29.11.12

Studie

Die Generation der glücklichen Rentner

Allensbach-Studie: Mehrheit der 65- bis 85-Jährigen in Deutschland ist rundum zufrieden und fühlt sich wohlhabend und gesund.

Von Claudia Ehrenstein
Foto: pa/beyond/Alessa/Alessandro Ventura
mature couple running hand in hand on beach
Fit, materiell gesichert und glücklich: viele Angehörige der heutigen Seniorengeneration können ihr Leben genießen und ihre Familien unterstützen

Berlin. Die Alten von heute sind eine ganz besondere Generation. Als Kinder haben viele den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt. Als junge Erwachsene schwelgten sie im deutschen Wirtschaftswunder. Ihre Erwerbsbiografie ist noch geradlinig, ihre Rente entsprechend hoch. Jetzt im Alter profitieren sie von den Errungenschaften der modernen Medizin. Renate Köcher, die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, spricht von einer Generation, "die einen unglaublichen Sprung" gemacht hat. Und das drückt sich auch in einem überraschend positiven Lebensgefühl aus.

Das zumindest ist die Botschaft einer aktuellen Altersstudie, die Allensbach im Auftrag des Versicherers Generali Deutschland erstellt hat. Das Leben der 65- bis 85-Jährigen in Deutschland ist demnach alles andere als einsam, eintönig und bitterarm, wie oft vermutet wird. Es ist selbstbestimmt, aktiv und sehr abwechslungsreich. Die Mehrheit der Alten ist rundum zufrieden. "Die Gesellschaft altert strukturell", sagt Köcher. "Die Alten aber fühlen sich jünger als früher." Zwischen gefühltem Alter und dem tatsächlichen Alter liegen im Durchschnitt zehn Jahre. Die Einkommen der älteren Generation hat sich im Vergleich zu den Jungen seit 1975 überdurchschnittlich gut entwickelt.

Wohl nie zuvor war eine Generation so engagiert und wirtschaftlich abgesichert. Und nie zuvor war eine ganze Generation so bemüht, möglichst lange ein unabhängiges Leben zu führen. So treiben heute 44 Prozent der Älteren mehr oder weniger regelmäßig Sport, um beweglich und gesund zu bleiben. Ende der 60er-Jahre waren es nur fünf Prozent gewesen. Schon diese Zahl zeigt, wie sehr sich das Bewusstsein älterer Menschen geändert hat. 94 Prozent geben an, ihr Wunsch für die Zukunft sei, gesund zu bleiben.

Knapp die Hälfte der jungen Alten im Alter zwischen 65 und 74 Jahren stuft ihren Gesundheitszustand als gut bis sehr gut ein. Bei den 75- bis 79-Jährigen sind es immerhin noch 36 Prozent. In beiden Altersgruppen fühlen sich heute deutlich mehr Frauen und Männer gesund als noch Mitte der 80er-Jahre. Es bleibt vor allem die Sorge, mit fortgeschrittenen Alter gebrechlich zu werden und im schlimmsten Fall an Demenz zu erkranken. 86 Prozent hoffen, möglichst lange geistig fit zu bleiben. Zur aktuellen Zufriedenheit der Alten trägt auch die gestiegene Mobilität bei. Fast ein Drittel der älteren Generation verlässt noch täglich das Haus. 68 Prozent haben ein eigenes Auto. Auch dieser Anteil hat im Vergleich zu den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. So hatten Mitte der 80er-Jahre nur zehn Prozent der 75- bis 79-Jährigen ein Auto zur Verfügung, heute sind es rund 50 Prozent. Und auch bei den 80- bis 85-Jährigen ist noch jeder Vierte mehrmals die Woche mit dem Auto unterwegs.

Das positive Lebensgefühl äußert sich auch darin, dass immerhin noch 45 Prozent der 70- bis 74-jährigen Frauen regelmäßig einen Lippenstift verwendet - das ist der gleiche Wert wie bei Teenagern.

Am deutlichsten aber drückt sich die Diskrepanz zwischen dem weit verbreiteten negativen Altersbild und der gelebten Realität im Verhältnis zwischen den Generationen aus. Von einem oft schon beschworenen Krieg zwischen Jung und Alt ist zumindest in der Studie nichts zu spüren. Die Alten sind dagegen stark in die familiären Strukturen eingebunden und pflegen enge Kontakte zu ihren Kindern. Sie treffen sich zum gemeinsamen Essen, geben gute Ratschläge, helfen bei Reparaturen in der Wohnung oder bei der Gartenarbeit und passen auf die Enkelkinder auf.

Vor allem aber unterstützen die Alten die Jungen finanziell. Die jährlichen Transferzahlungen summieren sich insgesamt auf knapp zehn Milliarden Euro; darin sind die Beiträge für größere Anschaffungen sowie Erbschaften und Schenkungen noch nicht enthalten. Die Mehrheit der Alten hofft, später einmal in der Familie gepflegt zu werden. 90 Prozent der über 65-jährigen Frauen und Männer haben Kinder, und sie haben guten Grund, darauf zu vertrauen, später nicht in ein Heim abgeschoben zu werden. Auch das gehört zum Glück dieser Generation, noch in traditionellen Familienstrukturen gelebt zu haben.

