Vattenfall will Entschädigung für abgeschaltete Atomkraftwerke

Paris/Düsseldorf. Vattenfall verlangt für die Abschaltung seiner deutschen Atomkraftwerke eine Reststromübertragung auf andere AKW. "Für uns könnte der deutsche Atomausstieg im Geschäftsjahr 2011 Hunderte Millionen Euro Verlust bedeuten", sagte Konzernchef Oystein Løseth der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Die Frage für den Konzern sei, ob es eine Kompensation geben werde, und zwar "durch einen Transfer von Stromvolumen von sofort stillzulegenden AKW auf solche, die erst 2022 abgeschaltet werden sollen". In den Ausbau der schwedischen Atomkraft werde Vattenfall weiter investieren.

Der zu 100 Prozent vom schwedischen Staat gehaltene Konzern besitzt in Deutschland die Mehrheit an den vom Netz genommenen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel und ist zu 20 Prozent am AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein beteiligt. Laut dem beschlossenen Atomausstieg soll Brokdorf etwa 2021 vom Netz gehen. Durch die laut Gesetzentwurf mögliche Reststrommengenübertragung von alten auf neue Atomkraftwerke könnten die verbleibenden neun AKW allesamt erst 2021 oder 2022 abgeschaltet werden. Die beschleunigte Energiewende verursacht bei den großen deutschen Kernkraftbetreibern einer Studie zufolge Vermögensschäden von bis zu 22 Milliarden Euro. Rund ein Viertel der Marktkapitalisierung von E.on und RWE gingen durch den Beschluss der schwarz-gelben Koalition, bis 2022 alle Atommeiler abzuschalten und die ältesten Kernkraftwerke ab sofort endgültig vom Netz zu nehmen, verloren. Das schrieben Analysten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in einer Studie, über die auch das "Handelsblatt" berichtete.

Die Energiekonzerne haben sich bislang noch nicht konkret zu den Auswirkungen geäußert. E.on-Vorstandschef Johannes Teyssen sprach lediglich von einem Milliardenschaden durch den vorzeitigen Atomausstieg. Hierfür fordert der Konzern von der Bundesregierung einen Ausgleich. Ein Wegfall der Brennelementesteuer, den die Branche erwartet hatte, hätte die Vermögensverluste um fünf bis sechs Prozent begrenzt. E.on hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, gegen die Abgabe zu klagen. Der Vattenfall-Chef hält die Klage für richtig. Sein Konzern will aber abwarten, was die Bundesregierung konkret vorschlagen will.

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