Soldaten sollen sensible Orte schützen. Premierminister Vals geht von weiterem Terror-Helfer aus. US-Außenminister will nach Paris reisen. Jüdische Opfer werden in Jerusalem beigesetzt.

Paris. Frankreichs Präsident François Hollande hat für Montagmorgen den für die innere Sicherheit des Landes zuständigen Teil der Regierung zu einer Sitzung in den Élyséepalast zusammengerufen. Einen Tag nach dem Solidaritätsmarsch von fast vier Millionen Menschen in Frankreich gegen den Terrorismus will die Regierung über mögliche Konsequenzen aus den islamistischen Anschlägen etwa auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ beraten. Zum Sicherheitskabinett gehören neben Premierminister Manuel Valls auch die Ressortchefs Bernard Cazeneuve (Innen) und Christiane Taubira (Justiz). Valls hatte nach den Anschlägen bereits von neuen Maßnahmen gesprochen, mit denen auf die terroristische Bedrohung reagiert werden solle.

Die Demonstration in Paris mit bis zu 1,5 Millionen Teilnehmern war die größte Versammlung der Nachkriegszeit in Frankreich. Dutzende Staats- und Regierungschefs waren dazu in die französische Hauptstadt gekommen. Bei mehreren islamistischen Terroranschlägen, Morden und Geiselnahmen waren seit Mittwoch im Land 17 unschuldige Menschen getötet worden.

Abendblatt.de hält Sie auch am Montag über die Entwicklungen nach den Terroranschlägen von Paris auf dem Laufenden:

+++ Davutoglu fordert Solidarität auch bei islamfeindlichen Anschlägen +++

12.24 Uhr: Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat vor seinem Berlin-Besuch europäische Solidarität auch bei islamfeindlichen Anschlägen angemahnt. „Wir haben jetzt mehr als je das Recht, dieselbe Sensibilität von Europa bei islamophoben Angriffen zu erwarten“, sagte Davutoglu nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend in Paris. „Es ist unser Recht, dieselbe Einheit von Weltenlenkern zu erwarten, wenn Menschen in Damaskus und Gaza ermordet werden.“ Davutoglu hatte am Sonntag an der Großkundgebung gegen Terrorismus in Paris teilgenommen. Am Montag wollte er Bundeskanzlern Angela Merkel in Berlin treffen.

+++ SPD-Mahnwache statt Großdemonstration +++

12.09 Uhr: Die von SPD-Chef Sigmar Gabriel ins Gespräch gebrachte parteiübergreifende Großdemonstration nach den Anschlägen von Paris wird vorerst nicht stattfinden. Stattdessen würden alle SPD-Bundesminister und die Bundestagsfraktion am Dienstag geschlossen an einer Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin teilnehmen, zu der der Zentralrat der Muslime aufgerufen habe, teilte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi in Berlin mit. Nach ihrer Kenntnis hätten alle im Bundestag vertretenen Parteien zur Teilnahme aufgerufen. Dies sei „genau das Zeichen, das auch Sigmar Gabriel mit seinem Anschreiben an die anderen Parteivorsitzenden initiieren wollte“.

Fahimi warnte nach einer Telefonkonferenz des SPD-Präsidiums, die Anschläge von Paris mit 17 Toten dürften „nicht in einer überschnellen Reaktion zu einem ultimativen Überstaat führen“. Zwar müsse ständig überprüft werden, ob dieSicherheitsbehörden gut aufgestellt und ausgerüstet seien. „Aber ich warne vor politischen Kurzschlusshandlungen“, sagte Fahimi.

+++ Houellebecq soll in Köln lesen +++

12.01 Uhr: Der französische Autor Michel Houellebecq will trotz seines Rückzugs aus Paris nach dem Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ am nächsten Montag seinen islamkritischen Roman „Unterwerfung“ in Köln vorstellen. Das teilte der DuMont Buchverlag am Montag mit. Die Sicherheitsmaßnahmen im „Depot 1“ des Kölner Schauspiels würden voraussichtlich strenger sein als zunächst geplant, sagte Verlagssprecherin Julia Giordano. Zwei islamistische Attentäter hatten in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ am Tag des Erscheinens von Houellebecqs Roman zwölf Menschen ermordet. Houellebecq (56) beschreibt darin das Leben in Frankreich unter einem muslimischen Präsidenten. „Charlie Hebdo“ hatte eine Karikatur über den Autor auf der Titelseite. Die deutsche Ausgabe des Romans kommt an diesem Freitag in die Läden.

