27.01.13

EU-Lateinamerika-Gipfel

Euro-Krise beherrschendes Thema in Chile

Auch Lateinamerika lässt die Euro-Rettung nicht kalt. Länder werden langsam wohlhabender und wollen nicht in die Krise hineingezogen werden.

Foto: AFP
Bundeskanzlerin Merkel mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Santiago
Bundeskanzlerin Merkel mit dem mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto in Santiago

Santiago de Chile. In Sorge um die Weltwirtschaft hat Kanzlerin Angela Merkel Europa zu weiteren Kraftanstrengungen in der Finanzkrise aufgerufen. "Unser aller Entwicklung hängt unglaublich voneinander ab", sagte sie am Sonntag, dem Abschlusstag des Gipfels der EU mit den lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) in Santiago de Chile. Es gehe um Wettbewerbsfähigkeit und Haushaltsdefizite. "Das Allerwichtigste hier für Länder ist, dass sie den Eindruck haben, dass wir als Euroraum die Krise gemeinsam überwinden und nicht einzelne Länder hängenlassen."

Die Euro-Krise prägte die zweitägigen Gespräche der Staats- und Regierungschefs aus 60 Ländern zu weiten Teilen. Merkel sagte, es gebe auch großes Interesse an der kritischen Haltung Großbritanniens. Premierminister David Cameron – er war nicht zum Gipfel gekommen - spreche Punkte an, die alle in der EU beträfen.

Der chilenische Staatschef Sebastián Piñera rief am Sonntag zum Abschluss des Gipfels zur Zusammenarbeit für die Überwindung der europäischen Finanzkrise auf. "Wenn eine Hälfte der Welt in Rezession lebt, kann die andere Hälfte kein anhaltendes Wachstum erreichen", sagte der Gastgeber bei seiner Abschlussrede.

Kein Kontinent stehe Europa so nah wie Lateinamerika, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zum Ende des Treffens. "In der heutigen Welt ist die Größe von Bedeutung, den Unterschied machen jedoch die gemeinsamen Werte", erklärte Van Rompuy. EU-Kommissionspräsident José Barroso sprach von einer "Schicksals-Gemeinschaft". Der Atlantische Ozean habe nie als Graben, sondern immer als Brücke gewirkt. Er verwies darauf, dass sich der Handelsaustausch über die vergangenen zehn Jahre auf 202 Milliarden Dollar (150 Milliarden Euro) verdoppelt habe.

Merkel sagte unter Hinweis auf ihr viertes Treffen dieser Art: "Ich habe noch keinen Gipfel erlebt, auf dem die Beziehungen so eng, so aufgeschlossen und dynamisch sind." Nach langjährigen Geschäften mit Asien sehe Lateinamerika jetzt, "dass es für eine balancierte Kooperation auch sehr wichtig ist, sich auch auf die Stärken Europas zu beziehen".

Gastgeber Piñera erklärte, auf dem Weg zu einer Beziehung "auf Augenhöhe" stünden den 460 Milliarden Dollar (340 Milliarden Euro) EU-Investitionen des vergangenen Jahrzehnts in Lateinamerika und der Karibik bereits 117 Milliarden Dollar (87 Milliarden Euro) entgegen, die aus der Region in die EU-Länder geflossen seien.

Trotz der Abwesenheit des krebskranken Präsidenten Venezuelas, Hugo Chávez, fehlte es nicht an kritischen Stimmen. "Wenn wir uns dem Markt unterwerfen, gibt es wirtschaftliche und soziale Probleme, während die Armut weiter wächst", warnte Boliviens Staatschef Evo Morales in Santiago. Er warb dafür, die Schere zwischen Arm und Reich von Land zu Land und Kontinent zu Kontinent zu schließen.

Merkel bezeichnete die Abschottung der Wirtschaft gegen Konkurrenz aus dem Ausland in Lateinamerika als "Sorgenkind". Damit zielte sie vor allem auf Argentinien und den südamerikanischen Wirtschaftsverbund Mercosur, dessen wichtigstes Mitglied Brasilien ist. "Wir teilen natürlich auch bestimmte politische Vorstellungen nicht, aber die, die auf Freihandel setzen, sind in der Überzahl."

In der Abschlusserklärung des Treffens heißt es: "Die Erholung ist weiterhin sehr langsam." Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos sagte: "Wenn es Europa gut geht, geht es auch Lateinamerika gut." Man sehe bereits Licht am Ende des Tunnels. "Als konsolidierte Partner werden wir alle (von der europäischen Erholung) profitieren."

Im Bemühen der EU um mehr Investitionssicherheit für europäische Unternehmen in Lateinamerika wurde in dem Dokument um Verlässlichkeit geworben. Allerdings mit dem Vorbehalt, dass jedes Land das Recht habe, Regeln im Rahmen seiner nationalen Zielsetzungen aufzustellen. Die Staaten der EU und der Celac waren sich einig, ein offenes multilaterales Handelssystem zu fördern. Gleichzeitig bestanden sie weiter auf einer internationalen Finanzregulierung, um systemischen Krisen vorzubeugen.

Der nächste Gipfel EU-Celac soll 2015 in Brüssel stattfinden.

(dpa)
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