17.11.12

Gebrauchtwagenkauf

Rabattschlacht: Geht es noch etwas billiger?

Nicht nur bei Neuwagen locken die Hersteller mit Rabatten. Auf Hamburgs Automeilen sind ein bis drei Jahre alte Gebrauchte günstig zu haben.

Von René Soukup
Foto: Michael Rauhe
Gebrauchtwagen
Gebrauchtwagenhändler bieten jede Menge Auswahl an und jüngeren und älteren Wagen

Neuwagenkäufer haben momentan gute Karten. Dank Konjunkturflaute und Euro-Krise winken herstellerübergreifend satte Rabatte. Eine Ersparnis von mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Listenpreis ist keine Seltenheit. Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg Essen informiert im CAR-Rabatt-Index regelmäßig über Neuwagenrabatte der Autobranche: Demnach gewährt zum Beispiel BMW beim 3er 26,3 Prozent auf den Neupreis, für den Chevrolet Spark sind sogar 29,8 Prozent Nachlass drin.

Vielen, denen die Null auf dem Tacho nicht so wichtig ist und die den hohen Wertverlust bei Neuwagen in den ersten beiden Jahren nicht in Kauf nehmen möchten, können noch mehr sparen und nehmen deshalb Gebrauchtwagen ins Visier. Damit liegen sie voll im Trend. Während sich die Käufer hierzulande bei Neuwagen zurückhalten - 260 000 Zulassungen im Oktober bedeuten ein leichtes Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat -, ist die Zahl der Besitzumschreibungen im Gebrauchtwagensegment laut Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) im selben Zeitraum um 10,3 Prozent gestiegen. Im Oktober wechselten 620 000 Gebrauchte den Besitzer. Doch was lässt sich bei bereits genutzten fahrbaren Untersätzen wirklich einsparen? Das Hamburger Abendblatt schaute sich auf den Automeilen Nedderfeld und Friedrich-Ebert-Damm sowie in Hamburger Autohäusern um, holte sich Angebote ein und verhandelte inkognito.

In der Mercedes-Benz-Niederlassung in Wandsbek bietet sich im ersten Stock des Gebäudes eine große Auswahl an Gebrauchten, Neuwagen gibt es im Erdgeschoss. "Die Kollegen sitzen nicht ohne Grund da unten, die sollen ja auch noch etwas abkriegen", scherzt der Gebrauchtwagenverkäufer, ein Mittzwanziger mit sympathischem Auftreten. Sein Spruch ist durchaus ernst zu nehmen, denn die Angebote bei den Gebrauchten haben es in sich.

Die A-Klasse Typ 160 in Schwarzmetallic (Erstzulassung im Januar 2012, 95 PS, Laufleistung 18 486 Kilometer) ist mit 13 190 Euro ausgeschildert. Laut Neupreisliste kostet der Wagen 23 764 Euro. Der hohe Rabatt kommt nicht von ungefähr, schließlich kam erst vor zwei Monaten die neue A-Klasse auf den Markt. Wer einen zweieinhalb Jahre alten Sportwagen des Premiumherstellers bevorzugt, kann an die 50 Prozent sparen. Für den Zweisitzer SLK 200 K (183 PS) in Silbermetallic mit 24 828 Kilometern sind 24 880 Euro (Neupreis 47 028 Euro) fällig. Bei der A-Klasse kommt uns der Verkäufer noch entgegen: Bei 12 900 Euro sind wir uns einig. "Gebrauchtwagen sind oftmals so gepreist, dass wenig Spielraum nach unten vorhanden ist. In diesem Fall sind das Schnäppchen", sagt Dudenhöffer.

Für BMW-Gebrauchtwagen-Freunde ist die Niederlassung am Nedderfeld 29 erste Anlaufstelle. Dort steht das 125i Coupé (217 PS), zweieinhalb Jahre alt, 41 444 Kilometer auf dem Tacho und mit diversen Extras sowie Assistenzsystemen (Geschwindigkeitsregelung, automatische Fahrlichtsteuerung) gespickt, für 24 810 Euro (Neupreis um die 39 000 Euro) zum Verkauf. Da der Wagen schon länger auf dem Hof steht, senkt der Verkäufer das Angebot schon nach wenigen Minuten auf 23 500 Euro.