+++ Französische Karikaturisten gegen Pegida +++

11.33 Uhr: Französische und frankophone Karikaturisten haben der Dresdner Pegida-Bewegung vorgeworfen, die Attentate in Frankreich „auf zynische Art und Weise“ auszuschlachten. Auf ihrer zweisprachigen Facebook-Seite, die seit Montagmorgen online ist, fordert die Gruppe „Karikaturisten gegen Pegida“ die Dresdner Bürger auf, für Toleranz, Weltoffenheit und gegen Hass und Islamfeindlichkeit einzustehen. „Wir wollen uns gegen eine Vereinnahmung wehren“, erklärte ein Sprecher der Aktion am Montag.

Die Idee für den Aufruf sei spontan Ende der vergangenen Woche entstanden, nachdem man von den Plänen der Dresdner Pegida-Bewegung gehört habe, wegen der Opfer des „Charlie-Hebdo“-Anschlages mit Trauerflor durch die Straßen zu ziehen. „Es gab sofort viel Zustimmung von verschiedenen Zeichnern an vielen verschiedenen Orten“, sagte der Sprecher. Der Aufruf verbreite sich schnell. „Es kommen immer noch neue Karikaturen hinzu.“

Zu den Unterzeichnern der Aufrufs gehört auch der niederländische Karikaturist „Willem“ – Gründungsmitglied und Zeichner bei dem französischen Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Er überlebte, weil er während des Anschlages im Zug nach Paris saß. Gut ein Dutzend Karikaturen sind mittlerweile online zu sehen.

„Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in dem Aufruf. Eine der Karikaturen zeigt etwa eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen.

Anhänger der Pegida-Bewegung wollten am Montagabend wieder bundesweit auf die Straße gehen – erstmals nach den Terroranschlägen von Paris.

Bereits am Donnerstag hatten 200 Karikaturisten, Cartoonisten und Comiczeichner aus dem deutschsprachigen Raum ihre Anteilnahme und Solidarität mit der Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ bekundet.

+++ Frankreich mobilisiert 10.000 Sicherheitskräfte +++

10.33 Uhr: Frankreich mobilisiert 10.000 Sicherheitskräfte, um das Land zu schützen. Dies teilte Innenminister Bernard Cazeneuve mit. Ihre Stationierung werde am Dienstag beginnen, vor allem an Orten, die als angreifbar gelten.

Nach den Worten von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sollen Soldaten „an sensiblen Punkten des Landes“ eingesetzt werden. Präsident François Hollande, in Frankreich oberster Befehlshaber der Streitkräfte, habe die Militärs mit Blick auf das Ausmaß der Bedrohung zur Beteiligung an der Sicherung aufgefordert, sagte Le Drian am Montag nach einer Sitzung des für innere Sicherheit zuständigen Kabinettsteils mit dem Staatschef. Zuvor hatte Premierminister Manuel Valls angekündigt, wegen der unveränderten Sicherheitslage bleibe die höchste Terrorwarnstufe in Kraft.

+++ Coulibaly-Komplizin vor Anschlag ausgereist +++

10.19 Uhr: Die mutmaßliche Komplizin voneinem der islamistischen Attentäter von Paris hat nach Angabendes türkischen Außenministeriums bereits vor den Anschlägen Frankreich verlassen. Die Partnerin von Amedy Coulibaly sei am 8. Januar von der Türkei in Richtung Syrien ausgereist, sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu der amtlichen Nachrichtenagentur Anatolian. An diesem Tag soll ihr Lebensgefährte in Paris eine Polizistin erschossen haben.

