12.05.12

Autos zum Leihen

Im Test: ein Mietwagen für wenig Geld

Abendblatt-Mitarbeiterin Marike Stucke hat die Vergleichsportale verschiedener Anbieter getestet. Der Vergleich kann Geld sparen.

Foto: Klaus Bodig
Online-Automarkt
Vergleichen lohnt sich: Abendblatt- Mitarbeiterin Marike Stucke bei der Mietwagen- suche im Internet

Ein Kurztrip ans Meer - die Monate Mai und Juni halten durch einige verlängerte Wochenenden gleich mehrere Möglichkeiten dazu bereit. "Komm, wir fahren am Wochenende an die Ostsee", sage ich zu meinem Freund. Gute Idee, findet auch er. Nachdem die Unterkunft organisiert ist, stellt sich die Frage, wie wir dorthin gelangen. Normalerweise würde ich für den Kurztrip zwei Bahntickets kaufen. Mit einem Auto wären wir aber flexibler und nicht nur an einen Ort gebunden. "Wir könnten ja auch einfach ein Auto mieten", schlage ich meinem Freund vor. Der zeigt sich allerdings wenig begeistert: "Ist das nicht viel zu teuer?"

Ruft man im Internet die gängigen Seiten der Autovermieter auf, fällt die Kombination aus Mietpreis plus Sprit teilweise recht happig aus. Zusammen mit den Kosten für die Unterkunft könnten wir von dem Geld fast last-minute nach Spanien fliegen. Die weitere Recherche zeigt allerdings, dass es mehrere Webseiten gibt, die günstige Tarife anbieten: Vergleichsportale für Mietwagen. Hier schlägt das niedrigste Angebot für einen Kleinstwagen mit rund 64 Euro zu Buche.

Meine Skepsis vor Billigangeboten in Internet lässt mich nachfragen. Frieder Bechtel, Produktmanager von billiger-mietwagen.de, räumt meine Skepsis vor möglicher Online-Abzocke beiseite. "Nach der Buchung erhalten Sie per E-Mail einen Voucher, der quasi ein geldwerter Schein ist", so Bechtel. Die günstigen Preise kämen einerseits dadurch zustande, dass die Mietwagenbroker auf den Vergleichsportalen den Vermietungsfirmen große Kontingente an Fahrzeugen abnähmen. "Die Firmen haben so eine gewisse Planungssicherheit und können mit dem Preis runtergehen", so der Produktmanager. Außerdem sparten die Firmen die Beratung der Kunden vor Ort. Sie müssen den Wagen nur noch aushändigen.

Beim Vergleich der Angebote fallen verschiedene Buchungsmerkmale auf. Der günstigste Wagen, Typ "Kleinstwagen, 2-5 Türen, Polo-Klasse", wird dem Kunden nur mit einer einfachen Haftungsbeschränkung übergeben. Vollkasko und Diebstahl-Versicherung sind jeweils mit Selbstbeteiligung angegeben. Bei einem anderen, sehr günstigen Modell sind nur 600 Freikilometer inklusive. Deshalb sind diese Wagen auch nur mit "Basis Paket" deklariert. "Wir wollen die Angebote für die Kunden so übersichtlicher gestalten", erklärt Frieder Bechtel. Zur Auswahl stünden "Basis Paket", "Gutes Paket" oder "Bestes Paket". Bei Letzterem seien alle Leistungen enthalten - dazu keine Selbstbeteiligung, keine Kilometerbegrenzung.

+++Der Preisvorteil ist deutlich gesunken+++

+++Nach aussen ein Franzose, innen ein Japaner+++

Das kostet dann auch etwas mehr. "Für den Fahrer ist dies aber dann gut, wenn er sich nicht mit einer Selbstbeteiligung von bis zu 2000 Euro bei einem selbst verschuldeten Unfall belasten will", so Bechtel. Hier müsse Entspannungsfaktor gegen Spareffekt abgewogen werden. Auf jeden Fall lohnt der Vergleich mit anderen Portalen oder bekannten Mietwagenfirmen.

Hätte man vielleicht noch mehr sparen können, wenn man sich nicht so spontan für den Kurztrip entschieden hätte? Einen Zusammenhang zwischen Preis und Buchungsdatum gebe es schon, erklärt Bechtel.

"In den Monaten April bis September ist Hochsaison - sowohl im Ausland als auch im Inland. Natürlich sind die Mietwagen teurer, wenn man erst zwei Wochen vor Reisebeginn bucht." Gerade Kombis und Vans seien nur in kleinerer Stückzahl im Fuhrpark und dadurch auch schnell mal vergriffen. In den Monaten Oktober bis März mache der Buchungszeitpunkt aber preislich kaum einen Unterschied.