Auch bei Hugo Pfohe gibt es zwei- und dreijährige Gebrauchte zu attraktiven Preisen. So etwa kostet der Ford Fiesta Trend als dreitürige Schräghecklimousine (60 PS, 1,2-Liter-Benziner, Erstzulassung Juni 2009) in Blau 7490 Euro (Neupreis 13 700). Der Clou: Vorbesitzer war ein älterer Herr, der es in dreieinhalb Jahren auf lediglich 487 Kilometer brachte! Und trotzdem könnte es noch billiger werden, denn der Verkäufer räumt "noch ein bisschen Spielraum" ein. "Wenn die Preise für Neuwagen sinken, geht es auch bei den Gebrauchten nach unten. Gerade jetzt, wo Tageszulassungen sehr günstig zu bekommen sind", so Dudenhöffer.

Das kann der Gebrauchtwagenverkäufer beim weltweit größten Opel-Einzelhändler Dello in Nedderfeld nur bestätigen. Das Autohaus wirbt mit dem Slogan "Auto statt Euro", bietet sehr günstige Kurzzulassungen an. Aktuell ist der Opel Zafira Family Plus (Neupreis 28 308 Euro) mit Kurzzulassung für 19 990 Euro zu haben - eine Ersparnis von über 8000 Euro. "Da haben wir, die ältere Wagen an den Mann bringen wollen, natürlich einen schweren Stand", sagt der Dello-Verkäufer. Laut ZDK ist zwar die Menge der gehandelten Gebrauchten deutschlandweit im grünen Bereich, nicht jedoch die Qualität der Geschäfte. Durch die hohe Zahl der Tageszulassungen stünden die Bruttogewinne unter Druck. So verlangt Dello für auserwählte, knapp dreijährige Gebrauchte etwas über 50 Prozent des Neuwagenpreises. Ein Beispiel: Der fünftürige Kombi Meriva Edition 1.8 mit 125 PS (Erstzulassung Januar 2010, 40 000 Kilometer, damaliger Neupreis 21 510 Euro) in Blau wird für 10 990 Euro offeriert. Und ein kleiner Abschlag ist auch noch möglich.

Keine weiteren Rabatte auf Gebrauchte will der Verkäufer bei Willy Tiedtke (VW und Audi) gewähren. Für die familienfreundliche fünftürige Benziner-Limousine VW Golf Plus Style 1.2 TSI (Erstzulassung Januar 2012, 86 PS, 4323 Kilometer, Neupreis 22 285 Euro) in Silbermetallic verlangt er 15 880 Euro. Der im März 2009 zugelassene Audi A3 Sportback 1.4 mit 125 PS in Grau kostet 19 480 (Neupreis 32 363) Euro.

Der Preis ist heiß - dieses Motto gilt auch bei Renault. Für einen ein Jahr alten 207 Tendance 75 (73 PS, 17 186 Kilometer) zieht die Niederlassung in Hamburg über 30 Prozent vom Neupreis ab. So gibt es die Limousine für 9440 Euro. Für einen 207 mit Erstzulassung aus 2009 sind 7660 Euro fällig. Darüber hinaus könne man auch noch über 300 Euro Rabatt reden, so der Gebrauchtwagenverkäufer. Bei den derzeitigen Preisen für junge Gebrauchte lohne sich der frische Franzose aus der Fabrik nur für diejenigen, die ihn leasen oder als Firmenwagen nutzen, ergänzt der Kollege vom Neuwagenverkauf.

Mit interessanten Angeboten lockt das Skoda-Zentrum im Stadtteil Horn. Den Kleinwagen Fabia 1.2 Limousine Active, ein Fünftürer mit 69 PS (Neupreis mit Überführung 15 200 Euro), gibt es mit Erstzulassung Januar 2012 und 5510 Kilometern auf dem Tacho für 9970 Euro. Auch hier räumt der Händler noch Spielraum ein. Man müsse schauen, wie lange der Wagen schon steht und wie oft der Preis bereits gesenkt wurde, heißt es.

Über 30 Prozent Ersparnis im Vergleich zum Listenpreis für einjährige und an die 50 Prozent für dreijährige Autos sind keine Seltenheit. Abschläge in dieser Höhe wurden uns auch bei weiteren Skoda- und Peugeot-Modellen sowie beim Nissan-Händler Thomsen gewährt. Fazit: Auch Gebrauchtwagenkäufer haben derzeit gute Karten.

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