Ägypten

Blutige Krawalle in Ägypten fordern mindestens 42 Tote

42 Menschen starben bei Protesten nach Todesurteilen gegen Fußballrandalierer in Port Said. Ausschreitungen im Land gehen weiter.

Foto: REUTERS

Al-Ahli-Fans, bekannt als "Ultras", feiern am Sonnabend in Kairo die Todesurteile von Port Said

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Port Said/Kairo. Bei neuen Unruhen in Ägypten sind am Wochenende Dutzende Menschen ums Leben gekommen. In Port Said starben Sicherheitskreisen zufolge 33 Menschen bei Zusammenstößen, nachdem ein Gericht 21 Menschen wegen Krawallen bei einem Fußballspiel vor fast einem Jahr zum Tode verurteilten. Die Armee rückte dort und in Suez ein. Insgesamt wurde von mindestens 42 Toten ausgegangen. In Kairo kam es am Sonntag zu weiteren Auseinandersetzungen, die jedoch nicht die Ausmaße der Vortage erreichten. Die Unruhen halten das Land zwei Jahre nach Beginn der Arabischen Revolution in Atem. Die Wirtschaft leidet massiv unter fehlenden Stabilität.

Am Sonntag bewarfen in Kairo etwa ein Dutzend Jugendliche auf einer Brücke nahe dem zentralem Tahrir-Platz Polizisten mit Steinen. Die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zurück zu drängen. Das Ausmaß der Gewalt blieb zunächst geringer als in den vergangenen Tagen. Die britische und die US-Botschaft blieben geschlossen. Beide Gebäude liegen in der Nähe des Tahrir-Platzes. Die Anwohner in Port Said berichteten von Schüssen in der Nacht. Viele Geschäfte machten ihre Betriebe dicht, eigentlich ein Arbeitstag in dem muslimischen Land. In Laufe des Tages sollten die Toten der Krawalle beigesetzt werden, was die Furcht vor neuer Gewalt weckte.

Die jüngste Gewaltwelle hatte am Donnerstag begonnen, am Vorabend des zweiten Jahrestages der Revolution. Kritiker von Präsident Mursi hatten sich versammelt, um gegen seine Politik, die neue Verfassung und insbesondere den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Politik und Regierung zu demonstrieren. Die oppositionelle Nationale Heilsfront drohte mit einem Boykott der Parlamentswahl in einigen Wochen. Sie forderte zudem eine vorgezogene Präsidentenwahl und eine Übergangsregierung der nationalen Einheit. Weiter kündigte die Opposition für kommenden Freitag neue Proteste an.

Nach einem Fußballspiel am 1. Februar 2012 beim Verein Al-Masri in Port Said war es zu Kämpfen und einer Massenpanik gekommen. 74 Menschen starben. Bei anschließenden Straßenkämpfen wurden weitere 16 Menschen getötet. Am Samstag verhängte ein Gericht zunächst 21 Todesstrafen. Insgesamt sind 73 Menschen angeklagt, weitere Urteile in dem Fall sollen am 9. März folgen. Im Gerichtssaal begrüßten die Familien der Getöteten die Todesstrafen mit Jubelrufen. Einige weinten vor Freude. Vor dem Vereinshaus der anderen Mannschaft Al-Ahli in Kairo brach unter den Fans ebenfalls Jubel über die Todesurteile aus.

In Port Said dagegen eskalierte die Gewalt. Es kam zu heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften, Tränengas wurde eingesetzt. Unter den Toten waren auch zwei Polizisten, wie staatliche Medien unter Berufung auf das Innenministerium berichteten. Die Zeitung "Al-Ahram" berichtete, dass ebenfalls ein ehemaliger Fußballspieler von Al-Masri ums Leben kam. Die Streitkräfte schickten Verstärkung in die Stadt, die Zugverbindungen wurden eingestellt.

Die Fans in Port Said werfen den Richtern ein politisches Urteil vor. Jüngst hatte die Staatsanwaltschaft neue Beweise eingebracht, die in diesen Richterspruch nicht eingeflossen sind. Der schwarze Tag des ägyptischen Fußballs gilt längst als Symbol für die desolate Lage im Land. Präsident Mohammed Mursi jedenfalls zählte die 74 Toten vor wenigen Tagen zu den offiziellen "Märtyrern der Revolution".

Mursi sagte wegen der aktuellen Krise in seinem Land die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien ab und beriet sich mit seinen Ministern für Verteidigung, Justiz und Information über das weitere Vorgehen. In einer anschließend vom Staatsfernsehen übertragenen Erklärung des Rates zur Verteidigung des Landes hieß es, dass alle verfassungsgemäßen Maßnahmen zur Herstellung der Sicherheit ergriffen werden sollten. Dies könne auch Ausgangssperren und die Ausrufung des Notstands bedeuten.

Ägyptens wichtigster Oppositionsblock machte den Präsidenten allein verantwortlich für das brutale Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Demonstranten. Ein unabhängiges Gremium solle ermitteln und die Täter zur Rechenschaft ziehen, verlangte die Nationale Rettungsfront. Ferner müsse die umstrittene, von Islamisten durchgeboxte neue Verfassung ausgesetzt und eine neutrale Regierung gebildet werden, erklärte das Bündnis weiter. Falls die Forderungen nicht erfüllt werden, drohen die Aktivisten mit einem Boykott der im Frühjahr geplanten Parlamentswahlen. In der Hauptstadt gab es erneut Proteste gegen die Regierung. Am Nachmittag entbrannte auch dort die Gewalt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich besorgt über die Welle der Gewalt. "Ich sehe mit Sorge, dass es immer noch nicht gelingt, die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen", sagte er bei einem Besuch in der Schweiz. An Mursi appellierte er, die friedliche Ausübung des Demonstrationsrechts keinesfalls einzuschränken.

(dpa/Reuters)
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