Auch außerhalb der Familie seien Ältere aktiv. Aktuell engagierten sich 45 Prozent im gesellschaftlichen Bereich. Hochgerechnet auf die Gesamtheit aller 65- bis 85-Jährigen ergebe dies einen zeitlichen Umfang von rund 1,48 Milliarden Stunden pro Jahr, was einer Arbeitszeit von etwa 870 000 Vollzeitbeschäftigten entspreche. Die Studie zeige, dass ältere Menschen mit ihren geistigen, zeitlichen und materiellen Ressourcen eine bemerkenswerte Unterstützung der nachfolgenden Generationen leisten könnten, erklärte der Heidelberger Gerontologe Andreas Kruse vom Wissenschaftlichen Beirat der Generali Altersstudie. Da der demografische Wandel wachsende Anforderungen an die sozialen Sicherungssysteme stelle, sollten die Ressourcen der älteren Generation stärker in den Blick genommen werden.

Schon in den nachfolgenden Jahrgängen nimmt nämlich die Zahl der Kinderlosen zu, und die Familienbande sind oft nicht mehr so eng. Kruse fordert Politik und Gesellschaft denn auch auf, auf diese demografischen Veränderungen frühzeitig zu reagieren und entsprechende Rahmenbedingungen etwa für die Pflege der alten Menschen zu schaffen. Schon ab 2025 werde sich die Situation verschärfen, warnt Kruse.

So unbeschwert und zufrieden wie die heutige Generation 65 plus werden die nachfolgenden Generationen im Alter wohl nicht mehr leben können. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Ungleichheit innerhalb der Altersgruppe größer werden wird, etwa was die materielle Sicherheit betrifft. Die Bürgergesellschaft müsse Wege finden, um in Zukunft die wachsende Zahl von Alleinstehenden im Alter zu versorgen, fordert Kruse. "Und jeder Einzelne muss sich fragen, was er für das Gemeinwohl tun kann."

Die positive Stimmung, die in der Altersstudie zum Ausdruck kommt, kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Alter jenseits des 80. Geburtstags immer deutlicher bemerkbar macht. Das Risiko für schwere Krankheiten nimmt zu, die Kontrolle über den Körper geht allmählich verloren. Kruse spricht von "Verletzlichkeit". Und wenn Menschen sich verletzlich fühlen, dann fühlen sie sich auch alt. Dennoch bleibt Kruse optimistisch: Die "psychische Verarbeitungskapazität" - also die Fähigkeit des Menschen, mit den Herausforderungen des Alters fertigzuwerden - sei lange unterschätzt worden. Alternsforscher Paul B. Baltes hatte es einst so ausgedrückt: "Wir Menschen sind mit der fantastischen Fähigkeit ausgestattet, unsere Bedürfnisse und Erwartungen kontinuierlich an das anzupassen, was unsere Kräfte zulassen. Darin liegt die Quelle, um ein gutes Alter zu erleben."

Die Rentenanpassungsformel

Rentenerhöhungen errechnen sich aus der gesetzlich festgelegten Rentenanpassungsformel. Deren wichtigstes Element ist die Entwicklung der Bruttolöhne des Vorjahres. Diese wird aber nicht eins zu eins an die Rentner weitergegeben, sondern durch mehrere Faktoren in der Berechnungsformel positiv oder negativ beeinflusst. Sie führen aber unterm Strich dazu, dass die Renten hinter den Löhnen zurückbleiben.

Für die Berechnung von Rentenanpassungen werden nur jene Löhne berücksichtigt, für die Rentenversicherungsbeiträge entrichtet werden. Beamtengehälter und beitragsfreie Löhne oder Lohnbestandteile - wie Entgeltumwandlung oder Gehälter über der Beitragsbemessungsgrenze – bleiben damit außen vor.

 In der höchst komplizierten Formel spielen auch Veränderungen des Beitragssatzes eine Rolle: Müssen die Beschäftigten einen höheren bezahlen, wird die Rentensteigerung gedämpft – müssen sie weniger in die Rentenkasse einzahlen, steigen die Renten stärker. Grundsätzlich dämpfende Wirkung hat zudem der sogenannte Riester-Faktor, mit dem die Beiträge der Beschäftigten zur staatlich geförderten Altersvorsorge bei der Rentenberechnung berücksichtigt werden.

Positiv wie negativ kann eine weitere Formelgröße wirken: der Nachhaltigkeitsfaktor, der das Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern abbildet. Steigt die Zahl der Einzahler gegenüber der der Rentenbezieher, wirkt dies rentensteigernd – und umgekehrt.

Eine Schutzklausel verhindert bei schwacher Lohnentwicklung generell eine Rentensenkung. Für Ostdeutschland gibt es eine weitere Garantie: Dort dürfen die Rentenerhöhungen in keinem Fall geringer als im Westen ausfallen.

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