10.11.12

Auszeichnung

Lutherpreis geht nach Bayern und nicht an Pussy Riot

Initiative "Keine Bedienung für Nazis" erhält Luther-Preis. Preis "Das unerschrockene Wort" 2013 soll Zeichen gegen Rechts setzen.

Foto: dpa
Jury entscheidet über Luther-Preis
Roland Hoffmann, Altbischoff der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und Torsten Zugehör, Bürgermeister der Stadt Wittenberg (r) gehören zu den Jurymitgliedern die am in Eisleben (Sachsen-Anhalt) über die Vergabe des Lutherpreises 2013 entscheiden. Unter den drei nominierten Kandidaten ist die russische Frauen-Punkband Pussy Riot, die nach ihrem kremlkritischen Auftritt in einer Moskauer Kirche verurteilt worden war

Eisleben. Die Regensburger Gastwirte-Initiative "Keine Bedienung für Nazis" wird mit dem Zivilcourage-Preis "Das unerschrockene Wort" 2013 geehrt. Die ebenfalls nominierte russische Punk-Band Pussy Riot geht leer aus. Das gab die Jury am Samstag in Eisleben bekannt. Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Namen von 16 deutschen Lutherstädten alle zwei Jahre vergeben. "Die Wahl fiel nach zwei Abstimmungsrunden einstimmig aus", sagte die Juryvorsitzende, Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer (parteilos). Der Preis wird am 13. April 2013 in Eisleben verliehen.

"Damit hätten wir nicht gerechnet und freuen uns wahnsinnig", sagte Ludwig Simek von der Initiative "Keine Bedienung für Nazis" der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. "Wir hoffen, dass wir mit der Aufmerksamkeit und dem Preisgeld die Idee auch in anderen Städten in Deutschland weiterverbreiten können." Bislang hätten schon einige Städte in Bayern wie Nürnberg oder Landshut die Idee aufgegriffen.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hatte die Initiative "Keine Bedienung für Nazis" für den Luther-Preis vorgeschlagen. Sie war im Sommer 2010 nach einem rassistisch motivierten Angriff auf einen Barkeeper eines Restaurants in der Regensburger Innenstadt gegründet worden. Ihr gehören fast 150 Gastronomen aus Regensburg an. Andere Wirte in Bayern schlossen sich dem Beispiel an. Zudem wurde die Broschüre "Rassisten werden hier nicht bedient" erarbeitet, die Gastwirten helfe, Nazis zu erkennen.

Der Barkeeper habe mutig eine junge Frau geschützt, die mit ihrem Kind vor dem Lokal von Rechtsextremen überfallen worden sei. Die Nazis seien zwei Wochen später zurückgekommen und hätten den Mann zusammengeschlagen und das Restaurant verwüstet, sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Der Jury lagen am Ende sechs Vorschläge vor, darunter die russische Punkband Pussy Riot. Die Frauen hatten mit ihrer Kremlkritik im Februar in der Moskauer Erlöser-Kirche und ihrer Verurteilung weltweit Aufsehen erregt.

Mit dem Luther-Preis werden Menschen geehrt, die wie einst der Reformator Martin Luther (1483-1546) ihre Überzeugung mutig und standhaft gegen Widerstände verteidigen. 2011 hatten der Chefredakteur der russischen Tageszeitung "Nowaja Gaseta", Dimitrij Muratow, und die Redaktion die Auszeichnung bekommen

abendblatt.de/dpa
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