23.12.12

Syrien

Aktivisten melden über 60 Tote bei Luftangriff nahe Hama

Gewalt überschattet Besuch von UN-Gesandtem Brahimi in Damaskus. Mindestens 60 Menschen sterben bei Luftangriff auf Bäckerei.

Von Ben Hubbard
Foto: REUTERS
Residents walk near a bakery damaged by what activists said were missiles fired by a Syrian Air Force fighter jet from forces loyal to Syria's President Bashar al-Assad at Halfaya
Bei einem Luftangriff auf eine Bäckerei sollen Aktivisten zufolge mehr als 60 Menschen getötet worden sein

Beirut. Schwere Gefechte haben am Sonntag den Besuch des internationalen Sondergesandten Lakhdar Brahimi in der syrischen Hauptstadt Damaskus überschattet. Bei einem Luftangriff auf eine Bäckerei in der Ortschaft Halfaja nahe der Stadt Hama kamen nach Angaben von Aktivisten über 60 Menschen ums Leben. Auch aus anderen Landesteilen wurden Luftangriffe und Kämpfe gemeldet.

Brahimi sollte noch am Sonntag den syrischen Außenminister Walid al Moallem treffen, für den (morgigen) Montag war ein Gespräch mit Präsident Baschar al Assad geplant. Wegen Kämpfen nahe dem Damaszener Flughafen fuhr Brahimi von der libanesischen Hauptstadt Beirut aus auf dem Landweg nach Syrien.

Wem der Luftangriff in Halfaja galt, war zunächst unklar. Aktivisten warfen der Regierung vor, mit Angriffen auf Zivilisten Vergeltung für die jüngsten militärischen Erfolge der Aufständischen zu üben. Zuletzt hatten sich Rebellen und Regierungstruppen in der Region um Halfaja schwere Gefechte geliefert. Nach Angaben von Aktivisten eroberten die Aufständischen dabei mehrere Kontrollposten an der Hauptverkehrsstraße von Norden nach Süden.

"Halfaja war der erste und größte Sieg in der Gegend um Hama", sagte der Aktivist Musab Alhamadi via Skype. "Deshalb bestraft das Regime sie auf diese Weise."

Bei dem Angriff seien mindestens 60 Menschen getötet worden, teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die Zahl dürfte allerdings noch steigen, da einige der rund 50 Verletzten in einem kritischen Zustand seien.

In einem im Internet veröffentlichen Amateurvideo waren mehr als ein Dutzend Tote oder Verletzte in den Überresten eines Gebäudes zu sehen, bei dem es sich nach Angaben des Sprechers um eine Bäckerei gehandelt hatte. In den Straßen lag Schutt, Bewohner und Aufständische schafften Verwundete weg. Einige der Opfer trugen Tarnkleidung, was darauf hindeuten könnte, dass der Angriff einem Treffen von Rebellen galt.

Bei Luftangriffen auf die Ortschaft al Safira südlich von Aleppo kamen nach Angaben von Aktivisten am Sonntag 13 Frauen und Kinder ums Leben. Die Ortschaft liegt nahe einem großen Militärstützpunkt, der zuletzt immer wieder von Aufständischen angegriffen worden war. "Die Luftangriffe haben die Kämpfer aber überhaupt nicht getroffen", sagte der Aktivist Hussein via Skype. "Sie wollen Vergeltung gegen Zivilisten üben."

Bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt in Afrin nahe Aleppo kamen nach Angaben der Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens zehn Aufständische und eine unbekannte Zahl von Soldaten ums Leben.

"Patriot": Symbolische Hilfe für die Türkei

 Der Einsatz von "Patriot"-Raketen ist ein wichtiges Zeichen im Syrien-Konflikt. Türkisches Gebiet schützen können die deutschen Luftwaffensoldaten aber kaum. Denn der Bundeswehreinsatz findet auf dem türkischen Luftwaffenstützpunkt Kahramanmaras gut 100 Kilometer im türkischen Hinterland statt. Angesichts der Bedrohungen und der Fähigkeiten, welche die deutschen und niederländischen Militärs nach Ost-Anatolien schicken, bleibt der Beitrag eher symbolisch.

Bei einer effektiven Kampfreichweite von maximal 45 Kilometern ist in Abfangen von Raketen oder Flugzeugen für die deutschen Soldaten erst lange nach Verletzung des türkischen Luftraums möglich. Auch die Radar-Systeme reichen vom Boden aus kaum bis an die Grenze heran. Die Hauptaufgabe wird damit den AWACS-Flugzeugen zur Luftraumüberwachungsflugzeugen zufallen.

 Die AWACS-Beteiligung ist vorsorglich Teil des neuen Mandats. Denn an Bord der im pfälzischen Spangdahlem startenden NATO-Flugzeuge sind auch deutsche Soldaten, und diese Flugzeuge tragen wesentlich zum Luftlagebild der Raketenstaffeln bei. Schließlich können sie – anders als die "Patriots" – tief in syrisches Gebiet blicken. Dies geschieht zum Teil aber auch schon jetzt im Rahmen der Mittelmeerflüge unter dem NATO-Mandat "Active Endevour", das erst Mitte der Woche durch das Parlament verlängert wurde.

Das Luftabwehrsystem "Patriot" gilt als eines der modernsten der Welt. Beim Einsatz gegen Kampfflugzeuge in mittleren und großen Höhen erzielen die Lenkflugkörper gute Abschussergebnisse. In den Golfkriegen mit dem Irak schossen amerikanische "Patriot"-Verbände auch die verhältnismäßig langsamen "Scud"-Mittelstreckenraketen von Saddam Hussein ab. Mit solchen Raketen hatte zuletzt auch das Assad-Regime vermutete Rebellenstellungen im Grenzgebiet beschossen.

 In den vergangenen Monaten wurden immer wieder Dörfer entlang der Grenze Ziel von Granaten aus Mörsern oder Artilleriegeschützen. Diese erfolgreich abzufangen, ist mit einem Raketensystem eigentlich unmöglich. Die Artilleriegeschosse bewegen sich schnell, sie sind sehr klein und haben eine verhältnismäßig steile Flugbahn.

Für den Schutz gegen Artilleriebeschuss ist "Patriot" also nicht geeignet. Zwischen dem Granat-Abschuss und dem Auffassen durch die Radarsysteme liegen meist einige Sekunden, die gleiche Zeit verstreicht, bis das Lagebild am Radarschirm erkannt und ausgewertet wird. Bis eine Entscheidung getroffen wird, die Rakete zu starten, können noch einmal 20 bis 30 Sekunden verstreichen. Bei einem anfliegenden Flugzeug oder einer ballistischen Rakete mit gleichmäßiger Flugbahn reicht dies aus. In der gleichen Zeit aber sind Mörser oder Artilleriegranaten längst eingeschlagen.

 Zwar verfügt die Luftwaffe inzwischen mit dem hochmodernen Waffensystem "Mantis" über die Technik, auch diese Geschosse abzuwehren. Jedoch gibt es bislang nur fünf solcher Geschütztürme - also gerade mal genug für ein einziges Feldlager. Der Schutz der gut 900 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenze ist mit dieser Waffe weder möglich noch bezahlbar.  (dapd)

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