezember trotz eines Defekts an der "Bris-M"-Oberstufe doch noch seinen Zielorbit erreicht hat, ist nur den Experten des französischen Herstellers Thales Alenia Space zu verdanken. Deren Rettungsaktion kostete allerdings viel Treibstoff, so dass der Satellit nicht wie geplant 15 Jahre funktionieren kann. Zudem mussten zwei Starts ins nächste Jahr verschoben werden, weil die Ursachen der Havarien noch nicht genau geklärt sind.

Medwedjew sieht Ruf seines Landes gefährdet

Obwohl 2012 den beiden Fehlstarts 24 gelungene Missionen gegenüberstehen – 2011 war das Verhältnis noch 5:27 -, sieht Premierminister Dmitri Medwedjew den guten Ruf seines Landes als Weltraumgroßmacht akut gefährdet. Er fordert deshalb die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der einstigen Vorzeigebranche durch die Optimierung ihrer Organisationsstruktur und die Verbesserung der Qualität der Produktion. Die Vorschläge einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe dazu hat er aber Ende November als unzureichend zurückgewiesen. Nun soll das Konzept in den nächsten Monaten überarbeitet werden. Im Gespräch ist dabei auch die Übernahme des deutschen Qualitätsmanagements.

"Durchbruch" erst für 2030 erwartet

Der Entwurf der neuen Raumfahrtstrategie schmort bei der zuständigen militärisch-industriellen Kommission und bei der Regierung. Er sieht vor, ab 2015 erst einmal die vorhandenen Möglichkeiten der an Unterfinanzierung, akutem Fachkräftemangel und veralteter Technik leidenden Branche zu reaktivieren, deren Auslastung unter 50 Prozent liegt. Ab 2020 soll dieses Potenzial konsolidiert werden, um dann ab 2030 zu einem "Durchbruch" zu kommen. Dieser sei durch die Verwirklichung von "Großprojekten im erdnahen Weltraum und auf dem Mond sowie die Schaffung von Voraussetzungen für einen bemannten Marsflug" gekennzeichnet, heißt es in dem Papier der Raumfahrtagentur Roskosmos.

Deren Chef Wladimir Popowkin stößt indes mit seinem Wunsch auf Granit, seine Mitarbeiterzahl auf rund 400 zu verdoppeln, um den kommenden Aufgaben überhaupt gerecht werden zu können. Ob er allen Ernstes glaube, dass so die Qualität in den Betrieben verbessert werden könne, fragte ihn Präsident Wladimir Putin jüngst spöttisch.

Trotz aller Probleme hofft Russland, 2013 etwa 30 Starts durchführen zu können. Soviel waren eigentlich auch für 2012 geplant. Doch die Krise, die ausgerechnet 2011 zum 50. Gagarin-Jubiläum offen ausbrach, hat das verhindert.

(dapd)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Alles über Ihre Straße

Top Video Alle Videos

mehr »

Top Bildergalerien mehr
Abschied

"Gorch Fock" zu neuer Fahrt gestartet

Ausbruch

Vulkan Bárdarbunga auf Island spuckt Lava

Handball

HSV verliert nach großem Kampf gegen Kiel

Tennis

US Open 2014 – die besten Bilder

Highlights
tb_hh_mahjong100.jpg
Mahjong

Spielen Sie mit!mehr

rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr