14.12.12

Selbstständigkeit

Start-Up-Center: Wo Existenzgründer Rat finden

Die eigene Firma sollte gut vorbereitet sein. Experten sagen, wo man Fremdkapital bekommt und was es sonst noch zu beachten gilt.

Von Andreas Matz
Foto: Haspa
Stephanie Huppmann ist Leiterin des Haspa-Start- up-Centers und kümmert sich mit 20 Kollegen um die Jungunternehmer der Hansestadt
Stephanie Huppmann ist Leiterin des Haspa-Start- up-Centers und kümmert sich mit 20 Kollegen um die Jungunternehmer der Hansestadt

"Hamburger Existenzgründer, die zu uns kommen, sind überwiegend männlich und im Schnitt 40 Jahre alt", sagt Stephanie Huppmann, Leiterin des Haspa-Start-up-Centers. Mit einem Team von 20 Mitarbeitern kümmert sich die Bankerin seit mehr als 15 Jahren um die Jungunternehmer der Hansestadt, auch wenn diese, gemessen am Lebensalter, gar nicht mehr so jung sind. "Auch da wird sich in den nächsten Jahren einiges tun", vermutet sie. "Ich bin mir gar nicht sicher, in welche Richtung das gehen wird. Denn wenn es immer mehr Rentner gibt, die von ihrer Rente gar nicht leben können, kommt der eine oder andere vielleicht noch auf die Idee, sich selbstständig zu machen."

Der hohe Anteil männlicher Gründer, im Start-up-Center der Haspa liegt er bei 70 Prozent, ist nicht repräsentativ für die Gründerszene. "Es gibt auch viele Frauen, die sich selbstständig machen. Die gründen oft Dienstleistungsunternehmen und brauchen für die Realisierung ihres Vorhabens gar keinen Kredit. Die sehen wir hier im Start-up-Center gar nicht", sagt Huppmann.

Das Unternehmen sieht sich in einer führenden Rolle bei der Finanzierung von Unternehmensgründungen in der Stadt. Entsprechend umfangreich ist inzwischen auch der Beratungsservice, der heute bereits vor der eigentlichen Geschäftsgründung ansetzt und mit der Kreditvergabe nicht beendet ist. Normalerweise sprechen Finanziers, egal ob Bank oder Beteiligungsgesellschaft, erst nach Vorlage und Analyse eines Businessplanes mit dem Gründer oder der Gründerin.

Das hat die Haspa in der Vergangenheit auch so gehandhabt. Dahinter steht der Gedanke, dass man erst qualifiziert beraten kann, wenn man weiß, worum es geht. Auf der anderen Seite ist dieses Vorgehen sehr formell und stellt eine gewisse Hürde dar. Das wollten die Banker verändern. Seit diesem Jahr gibt es die sogenannten Beratertage. Unter dem für das Firmenkundengeschäft eher etwas hemdsärmelig anmutenden Motto "Kommen Sie doch einfach mal vorbei" will man jetzt auch im Vorfeld für die Gründer da sein und deren Fragen schon im Planungsprozess beantworten.

Neben dem deutlich früher ansetzenden Beratungsangebot setzt das Unternehmen seit Kurzem verstärkt auf Networking als Service-Thema. Sogenannte "Newcomer-Treffen" bringen Gründer, die kurz vor dem Start sind oder diesen gerade umsetzen, persönlich in Kontakt. Die Unternehmerfrühstücke oder der Gründerpreis sollen die Brücke zu gestandenen Unternehmern schlagen. Über allem steht die Erkenntnis, dass Kontakte nur dem schaden, der sie nicht hat.

Aber wie bekommt man nun wirklich Kredit, also Fremdkapital, wenn man es für die Realisierung einer Geschäftsidee braucht? Zu den unabdingbaren Voraussetzungen gehört eine einwandfreie persönliche Bonität. Eine Schufa-Auskunft ist also auch für die Eröffnung eines Geschäftskontos notwendig. Zudem achten die Finanzierungsprofis auf den fachlichen und kaufmännischen Hintergrund. Der Businessplan sollte plausibel und realistisch sein. Vor allem sollte er eine angemessene Rendite ausweisen, denn Selbstausbeutung ist auf Dauer kein Geschäftsmodell. Ein angemessener Anteil an Eigengeld zeigt dem Finanzier, dass man bereit ist, einen Teil des Risikos persönlich zu übernehmen. Das unterscheidet letztlich den Unternehmer von einem leitenden Angestellten, dem sogenannten Manager. Schlussendlich ist der überzeugende Eindruck im persönlichen Gespräch - nicht nur in der Gründungsphase, aber da besonders - entscheidend.

Wer als Gründer hier Defizite sieht, dem kann professionell geholfen werden. Den schnellsten Zugang finden Interessenten über das Internet-Portal gruenderwerkstatt-hamburg.de, auf dem Handels- und Handwerkskammer sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW, die Förderbank des Bundes, ihr Angebot für Hamburger Existenzgründer bündeln.

Hier kann man sich als Gründer registrieren lassen und seinen Businessplan mit spezieller Programmunterstützung erstellen. Dabei bekommt man automatisch einen Mentor aus dem Gründungsteam von Handels- und Handwerkskammer zugewiesen. Dieser steht dann telefonisch oder über das Internet zur Verfügung, wenn man allein nicht mehr weiterkommt. Bevor man dann zur Bank geht, um Fremdkapital einzuwerben, besteht die Möglichkeit einer "Konzeptberatung". Wie Bernd Reichhardt von der Handelskammer sagt, ist das die am stärksten nachgefragte Beratungsleistung. Der Gründer prüft gemeinsam mit einem Profi seinen Businessplan auf Schwachstellen.

Über die Berater der Kammern haben Gründer auch die Möglichkeit, die verschiedenen finanziellen Förderprogramme für sich zu erschließen. Eines der bekanntesten ist das Gründercoaching, welches von der KfW bereitgestellt wird und in Hamburg von der Gründungswerkstatt der Handels- und der Handwerkskammer administriert wird. Wie das in der Praxis läuft, beschreibt Bernd Reichhardt so: "Wenn jemand zu uns kommt und sich in einem Thema etwas schwach fühlt, prüfen wir ein paar formale Voraussetzungen. Sind die erfüllt, kann er aus dem Beraterpool der KfW auswählen und eine Beratung in Anspruch nehmen."

Für die Auswahl des passenden Beraters aus dem Pool ist der angehende Unternehmer allerdings selbst verantwortlich. Zwar hat die KfW klare Akkreditierungsrichtlinien. Zum Beispiel muss jeder gelistete Berater pro Jahr mehrere Gründungsberatungen als Referenz nachweisen. Bernd Reichhardt sieht bei der Qualitätssicherung im Gründercoaching deutliches Verbesserungspotenzial. Die Sprecherin der KfW, Sonja Höpfner, meint dazu: "Ich würde als Gründer immer den Markt befragen und mir mehrere Angebote machen lassen."

Denn auch im späteren Geschäftsleben geht es darum, möglichst richtige Entscheidungen selbstständig zu treffen oder Fehlentscheidungen zügig zu korrigieren. So ist jeder Existenzgründer gut beraten, das Gründercoaching als Hilfe zur Selbsthilfe zu begreifen. Stephanie Huppmann: "Wir haben schon den Anspruch, dass der Gründer das einigermaßen alleine macht. Wenn jemand schon in der Gründungsphase nicht klarkommt, fragen wir uns, wie derjenige später das Unternehmen durch Höhen und Tiefen führen will."

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