Kommentar: Gewerkschaft will Cyber-Cops Unerträgliche Leichtigkeit

Früher, da war, laut Reinhard Mey, die Freiheit über den Wolken noch grenzenlos. Heute ist Hochbetrieb am Himmel, Vorschriften verhindern Kollisionen am Firmament.

Grenzenlose Freiheit gibt es nur noch im Internet. Bei bösartigem Cyber-Mobbing sind oft Schüler die Opfer, beim etwas harmloseren Spickmich die Lehrer. Geschäftemacher zocken im Internet ab. Nazi-Propaganda übelster Art, in denen der Holocaust geleugnet und gegen Juden gehetzt wird, wird über ausländische Websites ins Netz gestellt. In unerträglicher Leichtigkeit wird mit dem Urheberrecht Schindluder getrieben, dank Google kann man es sich eigentlich nur noch verletzt vorstellen. Und wenn Familienministerin Ursula von der Leyen schärfer gegen Kinderpornografie vorgehen will, wird sie gleich als "Zensurla" verspottet.

Gerne auch von der Piraten-Partei, die sich als Kämpferin für die Freiheit des Internets versteht. 0,9 Prozent bekam sie bei der Europa-Wahl, hat seitdem noch größeren Zulauf. Bei ihr fand der Ex-SPD-Politiker Tauss Unterschlupf, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt. Gut, dass die Gesundheitsbehörden bei Schweinegrippe wenigstens zwei Meter Abstand gegenüber Infizierten empfiehlt.

Respekt vor dem Mitmenschen, vor der Würde von Kindern etwa, Grenzen von Recht und Anstand, Werte, die doch zu den Bildungsgrundsätzen unserer Schulen und Gymnasien gehören - aus wie vielen Gehirnen sind sie schon herausgetwittert? Wenn jetzt die Polizei-Gewerkschaft 2000 sogenannte Cyber-Cops einstellen will, um die strafrechtlichen Auswüchse im Internet besser bekämpfen zu können, ist das mehr als berechtigt - angesichts der mutmaßlich doppelt so vielen Ordnungshüter, die sich jeden Tag in Deutschland um die Verfolgung von Parksündern kümmern müssen.