24.01.13

Streit um Doktorarbeit Rückendeckung für Schavan im Plagiatsstreit

Kabinettssitzung

Foto: dpa

Kabinettssitzung Foto: dpa

Politiker aus den eigenen Reihen sowie aus der Opposition stellen sich hinter Ministerin. Schavan will weiter um Doktortitel kämpfen.

Düsseldorf. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bekommt im Plagiatsstreit mit der Universität Düsseldorf Rückendeckung. Politiker aus den eigenen Reihen sowie der Opposition stellen sich hinter die Ministerin. "Ich rate allen dazu, dieses Verfahren abzuwarten. So lange das Verfahren läuft, gilt die Unschuldsvermutung", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der "Rheinischen Post" (Donnerstagausgabe). Sollte Schavan der Doktortitel allerdings aberkannt werden, "dann wäre sie als Ministerin für Forschung nicht mehr tragbar", erklärte er.

Von Schavans Unschuld überzeugt zeigte sich auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. "Sie hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe von Anfang an entschieden zurückgewiesen. Dem vertraue ich uneingeschränkt", sagte Gröhe ebenfalls der "Rheinischen Post". Der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf habe ausdrücklich gesagt, dass die Prüfung der Dissertation ergebnisoffen sei. "Ich habe volles Vertrauen in Annette Schavan", sagte er.

Gröhe verwies zudem auf die breite Unterstützung für Schavan in der Wissenschaft und forderte die Universität zu einer Prüfung der Arbeit durch weitere Experten auf. "Zu Recht hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ein Mehraugen-Prinzip sowie die Trennung von Gutachtern und Entscheidern angemahnt. Dies muss der Fakultätsrat sicherstellen."

Auch Unions-Fraktionsvize und Bildungsexperte Michael Kretschmer forderte von der Hochschule, der Bundesbildungsministerin "das Recht auf eine faire und unvoreingenommene Überprüfung" zu garantieren. "Die Uni Düsseldorf muss endlich auch unabhängigen Expertenrat einholen", sagte Kretschmer der "Leipziger Volkszeitung". Er verteidigte Schavan auch mit Blick auf ihre eigene Kritik vor rund zwei Jahren im Plagiatsfall des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Damals hatte Schavan erklärt, sie schäme sich und das nicht nur heimlich. "Zu Guttenberg hat den Titel in einer fairen Überprüfung mit unabhängigen Gutachtern verloren. Im Fall Schavan ist die Sache komplizierter", sagte Kretschmer.

Schavan sei so lange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist. "Alles andere sind ungelegte Eier", antwortete Kretschmer auf die Frage eines möglichen Rücktritts. Dass zudem gewichtige Stimmen aus der Wissenschaft ihr den Rücken stärkten, spreche doch für sich. "Annette Schavan ist eine honorige Persönlichkeit und eine sehr angesehene und erfolgreiche Bundesforschungsministerin."

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin allerdings nahm die Universität Düsseldorf gegen Kritik aus der Wissenschaft in Schutz. "Die Universität hat sich entsprechend ihrer Regeln verhalten. Aus der Sphäre der gewählten Politik gebietet es der Respekt vor der Wissenschaft, das Urteil, das im Rahmen eines solchen Verfahrens gefällt wird, auch zu akzeptieren", sagte Trittin.

((dapd))