10.10.11

Trojaner-Affäre

Innenministerium: Staatstrojaner kam aus Bayern

Die Ermittlung des Landeskriminalamts hat ergeben, dass die Software einem Ermittlungsverfahren der bayerischen Polizei zugeordnet werden kann.

Foto: dapd/DAPD
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München. Der vom Chaos Computer Club (CCC) bekannt gemachte "Staats-Trojaner" zur Online-Überwachung stammt aus Bayern. Das bestätigte am Montag das bayerische Innenministerium. Die Erstbewertung des Landeskriminalamts habe ergeben, dass die dem CCC zugespielte Software einem Ermittlungsverfahren der bayerischen Polizei aus dem Jahr 2009 zugeordnet werden kann, teilte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit. Noch nicht geklärt ist laut Herrmann, ob es sich bei der vorliegenden Datei um eine Testversion oder um die später tatsächlich eingesetzte Software handelt.

Herrmann betonte aber, dass das Landeskriminalamt nach Einschätzung des Ministeriums beim Einsatz der Trojaner alle rechtlichen Vorgaben eingehalten hat. Der Innenminister schaltete deswegen auch den bayerischen Datenschutzbeauftragten Thomas Petri ein. Petri soll als unabhängiger Fachmann sowohl die Einhaltung der Rechtsvorschriften als auch die technische Umsetzung der Online-Überwachung prüfen.

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Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Online-Durchsuchung 2008 sei die Online-Überwachung zulässig, wenn sich die Überwachung "ausschließlich auf Daten aus einem laufenden Telekommunikationsvorgang beschränkt und dies durch technische Vorkehrungen und rechtliche Vorgaben sichergestellt wird", erklärte der CSU-Politiker – was im Klartext bedeutet, dass die Ermittler laut Ministerium nicht auch noch die Festplatte ausgeforscht haben. Das wäre ohne eigene richterliche Genehmigung verboten.

"Staatstrojaner" wurde in Hessen produziert

Die umstrittene staatliche Spionage-Software, der sogenannte "Staatstrojaner", ist in Hessen hergestellt worden. Produziert worden sei das Programm mit großer Wahrscheinlichkeit von der in Haiger ansässigen Firma "DigiTask", teilte der Kölner Anwalt Winfried Seibert am Montag mit. Das Unternehmen versorge die Behörden bereits seit Jahren mit der Software für die Überwachung von Telekommunikation.

Nach Angaben von hr-info hatte die Firma den bayerischen Ermittlungsbehörden im Herbst 2007 die Software angeboten. Darin werde detailliert auf die Überwachung und Kontrolle der Internettelefonie "Skype" eingegangen. Das Unternehmen schlage in der sogenannten Leistungsbeschreibung die verdeckte Installation einer Software auf abzuhörenden Rechnern vor.

Der Chaos Computer Club hatte zuvor mitgeteilt, ihm sei eine "staatliche Spionagesoftware" zugespielt worden. Diese werde von Ermittlern in Deutschland eingesetzt, um Telekommunikationsverbindungen im Internet zu kontrollieren.

(dpa/abendblatt.de)

