22.02.13

Staatskrise

Ägypter wählen ab April ein neues Parlament

Präsident Mursi erlässt ein entsprechendes Dekret. Wahlen zum Unterhaus sollen in vier Phasen abgehalten werden und bis Juni dauern.

Foto: REUTERS
A protester walks past a graffiti during a march at Tahrir Square in Cairo
Karikaturen von Präsident Mohamed Mursi (l.) und Ex-Präsident Hosni Mubarak (r.) an einer Häuserwand in Kairo

Kairo. Die Ägypter sollen von April bis Juni ein neues Parlament wählen. Präsident Mohamed Mursi erließ am Donnerstag ein entsprechendes Dekret. Am 27. April sollen die Wahlen zum Unterhaus beginnen und laut Dekret in vier Phasen abgehalten werden. Die gewählten Parlamentarier könnten dann am 6. Juli erstmals im neuen Abgeordnetenhaus zusammenkommen. Hintergrund für die ungewöhnlich lange Wahldauer ist, dass die Behörden nicht ausreichend Personal zur Überwachung aller Wahllokale haben.

In einer ersten Runde am 27. und 28. April würden die Bürger in Kairo und vier weiteren Städten des Landes an die Urnen gerufen, berichtete das Fernsehen. Der letzte Durchgang solle am 19. und 20. Juni stattfinden. Mögliche Stichwahlen könnten am 26. und 27. Juni abgehalten werden. "Die Wahlen werden in Phasen abgehalten, um sicherzustellen, dass sie gemäß der Verfassung vollständig von Richter überwacht werden können", sagte Bakinam al-Scharkawi, ein Berater Mursis, dem Sender.

Bereits die vorangegangenen Wahl hatte sich von November 2011 bis Januar 2012 hingezogen. Damals waren die Islamisten stärkste Kraft geworden. Ob die Wahl die innenpolitische Krise in Ägypten lösen kann, ist allerdings mehr als fraglich. In Ägypten gibt es seit Sommer vergangenen Jahres kein Unterhaus mehr. Die Parlamentskammer war im Juni vom Obersten Gericht wegen formaler Fehler im Wahlgesetz aufgelöst worden. Seither hatte der sogenannte Schura-Rat, das Oberhaus, die parlamentarischen Aufgaben übernommen.

Am Donnerstag verabschiedete der von Muslimbrüdern und radikal-islamischen Salafisten dominierte Rat ein überarbeitetes Wahlgesetz und machte damit den Weg für die Parlamentswahlen frei. Um die Verfassungsmäßigkeit hatte es bis zuletzt Streit gegeben. Noch am Montag erklärte das ägyptische Verfassungsgericht fünf Artikel des Gesetzes für ungültig. Das Gericht hatte unter anderem die Aufteilung der Wahlbezirke bemängelt. Dem trug der Schura-Rat nun Rechnung. So wird die Zahl der Sitze von 498 auf 546 erhöht, um eine faire Repräsentation aller Landesteile zu ermöglichen.

Die zusätzlichen Sitze entfallen vor allem auf die Großstädte Kairo und Alexandria. Gegner der regierenden Islamisten hatten diesen vorgeworfen, mit der ursprünglichen Regelung ländlichen Gegenden mehr Gewicht geben zu wollen, in denen die Muslimbrüder traditionell stärker vertreten sind.

Die Lage in Ägypten hatte sich zuletzt wieder zugespitzt. Anlässlich des zweiten Jahrestags des Aufstands gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak zogen in den vergangenen Wochen in mehreren Städten zahlreiche Ägypter auf die Straßen, um gegen den Islamisten Mursi, die neue Verfassung und vor allem den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Politik und Regierung zu demonstrieren. Dabei kam es zu teils schweren Ausschreitungen, etwa 60 Menschen starben.

