Arbeitnehmerfreizügigkeit

Wirtschaftsminister: Deutschland hat Grenzen zu spät geöffnet

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Das Fazit: Arbeitnehmerfreizügigkeit zeigt kaum Wirkung. Rösler fordert Unternehmen auf, mehr Kinderbetreuung anzubieten.

Hamburg. Knapp zwei Monate nach Einführung der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland hat Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein ernüchterndes Fazit gezogen. Die seit Mai geltende Freizügigkeit im Verhältnis zu den EU-Beitrittsländern habe für Deutschland bislang kaum Wirkung gezeigt, sagte Rösler dem Hamburger Abendblatt (Montag). "Der Grund ist, dass wir die Grenzen zu spät geöffnet haben. Viele hoch qualifizierte Fachkräfte haben längst einen weiten Bogen um Deutschland gemacht", kritisierte der Minister.

Rösler wies daraufhin, dass Deutschland allein im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich 140.000 Fachkräfte fehlen. Er warnte die deutschen Unternehmen, ihre Standorte ins europäische Ausland zu verlegen, "nur weil sie in Deutschland keine Fachkräfte mehr gewinnen". Deswegen gehöre die Fachkräftesicherung ganz oben auf die politische Agenda.

Rösler forderte die Wirtschaft auf, sich um Kindergartenplätze zu kümmern. "Ich bin überzeugt, dass die Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil haben, die ihren Beschäftigten eine Kinderbetreuung anbieten", so der FDP-Chef. Junge Eltern würden sich vor allem die Betriebe aussuchen, in denen sie ihren Beruf mit der Familie am besten vereinbaren können. Das Bundeswirtschaftsministerium gehe mit gutem Vorbild voran, "indem wir in einem nahe gelegenen Kindergarten einige Plätze für unsere Beschäftigten belegt haben". Der Minister betonte: "Das ist ein Weg, den auch Unternehmen beschreiten können."