25.11.12

Gutscheinmodell

Geld für Haushaltshilfe soll Frauen in Job zurücklocken

Magazin: Wiedereinsteigerinnen sollen bis zu 18 Monate Geld erhalten. CDU-Ministerinnen stellen sich hinter Vorhaben von Fachpolitikern.

Foto: pa/chromorange
Geld für Haushaltshilfe soll Frauen in Job zurücklocken
Geld für Haushaltshilfe soll Frauen in Job zurücklocken

Berlin. Die schwarz-gelbe Koalition will Frauen die Rückkehr in den Beruf erleichtern und dazu die Anstellung von Haushaltshilfen fördern. Nach monatelangen Beratungen hätten sich die Familienpolitiker der Union auf ein Gutscheinmodell geeinigt, nach dem Frauen sich bis zu 18 Monate lang eine Haushaltshilfe teilweise bezahlen lassen können, berichtete das Magazin "Focus" am Sonntag. Heftige Kritik erntete der Vorstoß bei den Grünen, die von einem paradoxen Zickzack-Kurs der Koalition sprachen. "Die Herdprämie wirbt für zu Haus und die Gutscheine locken wieder raus", bemängelte die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer. Die Regierung helfe damit weder den Frauen noch der Wirtschaft, sondern verballere Milliarden, die beim Ausbau der Kita-Plätze besser angelegt wären.

Familienministerin Kristina Schröder stellte sich hinter das Vorhaben der Familienpolitiker in der Koalition. Erleichterungen im Haushalt seien nötig, um hoch qualifizierte Frauen angesichts des Fachkräftemangels wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen, teilte die CDU-Ministerin mit. "Bezahlbare Hilfe im Haushalt erleichtert Familien das Leben und insbesondere Frauen nach der Elternzeit die Rückkehr in den Beruf".

Ähnlich argumentierte Arbeitsministerien Ursula von der Leyen. "Wenn wir diese Dienstleistungen fördern, dann schaffen wir Zeit für Familien und schaffen gleichzeitig Arbeitsplätze", sagte die CDU-Politikerin dem "Focus". Eine Arbeitsgruppe im Bundessozialministerium will dem Bericht zufolge bis Mitte Dezember einen Vorschlag zur Förderung haushaltsnaher Dienstleistungen machen. Der Staat soll danach monatlich 15 Stunden haushaltsnaher Dienstleistungen mit einem Zuschuss von sechs Euro pro Stunde fördern. Auch die FDP-Familienpolitiker würden den Vorstoß unterstützen. Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums erklärte am Sonntagabend, eine solche Arbeitsgruppe bestehe nicht. Daher könne eine solche im Dezember auch keine Ergebnisse vorlegen.

"Es dürfte eher ein Luxusproblem sein, wenn die Rückkehr in den Beruf davon abhängig gemacht wird, ob der Staat 18 Monate lang Einkaufen und Staubsaugen subventioniert", erklärte dagegen die Grünen-Politikerin Pothmer. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf scheitere in Deutschland nicht an der fehlenden Haushaltshilfe, sondern unter anderem an den bundesweit 220.000 fehlenden Kinderbetreuungsplätzen für die Kleinsten. Berufsrückkehrerinnen brauchten daher keine Haushaltshilfen, sondern Kita-Plätze, um den Wiedereinstieg in den Job zu schaffen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt die Bundesregierung wegen ihrer Familienpolitik regelmäßig an den Pranger. Zuletzt hatte sie das jährlich 1,2 Milliarden Euro teuere Betreuungsgeld kritisiert, das die Union gegen den Widerstand der Opposition eingeführt hatte und das ab August 2013 für die Betreuung von Kindern zuhause statt in der Kita ausgezahlt werden soll. Der im Gegenzug versprochene Ausbau der Kita-Plätze, die mehr Frauen eine Berufstätigkeit ermöglichen würden, gerät dagegen immer mehr in Verzug. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz soll ebenfalls ab August 2013 gelten, nach amtlichen Angaben fehlen jedoch noch 220.000 Plätze.

Nach OECD-Angaben arbeiten Frauen in Deutschland überdurchschnittlich häufig in schlecht bezahlten Teilzeitjobs, zudem ist das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen das höchste innerhalb der Europäischen Union. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch das Ehegatten-Splitting, das Familien mit nur einem Verdiener oder mit großen Einkommensunterschieden begünstigt, wird von der OECD kritisiert und als Grund dafür genannt, dass in Deutschland vergleichsweise wenige Frauen erwerbstätig sind. Als weitere Ursache gilt die im internationalen Vergleich mit bis zu drei Jahren verhältnismäßig lange Elternzeit, die sich Mütter oder Väter nach der Geburt eines Kindes nehmen können und nach der viele Frauen nicht wieder in den Beruf einsteigen.

(rtr)
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