Gravierende Fälle von Datenklau
19. November 2009: Banken in verschiedenen Ländern tauschen Kreditkarten aus, weil Kundendaten gestohlen wurden – vermutlich bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister.
Neben Deutschland, wo bereits hunderttausende Karten aus Sicherheitsgründen ausgetauscht wurden, sind auch Banken in Österreich, Finnland und Schweden betroffen.
18. Oktober 2009: Ein junger Mann soll persönliche Daten von mehr als einer Million Nutzern des Online-Netzwerks SchülerVZ kopiert haben, um damit 80.000 Euro von den Betreibern zu erpressen.
Er wird am 19. Oktober festgenommen. In der Untersuchungshaft begeht er Selbstmord.
5. Oktober 2009: Mehr als zehntausend europäische Konten des E- Mail-Anbieters Hotmail sind offenbar gehackt und ins Internet gestellt worden.
Am 7. Oktober berichtet die britische BBC, dass auch Nutzer von Yahoo, AOL und Google betroffen sind – rund 30.000 Datensätze seien veröffentlicht worden.
17. August 2009: In den USA beginnt ein Prozess um den bis dahin größten Fall von Datendiebstahl im Internet. Drei Männer sollen die Daten von 130 Millionen Kreditkarten geknackt haben – rund zehn Prozent aller in den USA ausgegebenen Kreditkarten.
Im März 2010 wird der Computer-Hacker Albert Gonzalez zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.
6. Dezember 2008: Auf dem Schwarzmarkt sind nach Recherchen der "Wirtschaftswoche" Bankverbindungen von 21 Millionen Bundesbürgern illegal im Umlauf.
Dem Magazin wurden die Daten zum Preis von knapp zwölf Millionen Euro angeboten.
4. Oktober 2008: Bei der Deutschen Telekom sind 17 Millionen Handy-Nummern und Kundendaten in falsche Hände gelangt. Sie wurden der Mobilfunksparte T-Mobile bereits im Jahr 2006 entwendet, wie der Konzern mitteilt.
Darunter sollen geheime Nummern und Privatadressen von Politikern, Wirtschaftsführern und Milliardären sein.
18. August 2008: Dem Bundesverband der Verbraucherzentralen wurden sechs Millionen Datensätze angeboten, davon vier Millionen mit Kontonummern.
Außerdem taucht in Kiel eine neue CD mit mehr als 130.000 illegalen Datensätzen aus Call-Centern auf.
12. August 2008: Der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein wurde eine CD mit Daten von 17 000 Bundesbürgern zugespielt. Sie enthält Angaben über Name, Geburtsdatum, Adresse, Kontoverbindungen und Telefonnummern.
Bei allen soll es sich um Kunden der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) handeln.
Quelle: dpa
Tipps zum sicheren Surfen
Verwenden Sie mehrere E-Mail-Adressen:
Ihre E-Mail-Adresse gehört nur in vertrauenswürdige Hände. Nutzen Sie für Newsletter und Foren eine zweite Adresse, die man Ihnen nicht direkt zuordnen kann.
Suchen Sie mit Alternativen:
Die meisten Suchmaschinen speichern die Stichworte, nach denen Sie im Internet stöbern. Stoppen Sie die Überwachung und nutzen Sie alternative Suchdienste, die Ihre Daten nicht speichern, wie zum Beispiel www.ixquick.de
Meiden Sie dubiose Gewinnspiele:
"Sie wurden exklusiv ausgewählt, einen Audi zu gewinnen." So oder ähnlich locken Adresshändler mit Werbefenstern auf Internetseiten. Lassen Sie die Finger davon, denn statt Gewinnen gibt es in der Regel bei dieser neuen Form des Hütchenspiels nur Werbemüll.
Vorsicht vor falschen Freunden:
Seien Sie extrem skeptisch bei E-Mails, die Sie vor angeblichen Sicherheitslücken warnen!
Schalten Sie Fehlerberichte aus:
Microsoft zeigt sich bei Problemen hilfsbereit: Stürzt ein Programm ab, sollen Sie einen Fehlerbericht verschicken. Was der enthält, weiß niemand. Deswegen: abschalten!
Vermeiden Sie persönliche Angaben:
Gehen Sie vorsichtig mit persönlichen Daten um. Veröffentlichen Sie nicht mehr Informationen als nötig.
Verwenden Sie verschlüsselte Datenübertragung:
Geben Sie Bankdaten und wichtige Passwörter nur auf verschlüsselten Internetseiten ein; andernfalls könnten Unbefugte mitlesen.
Prüfen Sie heruntergeladene Software:
Schauen Sie bei Gratis-Programmen aus dem Internet genauer hin. Hier besteht die Gefahr, dass sie Viren oder Spionageprogramme enthalten.
Vermeiden Sie verräterische Spuren:
Löschen Sie regelmäßig Spuren Ihrer Internetbesuche vom PC. So verhindern Sie, dass Seitenbetreiber zu genau über Sie Bescheid wissen.
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