Wie viele Menschen in Tremseh getötet wurden, ist auch nach einem Besuch der UN-Inspekteure in dem syrischen Ort noch unklar. Blutvergießen geht weiter.

New York/Damaskus. Der Angriff auf das syrische Dorf Tremseh am vergangenen Donnerstag galt nach Ansicht der Uno-Beobachter wohl vor allem Gegnern des Assad-Regimes. "Die Attacke richtete sich offenbar gegen bestimmte Gruppen und Gebäude vor allem von Armee-Deserteuren und Aktivisten", teilten die Blauhelme mit, nachdem sie das Dorf in der zentralen Provinz Hama in Augenschein genommen hatten. Wie viele Menschen bei den Kämpfen getötet wurden, sei noch unklar. Die Untersuchungen in dem Dorf würden fortgesetzt.

Man habe "Blutlachen, Blutspritzer und Patronenhülsen in einer Reihe von Wohnhäusern" gesehen, heißt es in der Erklärung der Uno-Beobachter. Auch eine niedergebrannte Schule und beschädigte Häuser mit Brandspuren seien untersucht worden. Nach Angaben der Inspekteure kam eine Vielzahl an Waffen zum Einsatz, darunter Artillerie, Mörser und Handfeuerwaffen.

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Das Blutbad von Tremseh hatte international für Entsetzen gesorgt. Während Regimegegner den Truppen von Präsident Baschar al-Assad vorwarfen, ein Massaker mit bis zu 250 Toten an den Dorfbewohnern verübt zu haben, sprach die Regierung von einem Einsatz gegen "terroristische Banden" - die in Damaskus gebräuchliche Bezeichnung für Regimegegner. Zudem hat die Regierung in Damaskus den Einsatz schwerer Waffen während der Militäroperation im Dorf Tremseh bestritten. Ziel des Einsatzes seien bewaffnete Kämpfer gewesen, sagte der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdissi. Die Aussage desMinisteriumssprechers widerspricht Berichten von Aktivisten und Uno-Inspektoren. Diese hatten einen Angriff mit schweren Waffen und Hubschraubern gesehen. Bei der Untersuchung vor Ort seien Artilleriegeschosse und Granaten gefunden worden, über die nur die Streitkräfte von Präsident Assad verfügten, teilten die Beobachter mit.

Zwei Tage hatten die Uno-Vertreter warten müssen, bis sie Tremseh inspizieren konnten. Mit elf Fahrzeugen fuhren die militärischen und zivilen Beobachter am Wochenende in das Dorf rund 25 Kilometer nordwestlich von Hama. Auf Bildern und in Videos im Internet war zu sehen, wie Menschen den Beobachtern blutgetränkte Kleidung und Überreste von Granaten zeigten. "Das sind russische Waffen", rief ein wütender Mann. Russland ist der wichtigste Verbündete und Waffenlieferant von Machthaber Assad. Die Veto-Macht blockiert im Uno-Sicherheitsrat Resolutionen, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würden.

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Andernorts in Syrien hielt die Gewalt am Wochenende weiter an: Nach Angaben des oppositionellen Syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte kamen landesweit fast 120 Menschen ums Leben, darunter 49 unbewaffnete Zivilisten.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) warf dem Assad-Regime vor, einen Krieg gegen die Bevölkerung zu führen. "Das Assad-Regime setzt schwere Waffen wie Hubschrauber, Geschütze und Panzer für grausame Gewalt, für einen regelrechten Krieg gegen das eigene Volk ein. Das ist unsere klare Erkenntnis aus den Berichten über die Geschehnisse von Tremseh", sagte der FDP-Politiker der "Bild am Sonntag".

Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, den Gräueltaten ein Ende zu bereiten. "Das darf nicht weitergehen. Gewalt schürt nur mehr Gewalt." Jetzt sei der Moment gekommen, an dem der Sicherheitsrat dem Assad-Regime endlich seine Grenzen aufzeigen müsse.