10.01.13

Untersuchung Fleischatlas: Jeder Deutsche isst im Leben 1094 Tiere

Weihnachtsgeschaeft bei Wildhaendlern laeuft auf Hochtouren

Foto: dapd

Weihnachtsgeschaeft bei Wildhaendlern laeuft auf Hochtouren

Untersuchung stellt globale Auswirkung des Fleischkonsums dar. Heinrich-Böll-Stiftung und BUND fordern Abkehr von Massenproduktion.

Berlin. Jeder Deutsche verspeist in seinem Leben im Durchschnitt das Fleisch von 1.094 Tieren. Laut einem am Donnerstag in Berlin vorgestellten "Fleischatlas" verzehrt er dabei 945 Hühner, 46 Schweine, 46 Puten, 37 Enten, zwölf Gänse sowie jeweils vier Rinder und vier Schafe.

Mit einem jährlichen Fleischverzehr von rund 60 Kilogramm würden die Deutschen doppelt so viel Fleisch essen wie die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern, heißt es in der Untersuchung im Auftrag der den Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung, der Zeitung Le Monde Diplomatique und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Deshalb fordert BUND eine Abkehr von der massenhaften Fleischproduktion in der Landwirtschaft. "Neben der Energiewende brauchen wir eine überfällige Agrarwende", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Donnerstag in Berlin mit Blick auf die Wahlen 2013 im Bund und den großen Agrar- Ländern Niedersachsen und Bayern.

Anders ließen sich Probleme wie der Rückgang von Pflanzenarten, Grundwasserbelastungen und der massive Einsatz von Antibiotika nicht lösen. Laut einer vom BUND und der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung vorgelegten Datensammlung ist der Fleischkonsum in Industrieländern viel höher als in armen Ländern

In dem "Fleischatlas" werden in Texten und Grafiken die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit aufgezeigt. Demnach liegt in den ärmsten Ländern der Welt der durchschnittliche jährliche Fleischkonsum unter zehn Kilogramm pro Person. Zugleich produzieren deutsche Fleischfabriken etwa 17 Prozent mehr Fleisch als im Land verzehrt wird.

Fast zwei Drittel der hiesigen Agrarflächen dienten inzwischen der Erzeugung von Futtermitteln, die für die Aufzucht von Schweinen, Hühnern und anderen Tieren in Mastfabriken gebraucht werden, hieß es weiter. Besorgniserregend hoch sei auch der Einsatz von Antibiotika in der globalen Massenproduktion von Fleisch.

Im weltweiten Ranking liege Deutschland mit geschätzten rund 170 Milligramm eingesetzten Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch auf einem der vorderen Plätze. Ergebnis davon sei die Zunahme von Antibiotika-Resistenzen bei den Menschen.

Die Heinrich-Böll-Stiftung forderte eine Kehrtwende in der Agarpolitik. "Das heißt, Subventionen für die intensive Fleischproduktion streichen, Landnahme im Süden verhindern, die kleinbäuerliche Landwirtschaft fördern und das Menschenrecht auf Nahrung endlich ernst nehmen", erklärte Vorstand Barbara Unmüßig.

Mittlerweile werde nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen für die Futtermittelproduktion genutzt, während Kleinbauern zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren, hieß es weiter. "Das Schnitzel auf unserem Teller geht also nicht selten auf Kosten der Ernährungssicherheit zahlreicher Menschen im Süden dieser Welt", kritisierte Unmüßig.

Der BUND warf Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) mangelnden Reformwillen bei der Förderpraxis vor. "Es werden in Deutschland weiter neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig macht", kritisierte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Tatsächlich zahlten die Verbraucher einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und später für die Umwelt- und Gesundheitsschäden.