05.01.13

Nordkorea

Kim Jong-un sucht Hilfe in Deutschland

Nordkoreas Diktator will die Wirtschaftslage verbessern. Die Welt rätselt zugleich über Nachwuchs für das Herrscherpaar von Pjöngjang.

Von Egbert Nießler
Foto: dapd
Übt sich in einem für Nordkorea neuen Politikstil: Diktator Kim Jong-un und seine Frau Ri Sol-ju winken dem Volk in einem Vergnügungspark in der Hauptstadt Pjöngjang zu
Übt sich in einem für Nordkorea neuen Politikstil: Diktator Kim Jong-un und seine Frau Ri Sol-ju winken dem Volk in einem Vergnügungspark in der Hauptstadt Pjöngjang zu

Hamburg. Nordkorea ist das verschlossenste und wohl rätselhafteste Land der Erde. In seiner Neujahrsansprache hat der junge Diktator Kim Jong-un seinen Untertanen eine Verbesserung der Lebensumstände samt zugehöriger Wirtschaftsreformen und eine Annäherung an Südkorea mit dem Ziel der Wiedervereinigung versprochen. Das taten sein Vater Kim Jong-il und Großvater Kim Il-sung auch schon. Und deshalb weiß außerhalb des innersten Machtzirkels von Pjöngjang wohl niemand ganz genau, was von den Reden des Führers zu halten ist.

Tatsächlich gibt es aber wohl unter dem erst 30 Jahre alten Kim Jong-un jenseits von Atomprogramm, Raketentests und verbalen Drohgebärden gen Seoul und Washington Lockerungs- und Annäherungsversuche an den Westen. Und Deutschland soll dabei offenbar eine nicht unwesentliche Rolle spielen. "Deutschland ist für uns ein verlässlicher und guter Partner", berichtet der Botschafter Nordkoreas, Ri Si-hong, dem Hamburger CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Klimke bei einem Treffen in Berlin. Klimke, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kennt das abgeschottete Land seit einem Besuch vor zwei Jahren auch aus eigener Anschauung - und damit auch die Nöte der Menschen sowie die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten der allein herrschenden Kommunistischen Partei. Zwar hat Ri "strukturelle Reformen" in der Landwirtschaft angedeutet - was einen größeren privaten Spielraum für die Bauern bedeuten könnte. Aber das allein wird das notorisch von Misswirtschaft und Missernten geplagte Land noch nicht retten.

"Deutschland hat bereits im vergangenen Jahr zwei Treffen zwischen Nord- und Südkorea sowie den USA organisiert", berichtet Klimke. Pjöngjang wäre nach Aussage seines Botschafters dankbar, wenn dieser Prozess weiter intensiviert werden könnte und ein internationaler runder Tisch etabliert würde. Ri habe außerdem um humanitäre Hilfe nachgefragt. Das Auswärtige Amt habe die diesbezüglichen Anfragen seines Landes bisher nicht beantwortet. Klimke sagt Klärung zu. "Wenn Hilfe notwendig ist, dann muss sie auch geleistet werden", erklärt er die deutsche Haltung in diesen Fragen.

Vor allem aber scheint es ein Interesse Nordkoreas an verstärkter wirtschaftlicher Zusammenarbeit zu geben. Der Botschafter spricht eine direkte Fluglinie Berlin-Pjöngjang an, um auch den Tourismus voranzubringen. Klimke empfiehlt, Kontakte und Gespräche auf der Berliner Internationalen Tourismusbörse zu suchen. Außerdem regt er eine Einladung des in Hamburg ansässigen Ostasienvereins (OAV) als zuständige privatwirtschaftliche Organisation für diesen Teil der Welt an - was der Botschafter interessiert aufnimmt. "Denn das ist ja alles eine Frage der Privatwirtschaft und nichts Staatliches. Als Politiker sind wir ja nur Türöffner, und wenn ich als Hamburger Türöffner für den OAV bin, ist das ja nur richtig", sagt Klimke. Von nordkoreanischer Seite aus gibt es eine Einladung an den Vorsitzenden des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Ernst Hinsken (CSU).

Weniger erbaut ist man in Nordkorea von deutschen Waffenlieferungen an den Süden. "Das ist eine Bedrohung von außen, die so nicht akzeptiert werden kann", protestierte Ri. Klimke sichert zu, den Bundessicherheitsrat zu informieren und eine Stellungnahme einzuholen. Das eigene Raketen- und Atomprogramm sieht der Botschafter vom Rest der Welt völlig überbewertet. Die USA könnten mit Nordkoreas Waffen gar nicht erreicht werden. Das sei alles nur Säbelrasseln der Großmächte, um Druck auszuüben.

Trotz aller Spannungen gebe es aber weiter das Bemühen, sich dem verfeindeten Süden anzunähern. Ri hofft da auf die künftige Präsidentin Park Geun-hye. Unter der alten Führung sei alles zementiert gewesen, klagt der Vertreter der Hardliner aus dem Norden. "Aber wenn sich jetzt beide Seiten bewegen, gibt es auch Chancen für ein neues Gipfelreffen", meint er.

Das alles sind Töne, die auf Bewegung in Nordkorea hoffen lassen. Zumal auffällig ist, wie der junge Kim versucht, sich von seinen Vorgängern abzusetzen. Der seit einem Jahr herrschende dritte Vertreter der einzigen kommunistischen Dynastie der Geschichte gibt sich betont volkstümlich. Er sucht schon mal die Nähe zu seinen Untertanen, lacht mit Soldaten und findet offensichtlich Vergnügen in Freizeitparks. Zum ersten Mal seit 19 Jahren bekamen die Nordkoreaner wieder eine Neujahrsansprache ihres Führers zu hören - mit besagten Besserungsversprechen.

Ein großes Geheimnis bleibt allerdings, ob Kim jr. auch ein Thronfolger geboren wurde. Zwar zeigte er sich bereits wiederholt mit seiner Frau Ri Sol-ju in der Öffentlichkeit. Selbst auf den berühmt-berüchtigten Inspektionsreisen, auf denen die Kims aller Generationen Bauern, Arbeitern und Wissenschaftlern in den Schreibblock diktieren, wie Landwirtschaft, Produktion und Fortschritt richtig funktionieren, begleitet sie ihn. Aber dieses letzte Geheimnis bleibt vorerst. Ausgelöst wurden die Spekulationen um den kimschen Nachwuchs durch neue Bilder von der nordkoreanischen First Lady. Ri erschien bei einer Neujahrsfeier in Pjöngjang in elegantem Kostüm nicht mehr mit einem "Babybauch", wie südkoreanische Medien berichteten.

Mitte Dezember war sie auf Bildern des Staatsfernsehens noch mit stark gewölbtem Bauch zu sehen, den sie bei einem öffentlichen Auftritt unter einem langen schwarzen Kleid verborgen hatte. In Südkorea hatten Beobachter deshalb vermutet, dass Ri hochschwanger sei. Angesichts des Gewichtsverlusts, den die Bilder verrieten, sei nicht ausgeschlossen, dass sie ein Kind zur Welt gebracht habe, wird ein Regierungsbeamter in Seoul zitiert.

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