Staat und Religion Neue Umfrage schiebt Islam-Debatte in Deutschland an

Foto: dpa

Laut Forsa sind 52 Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Am weitesten verbreitet ist diese Ansicht im Osten und unter Anhängern der AfD.

Hamburg. Es war vor seinem Rücktritt das größte rhetorische Ausrufezeichen einer kurzen Amtszeit: "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland", sagte der damalige Bundespräsident Christian Wulff in einer Rede am "Tag der Deutschen Einheit" am 3. Oktober 2010.

Fast vier Jahre später ist die Debatte um die Rolle des Islam in Deutschland weiter in vollem Gange, jetzt wird sie von einer aktuellen Forsa-Umfrage neu angeschoben. Das Meinungsforschungsinstitut fragte für das Magazin "stern" 1001 Bundesbürger, ob sie den Wulff-Satz unterschreiben würden.

Heraus kam: 44 Prozent der Deutschen, darunter vor allem die Anhänger der Grünen mit 69 Prozent und die 14- bis 29-Jährigen mit 61 Prozent, glauben an die Zugehörigkeit des Islam zur Bundesrepublik, 52 Prozent allerdings teilen diese Ansicht nicht.

Unter den Kritikern nehmen Sympathisanten der Partei AfD (82 Prozent), die Ostdeutschen (69 Prozent), die Befragten mit Hauptschulabschluss (63 Prozent), die Über-60-Jährigen (61 Prozent) und Anhänger der Union (60 Prozent) den größten Teil ein.

Muslimfeindlichkeit solle nach Meinung von 57 Prozent der AfD-Anhänger allerdings ebenso geächtet werden wie Antisemitismus. 53 Prozent aller befragten Deutschen sind ebenfalls dieser Meinung, während 42 Prozent dagegen sind, weil die beiden Haltungen nicht zu vergleichen seien.

Unter den Befürwortern haben die höchsten Werte die Sympathisanten der Grünen (74 Prozent), die höher Gebildeten mit Abitur und Studium (62 Prozent) und die Männer (61 Prozent). Auch die Anhänger der Linken sind mit 60 Prozent dafür – obwohl sie mehrheitlich (51 Prozent) der Auffassung sind, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört.