24.01.13

Milieu-Studie

Deutsche Katholiken sind sich uneins über den Papst

Die katholische Kirche hat Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu wichtigen Themen ihrer Glaubensgemeinschaft befragt.

Von Ludwig Ring-Eifel
Foto: dapd
Leute-News: Benedikt XVI.
Hätte gerne alle Schäfchen vereint, doch laut "Sinus-Milieu"-Studie gehen unter Deutschlands Katholiken die Meinungen über ihn auseinander: Papst Benedikt XVI.

München. Wer sind die deutschen Katholiken und wo stehen sie im achten Regierungsjahr von Papst Benedikt XVI. und Bundeskanzlerin Angela Merkel? Die Medien-Dienstleistungsgesellschaft (MDG), ein kircheneigenes Beratungsunternehmen mit Sitz in München hat mit dem Soziologischen Forschungsinstitut "Sinus" (Heidelberg) der größten deutschen Religionsgemeinschaft den Puls gefühlt. Sie taten dies anhand der aus der Marktforschung bekannten "Sinus-Milieus", in denen Menschen mit vergleichbaren Lebensverhältnissen und Einstellungen, zusammen gruppiert werden. Befragt wurden in intensiven Gesprächen je fünf Katholiken und fünf Katholikinnen aus jedem dieser zehn Milieus. Die Ergebnisse wurde an Donnerstag in München vorgestellt.

Die "Katholikendichte" ist laut der Studie in der deutschen Gesellschaft noch immer relativ gleichmäßig verteilt. In den Milieus der "Traditionellen", der "Konservativ-Etablierten" und der "Bürgerlichen Mitte" finden sich rund 40 Prozent Katholiken, unter den "Liberal-Intellektuellen", den "Sozial-Ökologischen" sowie unter den Erfolgreichen und den "Hedonisten" bilden sie immerhin noch je knapp ein Drittel. Nur im "Prekariat" liegt der Anteil unter der 30 Prozent-Hürde. Ob Kirchenaustritte diese Verteilung demnächst ändern werden, lässt sich aus der Studie nicht klar schließen. Trotz Kritik in Einzelfragen und Enttäuschungen über den Umgang mit den sexuellen Missbrauchsfällen denken derzeit offenbar nur vergleichsweise wenige an einen Austritt.

Weit verbreitet ist auch bei den Katholiken in traditionellen und bürgerlichen Milieus die Forderung nach mehr Laienrechten, Veränderungen beim Zölibat, einer liberaleren Sexualmoral und der Zulassung von Frauen zum Priesteramt. Auch die Positionen des kirchlichen Lehramts zu Homosexuellen oder zur Unauflöslichkeit der Ehe werden selbst in diesen Gruppen offenbar nur noch von einer Minderheit unter den Katholiken vertreten.

Papst-Lehre wird oft kritisiert

Widersprüchliche Aussagen finden sich über den Papst. So wird er als "wichtige, unerschütterliche Instanz in Grundsatzfragen" bezeichnet, seine Lehren werden aber oft kritisiert. Eine bemerkenswerte Veränderung scheint sich hingegen im Blick auf die katholischen Gottesdienste abzuzeichnen. Selbst in den moderneren und liberaleren Milieus findet sich mehr Wertschätzung für feierliche Formen der Liturgie, der Wunsch nach "moderneren" und jugendgemäßeren Gottesdienstformen, der in einer vergleichbaren Befragung des Jahres 2005 noch wiederholt genannt wurde, tritt in den Hintergrund.

Eine schwere Krise bahnt sich der Studie zufolge im Verhältnis der Katholiken zu ihren Pfarrern an. Mit Ausnahme einiger in der bürgerlichen Mitte findet offenbar kaum noch einer der Befragten beim geistlichen Bodenpersonal Gottes erreichbare oder hilfreiche Ansprechpartner. Dessen Dienste zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten, Beerdigungen oder Taufen werden gleichwohl gerne in Anspruch genommen.

Die Präsenz der Kirche in den Medien wird selbst in den konservativen Milieus eher schlecht beurteilt: In den "normalen" Medienangeboten im Fernsehen, in Zeitungen und im Internet sei die Kirche zu wenig präsent. Das wichtigste kircheneigene Medium für die "Kernkatholiken" scheint nach der Befragung der Pfarrbrief zu sein – entweder gedruckt oder im Internet.

Ob die deutschen Bischöfe aus den Forschungsergebnissen Konsequenzen ziehen werden, ist noch nicht sicher. Eine erste Diskussion bei der Sitzung des "Ständigen Rats der Deutschen Bischofskonferenz" Anfang dieser Woche in Würzburg verlief dem Vernehmen nach kontrovers. Was die Kirche in ihrer derzeitigen Lage brauche, seien nicht immer neue Studien, die ohnehin bekannte Probleme benennen. Entscheidend sei vielmehr eine Rückbesinnung auf Christus und eine überzeugende Verkündigung seiner Botschaft, so eine in Würzburg vertretene Meinung. Befürworter der Studie hielten dagegen, es sei durchaus sinnvoll, zu analysieren, wie die Verkündigung bei den Gläubigen ankomme und was diese derzeit von ihrer Kirche erwarteten.

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