02.01.13

Transplantationen

Organspendeskandal: Keine Querverbindung nach Göttingen

An der Leipziger Uniklinik sollen seit 2010 etliche Organspenden manipuliert worden sein. Zwei Oberärzte wurden suspendiert.

Foto: dpa
Transplantation
Nierentransplantation in einer deutschen Klinik: In Leipzig ist ein neuer Organspendeskandal aufgedeckt worden

Braunschweig/Leipzig. Die in Leipzig entdeckten Manipulationen bei Organspenden haben nach aktuellem Ermittlungsstand nichts mit der Göttinger Organspenden-Affäre zu tun. "Konkrete Verbindungen sind derzeit nicht bekannt", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Mittwoch. Möglicherweise sei allerdings in Leipzig nach ähnlichen Prinzipien wie in Göttingen vorgegangen worden.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt seit Juni gegen den Ex-Leiter der Göttinger Transplantationschirurgie wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Er soll Daten so manipuliert haben, dass seine Patienten bevorzugt Spenderlebern erhielten.

Bericht: Klinikdirektor und zwei Oberärzte beurlaubt

Vom neuesten Organspendeskandal hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Nach Informationen der Zeitung wurden bei 37 der 182 Patienten, denen in den Jahren 2010 und 2011 in Leipzig eine Spenderleber transplantiert wurde, Daten manipuliert. Das habe der Medizinische Vorstand des Klinikums, Wolfgang Fleig, bestätigt, meldet das Blatt in seiner Mittwochausgabe.

Zuvor hatte bereits die Bundesärztekammer mitgeteilt, dass dort in zahlreichen Fällen Patienten fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden seien, um sie auf der Warteliste zur Organtransplantation besser zu positionieren. Dies habe eine Überprüfung seitens zweier Kommissionen ergeben, deren Träger die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband und die Bundesärztekammer seien. Die Unregelmäßigkeiten müssten nun weiter geprüft werden, hieß es.

Auch Klinikvorstand Fleig sagte der "SZ", in den fraglichen Fällen sei angegeben worden, dass die Patienten eine Blutwäsche erhalten hätten – was in Wirklichkeit nicht passiert sei. Dadurch erschienen die Patienten kränker, als sie tatsächlich waren. Sie bekamen von der internationalen Organvermittlung Eurotransplant schneller eine neue Leber zugeteilt.

Die beiden Oberärzte, die das Transplantationsbüro des Klinikums bisher leiteten, seien beurlaubt worden, sagte Fleig. Der Vorstand habe auch den Direktor der Klinik für Transplantationschirurgie von seinen Aufgaben entbunden.

2012 wohl "nur" noch eine Manipulation

Fast alle Manipulationen seien in den Jahren 2010 und 2011 vorgenommen worden. Weshalb zu diesem Zeitpunkt plötzlich der Organ-Betrug angefangen habe, frage sich auch Vorstand Fleig, heißt es weiter. Es habe keinen nennenswerten, einschlägigen Personalwechsel gegeben. Auch sei die Zahl der Transplantationen in diesen Jahren keineswegs sprunghaft gestiegen. Der jetzt beurlaubte Klinikdirektor kam bereits im Jahr 2008 von Berlin nach Leipzig.

Im Jahr 2012 gab es offenbar nur noch eine Manipulation, sagte Fleig. Allerdings hatte Eurotransplant inzwischen den Betrug erschwert, im Zuge des Organspende-Skandals von Göttingen: Seither müssen Kliniken die Dialyseprotokolle beilegen, wenn sie Patienten auf die Warteliste bei Eurotransplant setzen.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Skandale um Manipulationen bei der Organvergabe die Öffentlichkeit erschüttert. Unter anderem an den Universitätskliniken in Regensburg und Göttingen hatten Ärzte Patienten bei der Organvergabe bevorzugt. Die Bereitschaft zur Organspende hat inzwischen deutlich abgenommen.

(dpa/dapd)
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