07.01.13

Alles wegen einer Flagge?

Erneut Krawalle in Nordirland – Suche nach Lösungen

Vier Nächte in Folge lieferten sich Randalierer Straßenkämpfe mit der Polizei. Politiker und Kirchenvertreter suchen dringend Lösung.

Foto: REUTERS
Straßenkämpfe in Belfast: Schon die vierte Nacht in Folge kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Randalierern
Straßenkämpfe in Belfast: Schon die vierte Nacht in Folge kam es zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Randalierern

London/Belfast. Die vierte Nacht in Folge ist es in Belfast im Streit um die britische Flagge zu Krawallen gekommen. Britentreue Loyalisten bewarfen im der nordirischen Metropole Polizisten am Sonntagabend mit Absperrgittern, Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen. Das berichtete die Polizei.

Erneut war den Krawallen eine weitestgehend friedliche Demonstration vorausgegangen. Die Proteste richten sich gegen eine Entscheidung des Stadtverwaltung von Belfast von Anfang Dezember, die britische Flagge nur noch an wenigen Tagen im Jahr auf öffentlichen Gebäuden wehen zu lassen.

Das ganze Wochenende über war es immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Insgesamt seien mehr als 50 Polizisten verletzt und rund 70 mutmaßliche Randalierer festgenommen worden, erklärte Nordirlands Polizeichef Matt Baggott. Gegen 47 Festgenommene seien bereits Strafverfahren eröffnet worden.

Am Samstag sollen Schüsse auf Polizisten abgegeben worden seien; ein 38-Jähriger wurde wegen versuchten Mordes angeklagt. Baggott sagte, die Polizei sei weiterhin gut vorbereitet und man werde so lange gegen die Gewalt vorgehen, wie es nötig sei.

Die Belfaster Stadtverwaltung hatte Anfang Dezember auf Betreiben pro-irischer Republikaner entschieden, den britischen "Union Jack" - die Flagge – nicht mehr ständig auf dem Rathaus der Stadt wehen zu lassen. Seither demonstrieren die Unionisten, die eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien befürchten. Am Montagabend sollte der Stadtrat erneut zusammenkommen. Ob der Flaggenstreit aber überhaupt Thema werden könnte, war zunächst unklar.

Am Sonntag hatten Politiker und Kirchenvertreter gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden, um die Gewalt zu stoppen. Robin Newton von der protestantischen Democratic Unionist Partei erklärte, die Lage sei extrem schwierig, weil die Organisatoren der Proteste nicht gesprächs- oder kompromissbereit seien: "Wir müssen einen Weg aus dieser Lage heraus finden, aber wie wir das schaffen sollen, weiß ich nicht." Der Chef des Polizei-Verbandes, Terry Spence, erklärte, paramilitärische Gruppen machten sich den Flaggenstreit zunutze, um ihre Waffen auf die Polizei zu richten.

(dpa/abendblatt.de)
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