20.11.12

Rechte beim Gebrauchtwagenkauf

Wenn das Auto am Hoftor liegenbleibt

Der Gebrauchtwagenmarkt brummt. Wie aber können sich Autokäufer vor bösen Überraschungen schützen, wenn sie sich einen neuen Alten zulegen wollen?

Von Clemens Schöll
Foto: pa/JOKER
Gebrauchtwagenkauf
Ein Ehepaar prüft vor dem Kauf einen Gebrauchtwagen auf technische Mängel

Frankfurt/Main/München. Größe, Farbe, Verbrauch, Höchstgeschwindigkeit und nicht zuletzt der Preis sind wichtige Kriterien beim Kauf eines Gebrauchtwagens. Weniger klar begründet ist bei vielen Kunden die Entscheidung zwischen dem Kauf von privat oder vom Händler.

"Über die Händler wird viel geschimpft, zum Teil auch berechtigt", sagt Herbert Engelmohr. "Aber wenn ich am Hoftor liegenbleibe, kann ich dem Händler sagen: Kümmere dich darum", erklärt der Jurist vom Automobilclub von Deutschland (AvD). "Der Händler haftet sogar, wenn er von dem Fehler nichts weiß, weil er das Auto nur durchgereicht hat." Diese Haftung gilt für ein ganzes Jahr. Während des ersten halben Jahres wird vermutet, dass der Mangel bereits beim Kauf des Autos vorlag, ab dem siebten Monat muss der Käufer das nachweisen.

Anders beim Verkauf von Privat: "Auto gegen Geld – dann ist man allein", warnt Engelmohr. Für Defekte muss der Verkäufer in der Regel nicht gerade stehen. "Selbst wenn der Wagen direkt nach der Abfahrt seinen Geist aufgibt, kann der Verkäufer die Tür zulassen." Grund dafür ist, dass private Verkäufer die Sachmängelhaftung ausschließen können und dies meist auch tun. Dann muss dem Verkäufer ein Vorsatz nachgewiesen werden, und das ist nach den Erfahrungen des AvD-Experten schwer: "Als Privatperson muss ich überhaupt nichts wissen, außer wo der Zündschlüssel reinkommt und wie der Tankdeckel geöffnet wird. Wie soll man da nachweisen, dass es einen Vorsatz gab?"

Damit es nach dem Kauf zu keinen bösen Überraschungen kommt, rät der Münchner Rechtsanwalt Oskar Riedmeyer dazu, in den Vertrag zu schreiben, worauf es einem ankommt. "Wenn der Verkäufer ihnen erzählt, was das Auto alles hat, sollten Sie darauf bestehen, das in den Vertrag zu schreiben – und wenn er dazu nicht bereit ist, zumindest einen Preisnachlass heraushandeln", sagt der Verkehrsrechtsexperte des Deutschen Anwaltvereins (DAV).

Das gelte auch für typische Verschleißteile. "Wenn beim Stand von

125 000 Kilometern der Auspuff kurz nach dem Kauf kaputt geht, ist das normal. Wenn der Verkäufer aber im Vertrag zugesichert hat, er habe beim Stand von 122 000 Kilometern den Auspuff gewechselt, haftet er", erklärt Riedmeyer.

Auch sei es heute recht einfach möglich, den Kilometerzähler zu manipulieren, gibt der DAV-Experte zu bedenken. Wenn der angebliche Kilometerstand im Vertrag festgehalten ist, muss der Käufer nur nachweisen, dass die Laufleistung tatsächlich höher ist, um den Kauf rückgängig zu machen – und nicht, dass der Verkäufer davon wusste.

Vor einem anderen Trick warnt Jurist Engelmohr: Autohändler könnten einen Gebrauchten im Auftrag einer Privatperson verkaufen, um die Sachmängelhaftung auszuschließen. Deshalb müsse man unbedingt überprüfen, wer im Vertrag als Verkäufer eingetragen sei. Zwar könne man vor Gericht versuchen, in diesem Fall ein nicht erlaubtes Umgehungsgeschäft nachzuweisen. "Aber warum sollte der Richter sich von Ihnen anhören: Das habe ich nicht gelesen?"

Auch wenn vielen Käufern der Benzinverbrauch eines Autos immer wichtiger werde, sei es kaum möglich, diesen rechtsverbindlich in den Kaufvertrag zu schreiben, betonen übereinstimmend AvD-Vertreter Engelmoor und Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Bei diesem Thema könne sich jeder Verkäufer auf die Fahrweise des neuen Besitzers zurückziehen. Theoretisch sei es bei einem Kauf vom Händler möglich, einen höheren Verbrauch auf dem Rollprüfstand nachzuweisen, die Kosten dafür seien aber zu hoch.

Bei Autobörsen im Internet dürften Käufer und Verkäufer nicht vergessen, dass dort Vertrauenstatbestände geschaffen würden, betont Riedmeyer. Wenn jemand von Hamburg nach Köln reise, um dort einen Gebrauchten zu kaufen, und das Auto sehe nicht so aus, wie es im Netz beschrieben wurde, könne er gegenüber dem Verkäufer Fahrtkosten geltend machen. Komme dann ein Kauf zustande, rät Riedmeyer dazu, die vom Käufer im Netz hervorgehobenen Eigenschaften auch schriftlich im Vertrag festzuhalten. Auch wer einen langen Weg antritt, um am Ziel festzustellen, dass das begehrte Auto bereits verkauft wurde, kann auf die Erstattung von Reisekosten drängen.