Hayat Boumeddiene sei aber bereits am 2. Januar mit einem Flug aus Madrid in Istanbul eingetroffen und habe dort in einem Hotel gewohnt.

Coulibaly hatte nach dem Mord an der Polizistin am Freitag in einem jüdischen Supermarkt vier weitere Menschen getötet. Er bekannte sich in einem am Sonntag veröffentlichten Video als Kämpfer des Islamischen Staates und gab an, die Attentate inP aris koordiniert zu haben.

+++ Polizei sucht nach Kouachi-Komplizen +++

9.38 Uhr: Die französische Polizei sucht nach Unterstützern der islamistischen Terroristen. Es gebe „ohne Zweifel einen Komplizen“, sagte Premierminister Manuel Valls am Montag dem französischen Sender BFMTV. „Die Jagd geht weiter“; mehr wolle er dazu nicht sagen. Valls kündigte neue Schritte im Kampf gegen den Terrorismus an. Zunächst sollten Möglichkeiten für Abhörmaßnahmen verbessert werden. Islamistische Häftlinge sollten in den Gefängnissen isoliert werden. Zwei der Terroristen, die in der vergangenen Woche bei Anschlägen und Geiselnahmen 17 Menschen getötet hatten, waren in ihrer Haftzeit in Kontakt. Die Sicherheitslage sieht der Regierungschef in Frankreich unverändert. Deswegen bleibe die höchste Terrorwarnstufe in Kraft. Bereits jetzt seien 2000 zusätzliche Soldaten eingesetzt, in den kommenden Tagen soll die Zahl laut Valls auf 6000 steigen.

+++ Solidarität mit „Charlie“ bei den Golden Globes +++

9.05 Uhr: Auch Hollywood trauert mit Paris: Bei der Verleihung der Golden Globes in Los Angeles haben zahlreiche Stars ihre Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge von Frankreich gezeigt. George Clooney (53) trug am Sonntagabend (Ortszeit) einen schwarzen Button mit dem Slogan:„Je suis Charlie“ („Ich binCharlie“). Oscar-Preisträgerin Kathy Bates (66, „Misery“) hielt die Rückseite ihres Smartphones in die Kameras, das den gleichen Schriftzug trug. Auch Stars wie Diane Kruger, Joshua Jackson und Hellen Mirren waren auf dem roten Teppich mit „Je suis Charlie“-Schildern zu sehen.

+++ Kerry reagiert und reist nach Paris +++

8.38 Uhr: Die USA sucht im Kampf gegen Terrorismus den Schulterschluss mit Frankreich und Europa. Außenminister John Kerry will am Donnerstag nach Paris reisen, um dort über Maßnahmen gegen Gewalt von Extremisten zu beraten. Dies kündigte Kerry am Montag an.

Es gehe darum, die Solidarität der USA mit ihrem ältesten europäischen Verbündeten zu bekräftigen, fügte der Außenminister hinzu. Unter anderem will er sich bei seinem Aufenthalt bis Freitag mit Frankreichs Außenminister Laurent Fabius treffen und die Anschlagsopfer würdigen. Die US-Regierung war intern dafür kritisiert worden, dass sie keinen Vertreter zu dem großen Solidaritätsmarsch in Paris am Sonntag geschickt hatte.

+++ Jüdische Opfer werden in Jerusalem beigesetzt +++

8.27 Uhr: Die vier jüdischen Opfer des Anschlags auf den koscheren Supermarkt werden am Dienstag in Jerusalem beigesetzt. Die Begräbniszeremonie ist am Mittag auf dem Givat-Schaul-Friedhof am Eingang der Stadt geplant, wie ein Sprecher des israelischen Außenministeriums bestätigte. Die Särge mit den sterblichen Überresten sowie die Angehörigen werden am Dienstagmorgen in Israel erwartet. Ein islamistischer Attentäter hatte Joav Hattab (21), Johan Cohen (22), Philippe Braham (45) und François-Michel Saada (60) am Freitag in einem Geschäft am östlichen Stadtrand von Paris getötet.