03.12.12

Korea

Norden treibt Raketenstart voran – Japan bereitet Abwehr vor

Lenkflugkörper sollen in wenigen Tagen auf der südlich von Tokio liegenden Insel Okinawa eintreffen, berichtete der Fernsehsender NHK.

Foto: dapd
North Korea Rocket Launch
Ein Nordkoreanischer Soldat steht vor einer Unha-3 Rackete in Tongchang-ri, Nordkorea

Seoul. Trotz internationaler Warnungen treibt Nordkorea die Vorbereitungen für seinen Raketenstart voran. Die erste Stufe einer dreistufigen Trägerrakete sei an der Startrampe in Sohae an der Westküste aufgestellt worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Montag unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul.

Nordkorea will zwischen dem 10. und 22. Dezember einen Beobachtungssatelliten auf eine Erdumlaufbahn bringen. Die USA und ihre ostasiatischen Verbündeten Südkorea und Japan sehen darin einen Test für Technologie für eine Langstrecken-Atomrakete. Mit dem geplanten Raketenstart verstoße Nordkorea gegen UN-Resolutionen.

Die japanische Regierung hat als Gegenmaßnahme die Stationierung von PAC-3 Abfangraketen auf der Insel Okinawa angekündigt. Die Lenkflugkörper sollen in wenigen Tagen auf der 1600 Kilometer südlich von Tokio liegenden Insel eintreffen, berichtete der Fernsehsender NHK. Wenn notwendig, werde Japan die nordkoreanische Rakete zerstören, sagte Verteidigungsminister Satoshi Morimoto.

Der Raketenstart könnte mit den Gedenkfeiern zum ersten Todestag des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il am 17. Dezember zusammenfallen. Es wäre der zweite größere Raketenstart des Landes seit der Machtübernahme durch Kims noch nicht 30-jährigen Sohn Kim Jong Un. Der Start einer Rakete des Typs Unha-3 im April war fehlgeschlagen; die Rakete war kurz nach dem Start explodiert.

Streit um Nordkoreas Atomprogramm
Nordkoreas Atomwaffenprogramm beschäftigt seit Jahrzehnten die internationale Gemeinschaft.
Das Atomzentrum in Yongbyon, 90 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt, wurde in den 1960er Jahren errichtet.
Etwa 20 Jahre später begann der Staat mit der Entwicklung von Nuklearwaffen.
Etappen des Dauerstreits:
1994: Im Juni erklärt Nordkorea seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), bleibt aber seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag unterworfen. Im Oktober unterzeichnen die USA und Nordkorea ein Abkommen; Nordkorea verpflichtet sich, sein Atomprogramm zu stoppen.
2003: Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland enden ohne Ergebnis.
2005: Im Februar bekennt sich das Regime zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zur Aufgabe seines Atomprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder infrage.
2006: Mit Raketentests löst das Land im Juli scharfe Proteste aus. Im Oktober folgt der erste Atomtest.
2007: Im Februar sagt Nordkorea die Schließung der Anlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen zu. Im Gegenzug soll es massive Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten. Mit rund drei Monaten Verspätung wird der Reaktor im Juli abgeschaltet.
2008: Mit dem Abschuss mehrerer Testraketen im März demonstrieren die Nordkoreaner Stärke. Das Regime droht, die Stilllegung von Atomanlagen hinauszuzögern. Weil die USA die Diktatur zunächst nicht von der Liste der "Schurkenstaaten" streichen wollen, droht Pjöngjang im September mit der Wiederinbetriebnahme seines Reaktors Yongbyon.
2009: Der Start einer nordkoreanischen Rakete mit größerer Reichweite im April wird auch vom Weltsicherheitsrat verurteilt. Aus Protest gegen die Kritik steigt Nordkorea aus den internationalen Atomgesprächen aus. Nach einem weiteren nordkoreanischen Atomtest verschärft der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen.
2010: Die Existenz einer neuen Atomanlage in Nordkorea wird bekannt. Der US-Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth, nennt die Anlage eine Provokation. Berichten zufolge schafft Nordkorea eine Kernfusion. Südkoreanische Forscher bezweifeln dies jedoch.
2011: Eine Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass Nordkorea weiter entwickelte Atomanlagen haben muss als bisher bekannt. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportiert Nordkorea Atomraketen in den Iran und andere Krisengebiete. Im Juli und im Oktober treffen sich Vertreter der USA und Nordkoreas wieder zu Gesprächen über das Atomprogramm.
2012: Zum ersten Mal seit dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il im Dezember 2011 führen Washington und Pjöngjang wieder direkte Gespräche über das Atomprogramm. Am 29.2. verkündet Washington: Nordkorea ist zu einem Moratorium bei der Urananreicherung, Atom- und Raketentests bereit.
(dpa/abendblatt.de)
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