Wird telefonisch ein Termin mit dem Verkäufer vereinbart, empfiehlt Rahel Raum vom Internetmarktplatz Autoscout24 dazu, sich diesen immer per E-Mail bestätigen und sich das Auto für eine Besichtigung reservieren zu lassen. Außerdem rät sie, dass "Verbraucher in der Online-Welt mit dem gleichen Sachverstand vorgehen wie in der realen Welt". Bevor ein Geschäft tatsächlich zustande kommt, sollte niemand Unbekannten vertrauliche Daten preisgeben oder vorab Geld überweisen.

Wie sehen die TÜV-Vorschläge der EU-Kommission im Detail aus?
Wie sehen die TÜV-Vorschläge der EU-Kommission im Detail aus?
Jährliche Hauptuntersuchungen für ältere Autos – für diese Idee erhält EU-Verkehrskommissar Kallas viel Gegenwind. Doch in den Plänen steht noch viel mehr: Oldtimer und Zirkuswagen sind außen vor. Außerdem sieht Kallas einheitliche Standards für die Prüfer vor.
In dem Brüsseler Gesetzesvorschlag zu Sicherheitsüberprüfungen geht es nicht nur um ältere Wagen. Wir geben einen Überblick:
Was würde sich für deutsche Pkw-Besitzer ändern?
Ein neuer Pkw muss in Deutschland das erste Mal nach drei Jahren zum TÜV, danach in zweijährigen Abständen. Die EU-Kommission will eine erste Prüfung nach vier Jahren, die nächste nach zwei Jahren und dann jährlich. Für Motorräder oder motorisierte Dreiräder gilt das gleiche. Pkw oder Kleintransporter bis zu 3,5 Tonnen, die bei der ersten Untersuchung mehr als 160 000 Kilometer auf dem Zähler haben, müssen sich danach jährlich vorstellen.
Was ist mit anderen Fahrzeugklassen?
Es gibt einige Fahrzeugklassen, die Verkehrskommissar Kallas schon ab dem Kauf jährlich zum TÜV schicken will: Wagen mit mehr als acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz, Laster mit mehr als 3,5 Tonnen, Traktoren, die schneller als 40 km/h fahren können und Anhänger, die mehr als 3,5 Tonnen wiegen.
Gibt es Ausnahmen?
Oldtimer sind von dem Gesetzesvorschlag ebenso ausgenommen wie Militärfahrzeuge, Feuerwehrautos, Fahrzeuge der Rettungsdienste oder Land- und Forstfahrzeuge, die nicht schneller als 40 km/h fahren. Auch Zirkus- und Schaustellerwagen mit dieser Höchstgeschwindigkeit sind nicht betroffen. Für Krankenwagen oder Taxis sind bereits jetzt jährliche Überprüfungen vorgesehen.
Warum will die EU-Kommission mehr Tests für ältere Autos?
Verkehrskommissar Kallas sagt, es sei statistisch erwiesen, dass zwischen dem fünften und sechsten Betriebsjahr eines Pkw die Zahl schwerer und damit auch tödlicher Unfälle steigt. 2000 Verkehrstote stürben pro Jahr durch technische Mängel – 1200 davon seien durch bessere Kontrollen zu vermeiden. Insgesamt könnten 36 000 Unfälle verhindert werden.
Sind ältere Autos wirklich gefährlicher?
Dekra und TÜV Süd bestätigen, dass ältere Fahrzeuge anfälliger sind. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält allerdings dagegen: Es fehlten Daten, Raserei, Alkohol am Steuer und Fahren ohne Sicherheitsgurt seien die Haupttodesursachen. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller meint, für engmaschigere Untersuchungen fehle die Datenbasis. Die Unfallforschung der Versicherer merkt an, nicht jeder Mangel sei auch gefährlich.
Was steht denn sonst noch in dem Vorschlag?
Kallas sieht zum Beispiel bestimmte Standards für Organisationen und Personen vor, die die Prüfungen durchführen. Falls es sich dabei nicht um staatliche Stellen handelt, soll der Staat diese Stellen kontrollieren. Außerdem will der Verkehrskommissar gegen Dreherei am Kilometerzähler vorgehen. 5 bis 12 Prozent der Gebrauchtwagen werden laut EU-Kommission mit manipulierten Kilometerständen verkauft. Die Behörde schlägt deshalb vor, den Stand in der Prüfbescheinigung zu vermerken.
Ist das alles schon beschlossen?
Nein. Nun werden sich Europaparlament und EU-Staaten mit den Plänen befassen und sie sicher noch hier und da verändern. Das Bundesverkehrsministerium zum Beispiel hat schon mitgeteilt, dort halte man häufigere Prüfungen in Deutschland für unnötig. (dpa)
dpa
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