Die oppositionelle Nationale Heilsfront hatte zuletzt mit einem Boykott der Parlamentswahl gedroht. Sie fordert zudem eine vorgezogene Präsidentenwahl und eine Übergangsregierung der nationalen Einheit. Die Islamisten um Mursi werfen den liberalen und linken Kräften vor, den Aufbau eines neuen demokratischen Staates zu sabotieren und die Gesundung der Wirtschaft zu verhindern. Die instabile Lage wirkt sich zunehmend auf die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes aus. Die seit über zwei Jahren immer wieder aufkommenden Krawalle schrecken viele Touristen ab. Für diesen Freitag haben mehrere Oppositionsgruppen wieder zu Protesten gegen die Regierung Mursis aufgerufen.

(br/dpa/rtr)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
President Barack Obama and family, from left, daughter Sasha, first lady Michelle Obama, and daughter Malia, arrives at Tegel International Airport in Berlin, Tuesday, June 18, 2013. Obama is scheduled to meet with German Chancellor Angela Merkel, and deliver a speech at the Brandenburg Gate on European and U.S. ties. President Barack Obama is opening a 24-hour visit to Germany, the culmination of which will be a speech Wednesday at Berlin's iconic Brandenburg Gate. Obama will also hold meetings with German Chancellor Angela Merkel and other government officials. He arrived in Berlin following a two-day summit of the Group of 8 industrial nations in Northern Ireland. (AP Photo/Evan Vucci)
18.06.13US-Präsident in Berlin
Deutschland empfängt die Familie Obama

Über vier Jahre hat er auf sich warten lassen, monatelang wurde geplant, jetzt ist er da: Barack Obama besucht zum ersten Mal als US-Präsident Berlin. Und lässt sich von den Deutschen feiern. mehr...


Blaulicht eines Polizeifahrzeugs
18.06.13Klassenreise nach Sylt
Verdacht: Hamburger Lehrer soll Schüler missbraucht haben

Die Polizei ermittelt gegen einen Lehrer aus Hamburg, der während einer Klassenfahrt nach Sylt in der vergangenen Woche mehrere Jungen missbraucht haben soll. Die Übergriffe sollen sich im Hamburger… mehr...


Brasiliens Olympiasieger Bruno Prada und Robert Scheidt. Scheidt tritt bei der Kieler Woche im Segel-Duell gegen den Allgäuer Philipp Buhl an
18.06.13Segelfest
Kieler Woche startet mit Generationen-Duell

4500 Teilnehmer aus 50 Ländern werden zum Segelfest erwartet. Sportliches Highlight zum Auftakt ist der Kampf zwischen Laser-Europameister Philipp Buhl und Olympiasieger Robert Scheidt aus Brasilien. mehr...


Jacques Zoua will kommende Saison für den HSV jubeln
18.06.13Möglicher Neuzugang
Basel-Talent Zoua will zu seinem Wunschverein HSV wechseln

Der Sportdirektor des FC Basel, Georg Heitz, bestätigt, dass Jacques Zoua nur zum HSV wechseln will. Auch ein Leihgeschäft sei denkbar. Die Verhandlungen über die Ablösesumme laufen. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Sport
HSV bietet Santa Cruz Zwei-Jahres-Vertrag

Roque Santa Cruz soll der neue Top-Stürmer beim HSV werden und mit einem bis Sommer 2015 datierten Vertrag ausgestattet werden.mehr »

Top Bildergalerien mehr
Konzert

Depeche Mode live in Hamburg

Massenproteste in Brasiliens Großstädten

Rathaus

Sommerfest der Bürgerschaft

Brandstiftung

Autobrände in Schnelsen

Highlights
rb_wetter_926045a.jpg
Wetter in Hamburg

Der aktuelle Wetterbericht mit Karte und Vorhersagemehr

rb_stadtplan_926042a.jpg
Stadtplan Hamburg

Mit dem Hamburger Stadtplan Adresse und Orte findenmehr

rb_webcam_926043a.jpg
Webcams

Besuchen Sie online die schönsten Orte der Welt. mehr