26.03.13

Waffenlieferung

CIA hat schon 2012 Luftbrücke nach Syrien aufgebaut

Die Rebellen erhalten angeblich seit mehreren Monaten mit Hilfe des US-Auslandsgeheimdienstes Tausende Tonnen an Waffen per Flugzeug.

Von Thomas Frankenfeld
Foto: AFP
In Aleppo - mit fast 1,7 Millionen Einwohnern Syriens größte Stadt - posieren bewaffnete syrische Rebellen mit der Fahne der Opposition
In Aleppo - mit fast 1,7 Millionen Einwohnern Syriens größte Stadt - posieren bewaffnete syrische Rebellen mit der Fahne der Opposition

Hamburg/New York . Während die Europäische Union tief zerstritten ist in der Frage von Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen und während Frankreich und Großbritannien offenbar einen entsprechenden Alleingang vorbereiten, läuft bereits seit Monaten eine massive Luftbrücke, die syrische Aufständische mit Waffen und militärischem Material versorgt. Nach Angaben der "New York Times" begann diese Luftbrücke auf bescheidenem Niveau bereits im Frühjahr 2012 und nahm dann rasch an Umfang zu.

Die Recherchen der Zeitung beruhen auf Luftverkehrsdaten, Gesprächen mit Beamten und Politikern in diversen Staaten sowie Aufzeichnungen von Rebellenkommandeuren.

Inzwischen seien mehr als 160 militärische Transportflüge verzeichnet, die von jordanischen, saudischen und katarischen Maschinen ausgeführt wurden. Die Flugzeuge landen demnach vor allem auf dem Flugplatz Esenboga bei Ankara. Und während die Administration von US-Präsident Barack Obama offiziell alles andere als "nicht tödliche" Hilfe verweigert, ist der US-Auslandsgeheimdienst CIA offenbar beratend bei den Transporten tätig.

Wie das US-Blatt schrieb, sei Washington "mehr als bereit", die arabischen Alliierten bei der "tödlichen Seite des Krieges" zu unterstützen. Aus geheimen Basen heraus helfen amerikanische Geheimdienstoffiziere demnach beim Kauf von Waffen, darunter große Kontingente aus Kroatien. Die CIA hilft den Rebellen ferner dabei, die Waffen an die geeigneten Kämpfer zu verteilen. Ein früherer US-Beamter sagte, David Petraeus, CIA-Direktor bis November, habe eine entscheidende Rolle bei der Installierung dieses Transportnetzes gespielt und habe einige Staaten dazu gedrängt, dabei mitzumachen. Amerikanische Beamte haben bestätigt, dass das Weiße Haus sich regelmäßig über die Lieferungen unterrichten ließ. Die US-Regierung habe befürchtet, dass bestimmte Staaten ohnehin die Rebellen bewaffnen wollten - und so habe man über die CIA einen Einfluss auf die Lieferungen nehmen können.

Der größte Teil der Transportflüge läuft seit November - nachdem Obama wiedergewählt wurde und die Regierungen in der Türkei und arabischen Staaten zunehmend frustriert waren über die dürftigen Fortschritte der syrischen Rebellen gegen Präsident Assads gut ausgerüstete Truppen. Die türkische Regierung hat dem Bericht nach den Großteil des Waffenlieferungsprogramms überwacht, hat sogar Transponder an den Lastwagen angebracht, um den genauen Weg der Lieferungen nach Syrien hinein zu verfolgen.

Hugh Griffiths vom Stockholmer Friedenforschungsinstitut Sipri schätzt den bisherigen Umfang der Lieferungen auf 3500 Tonnen. "Die Intensität und die Häufigkeit dieser Flüge lassen auf eine gut geplante und organisierte geheime militärische Logistikoperation schließen", sagte der Experte.

Zunächst hatten Katar und Saudi-Arabien seit Frühjahr 2012 militärisches Material in geringerem Umfang über die Türkei verschickt, ab dann erlaubte Ankara größere Mengen. Gleichzeitig kaufte Saudi-Arabien Waffen und Ausrüstung in Kroatien und flog sie mit jordanischen Maschinen über Jordanien in die Türkei zu den von dort aus operierenden syrischen Rebellen. Ein amerikanischer Beamter sagte, die Lieferungen seien mittlerweile "voluminös". Aber die Rebellen würden auch rund eine Million Schuss Munition innerhalb von zwei Wochen verbrauchen.

Allerdings sind bezüglich der Lieferungen Probleme aufgetaucht. Hassan Aboud und Abu Ayman, zwei Rebellenkommandeure, beklagten sich, dass diejenigen, die die Adressaten der Waffenlieferungen festsetzten, einen mangelhaften Job machten. "Es gibt falsche Brigaden der ,Freien Syrischen Armee', die sich als Aufständische ausgeben - um dann die Waffen auf dem Markt zu verkaufen", sagte Hassan Aboud.

Ein verschärfendes Phänomen bei der syrischen Krise ist die Rivalität zwischen Sunniten und Schiiten. Die Sunniten bilden mit 74 Prozent die überwältigende Mehrheit der syrischen Bevölkerung; der Rest besteht zumeist aus Alawiten und Schiiten. Die Alawiten stehen den Schiiten nahe - und aus dieser Religionsgemeinschaft stammen der Assad-Clan und viele der syrischen Offiziere. Der schiitische Iran und Russland liefern dem Regime Waffen - auch über den Irak, dessen Bevölkerung mehrheitlich schiitisch ist. US-Außenminister John Kerry rief die Regierung in Bagdad dazu auf, stärker gegen die iranischen Waffenlieferungen via Irak vorzugehen. In einer möglichen politischen Neuordnung Syriens wird die Aufteilung der Macht zwischen Sunniten und Schiiten/Alawiten eine ganz erhebliche Rolle spielen.

Der katholische Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, nannte den Krieg in Syrien eine "Menschheitskatastrophe". Nach seinen Informationen seien bislang dort bis zu 100.000 Menschen getötet worden. Schick begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, syrische Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen. Es seien unzählige Männer, Frauen und Kinder in Syrien vor den Kämpfen auf der Flucht. Den Rebellen in Syrien gelang es unterdessen nach eigenen Angaben, den wichtigsten Grenzübergang nach Jordanien zu erobern.

Der Übergang Nasib sei nach drei Wochen wechselhafter Gefechte gestürmt worden, sagte ein Offizier. Angeblich beherrschen die Rebellen bis zu 90 Prozent des Grenzstreifens zu Jordanien. Einem Bündnis aus radikalislamischen Dschihadisten und Freier Syrischer Armee war es zuvor gelungen, einen Grenzstreifen an der syrisch-jordanischen Grenze nahe den Golanhöhen zu erobern. Israelische und jordanische Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

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