Wer am Wochenende mieten möchte, für den gibt es noch andere Angebote. Die Firma "Enterprise Rent-A-Car" offeriert ein langes Wochenende (Freitag bis Montag) ab 14,99 Euro pro Tag. Insgesamt wären das gerade einmal 44,97 Euro. Auch hier liegt die Selbstbeteiligung bei einem selbstverschuldeten Unfall aber bei bis zu 2000 Euro. "Sie ist bei den Wochenend-Angeboten höher, da dann erfahrungsgemäß weitere Strecken zurückgelegt werden und dies zu einer anderen Risikokalkulation führt", so die Firma auf Nachfrage. Dafür seien grundsätzlich alle Kilometer inklusive, und der Kunde werde im Service-Radius kostenlos abgeholt. Auch hier gilt: Wer vergleicht, spart.

Letztendlich entscheiden wir uns für das Wochenendangebot mit dem Kleinstwagen. Die Überraschung beim Abholen des Wagens: Anstelle eines Kompaktautos steht ein Ford S-Max in Silbergau vor uns - ein Van für bis zu sieben Personen und mit 200 PS. Grund: Die Kleinstwagen-Flotte war überbucht, so bekamen wir ein größeres Modell für denselben Preis.

Im Internet gibt es eine große Auswahl an weiteren Vergleichsportalen. Dazu gehören unter anderem www.cardelmar.de , www.autoeurope.de , www.check24.de oder www.rentalcars.de

Alternativen für Reisende
FAHRGEMEINSCHAFTEN:
Bei Streiks sind oft Fahrgemeinschaften mit Kollegen, Nachbarn oder Freunden eine unkomplizierte Lösung. Rechtlich gibt es keine Schwierigkeiten.
Die Auto-Haftpflichtversicherung umfasst alle Insassen, auch die Berufsgenossenschaft zahlt bei Unfällen auf Umwegen für Mitfahrer.
Eine besondere Insassen-Unfallversicherung ist daher nicht nötig.
MITFAHRGELEGENHEIT:
Nicht nur für längere Strecken, sondern oft auch für Fahrten innerhalb einer Region können Verbraucher über das Internet Mitfahrgelegenheiten finden.
Große Portale wie Mitfahrgelegenheit.de oder Drive2day.de bringen Pendler und Fahrer kostenlos zusammen.
Mehrere Parteien teilen sich dann die Spritkosten: Für Fahrten etwa von Düsseldorf nach Köln müssen die Mitfahrer zwischen drei und vier Euro berappen, längere Strecken wie von Berlin nach München schlagen mit zwischen 40 und 50 Euro zu Buche.
LINIENBUSSE:
Sowohl in den Regionen als auch für längere Fahrten gibt es Linienbusse – wobei das Fernbus-Angebot in Deutschland noch sehr klein ist.
Im Regionalverkehr kann der Omnibus spontan genutzt werden, bei Fernbussen hingegen müssen Tickets häufig bereits mehrere Tage vor Fahrtantritt gebucht werden.
Fernbusse, etwa von Eurolines, fahren mehrmals täglich zu festen Zeiten zwischen größeren Städten. Sie sind meist langsamer als die Bahn, dafür aber günstiger.
CARSHARING:
Beim Carsharing teilen sich viele Menschen Autos, die von einer Zentrale verwaltet werden. Die Wagen stehen etwa an zentralen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen oder Busbahnhöfen und können per Telefon oder Internet gebucht werden – auch nur stundenweise.
Informationen über Anbieter gibt es etwa bei www. carsharing.de. Für die Anmeldung sollten Nutzer mindestens 24 Stunden Vorlauf einplanen.
MIETWAGEN:
Autos können entweder direkt in der Niederlassung des Autovermieters gebucht werden, telefonisch oder per Internet.
Der Preis hängt von der Größe des Wagens ab. Oft gibt es Sonderangebote, wenn der Wagen für mehrere Tage gemietet wird. So könnte etwa ein Kleinwagen rund 70 Euro am Tag kosten.
FLUGZEUG:
Für einzelne Bahnreisende im Fernverkehr kann auch ein Flug eine Alternative sein, wenn diese Verspätungen etwa von ICE-Zügen durch Probleme im Nahverkehr ausschließen wollen.
Kurzfristig gebuchte Flugtickets können jedoch besonders teuer sein.
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