28.12.12

Experten warnen

Ist Nordkorea zu neuem Atomwaffentest bereit?

Experten aus den USA warnen, dass ein nordkoreanischer Test von Atomwaffen schneller erfolgen könnte als bisher erwartet.

Foto: dapd
North Korea Nuclear Test Prep
Das Satellitenbild zeigt den Eingang des Nuklear Test Gelände Punggye-ri in Nord Korea. Auf diesem Bild vom 19. November ist zu sehen, wie Wasser ("Stream flow") aus dem Testtunnel fließt

Seoul. Nordkorea ist nach Einschätzung von Experten für einen neuen Atomtest gerüstet. Nach der Beseitigung von Flutschäden sei das Testgelände Punggye-ri im Nordosten so weit wiederhergestellt, dass Nordkorea nach 2006 und 2009 einen dritten Test unternehmen könnte, hieß es am Freitag auf der Website "38 North" des US-Korea-Instituts an der Johns-Hopkins-Universität. Das hätten neue Satellitenbilder gezeigt. Ein Atomsprengsatz könne binnen zwei Wochen nach einer Entscheidung der politischen Führung gezündet werden.

Der Testort werde nach wie vor "in Betriebsbereitschaft" gehalten, hieß es auf der Website, die auf die Analyse von Vorgängen in dem abgeschotteten Land spezialisiert ist. Allerdings könnte Wassereinfluss am Eingang des Tunnelsystems ein Hindernis sein. "Ob das Problem unter Kontrolle ist oder gelöst ist, bleibt unklar."

Spekulationen über einen neuen Atomtest in Nordkorea gibt es schon länger. Insbesondere Südkorea befürchtet, dass das kommunistische Nachbarland nach dem umstrittenen Start einer Weltraumrakete am 12. Dezember einen Atomtest folgen lassen könnte.

Südkorea, die USA und andere Staaten werfen Nordkorea vor, erneut einen verschleierten Test für die Entwicklung von Interkontinentalraketen unternommen zu haben, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Nordkorea spricht von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken.

Unterdessen wurden mehrere Trümmerteile vor der südkoreanischen Westküste geborgen, die unter anderem von einem Raketentriebwerk der im Dezember gestarteten nordkoreanischen Unha-3-Rakete stammen könnten. Das teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Sollten es tatsächlich Motorenteile sein, könnte eine Analyse neue Aufschlüsse über die nordkoreanische Raketentechnologie geben, hieß es.

Nach Einschätzung Südkoreas benutzte Nordkorea bei seinem jüngsten Raketenstart ein Trägersystem, das über 10.000 Kilometer weit fliegen und damit theoretisch einen Gefechtskopf bis an die US-Westküste tragen kann. Grundlage für die Vermutung war die Untersuchung eines Tanks für Oxidationsmittel von der abgetrennten ersten Stufe der Unha-3-Rakete. Der Tank war bereits zwei Tage nach dem Start der Rakete aus dem Gelben Meer geborgen worden.

Streit um Nordkoreas Atomprogramm
Nordkoreas Atomwaffenprogramm beschäftigt seit Jahrzehnten die internationale Gemeinschaft.
Das Atomzentrum in Yongbyon, 90 Kilometer von der Hauptstadt Pjöngjang entfernt, wurde in den 1960er Jahren errichtet.
Etwa 20 Jahre später begann der Staat mit der Entwicklung von Nuklearwaffen.
Etappen des Dauerstreits:
1994: Im Juni erklärt Nordkorea seinen Austritt aus der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), bleibt aber seinen Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag unterworfen. Im Oktober unterzeichnen die USA und Nordkorea ein Abkommen; Nordkorea verpflichtet sich, sein Atomprogramm zu stoppen.
2003: Nordkorea tritt aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Die ersten Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, den USA, China, Südkorea, Japan und Russland enden ohne Ergebnis.
2005: Im Februar bekennt sich das Regime zum Besitz von Atomwaffen. Es verpflichtet sich im September zur Aufgabe seines Atomprogramms, stellt die Vereinbarung aber wenig später wieder infrage.
2006: Mit Raketentests löst das Land im Juli scharfe Proteste aus. Im Oktober folgt der erste Atomtest.
2007: Im Februar sagt Nordkorea die Schließung der Anlage in Yongbyon innerhalb von 60 Tagen zu. Im Gegenzug soll es massive Energie- und Wirtschaftshilfe erhalten. Mit rund drei Monaten Verspätung wird der Reaktor im Juli abgeschaltet.
2008: Mit dem Abschuss mehrerer Testraketen im März demonstrieren die Nordkoreaner Stärke. Das Regime droht, die Stilllegung von Atomanlagen hinauszuzögern. Weil die USA die Diktatur zunächst nicht von der Liste der "Schurkenstaaten" streichen wollen, droht Pjöngjang im September mit der Wiederinbetriebnahme seines Reaktors Yongbyon.
2009: Der Start einer nordkoreanischen Rakete mit größerer Reichweite im April wird auch vom Weltsicherheitsrat verurteilt. Aus Protest gegen die Kritik steigt Nordkorea aus den internationalen Atomgesprächen aus. Nach einem weiteren nordkoreanischen Atomtest verschärft der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen.
2010: Die Existenz einer neuen Atomanlage in Nordkorea wird bekannt. Der US-Sonderbeauftragte für die Nordkorea-Politik, Stephen Bosworth, nennt die Anlage eine Provokation. Berichten zufolge schafft Nordkorea eine Kernfusion. Südkoreanische Forscher bezweifeln dies jedoch.
2011: Eine Expertengruppe kommt zu dem Schluss, dass Nordkorea weiter entwickelte Atomanlagen haben muss als bisher bekannt. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportiert Nordkorea Atomraketen in den Iran und andere Krisengebiete. Im Juli und im Oktober treffen sich Vertreter der USA und Nordkoreas wieder zu Gesprächen über das Atomprogramm.
2012: Zum ersten Mal seit dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il im Dezember 2011 führen Washington und Pjöngjang wieder direkte Gespräche über das Atomprogramm. Am 29.2. verkündet Washington: Nordkorea ist zu einem Moratorium bei der Urananreicherung, Atom- und Raketentests bereit.
(abendblatt.de/dpa)
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