Weltjugendtag in Madrid

Der Papst verlangt mehr Gerechtigkeit

Benedikt XVI. zeigt Verständnis für die Jugendlichen. Für den Deutschlandbesuch machen die Papst-Gegner bereits mobil.

Madrid/Berlin. Papst Benedikt XVI., 84, hat auf dem Weltjugendtag in Madrid mit Hunderttausenden jungen Katholiken ein riesiges Willkommensfest gefeiert. Empfangen von einem bunten Fahnenmeer der Teilnehmer aus aller Welt rief Benedikt auf dem zentralen Cibeles-Platz dazu auf, "barmherzig, friedliebend und reinen Herzens" zu sein. Die Jugend solle nach Gerechtigkeit hungern und sich nicht von blinden, egoistischen oder trügerischen Impulsen verleiten lassen, mahnte das Oberhaupt der Katholiken. Benedikt begrüßte die zujubelnde Menge der Gläubigen in einem halben Dutzend Sprachen.

Am Vorabend hatten Proteste mit Festnahmen und Verletzten einen Schatten auf die Ankunft des Pontifex in Madrid geworfen. Der Papst schloss sich am Donnerstag den jungen Leuten auf dem Weltjugendtag an, zu dem bis zum Abschluss am Sonntag mehr als eine Million Menschen aus aller Welt erwartet werden. Mit seinem Besuch wolle er den jungen Katholiken auf diesem Großtreffen Mut für die Zukunft machen und sie "alle im Glauben stärken", sagte er nach der Ankunft auf dem Flughafen Madrid-Barajas.

Der spanische König Juan Carlos, der nach einer Knieoperation noch gehbehindert ist, und Königin Sofía hatten sich zur Begrüßung eingefunden. Tausende junge Katholiken jubelten dem Papst zu. Sie hatten in der sommerlichen Hitze stundenlang auf das Kirchenoberhaupt gewartet. Mehr als 170 von ihnen mussten wegen Schwächeanfällen von Sanitätern behandelt werden. Der Besuch des Kirchenoberhauptes in Spanien ist nicht unumstritten. Am Vorabend hatten Tausende im Zentrum von Madrid gegen den Einsatz von Steuermitteln für Kirchentreffen demonstriert und eine vollständige Trennung von Staat und Kirche verlangt. Dabei kam es zu Ausschreitungen. Elf Menschen wurden verletzt, acht festgenommen.

Der Papst rief dazu auf, fest im Glauben zu bleiben und die Herausforderungen der Gegenwart anzunehmen. In einer Welt der Gewalt, der Umweltzerstörung, der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der Christenverfolgung "nehme nichts und niemand euch den Frieden, schämt euch nicht des Herrn", mahnte Benedikt. Die jungen Leute erlebten heutzutage, dass Oberflächlichkeit, Konsumdenken und Hedonismus vorherrschten. "Sie nehmen eine große Banalität im Umgang mit der Sexualität, großen Mangel an Solidarität und viel Korruption wahr."

Während des Flugs nach Spanien mit seinen großen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten hatte Benedikt die "Verantwortung" Europas in der Krise, anderen Menschen und Ländern gegenüber bekräftigt. Er wandte sich erneut strikt gegen ein Wirtschaften, das die Ethik vergesse. "Man muss Arbeit schaffen und den Planeten schützen", verlangte das Kirchenoberhaupt.

An diesem Freitag kommt Benedikt erneut mit dem spanischen Königspaar und mit Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero zusammen. Höhepunkt des dritten Spanienbesuchs des Papstes wird eine große Messe unter freiem Himmel auf dem ältesten Madrider Flugplatz Cuatro Vientos sein, mit der das Kirchenoberhaupt am Sonntag das katholische Glaubensfest beenden wird. Die von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. 1984 begründeten Weltjugendtage finden alle zwei bis drei Jahre statt. Sie sind die größten internationalen Treffen der katholischen Kirche. Nach Sydney 2008 und Köln 2005 ist der Madrider Weltjugendtag der dritte, an dem Joseph Ratzinger als Papst Benedikt teilnimmt.

Derweil will das Bündnis "Der Papst kommt" seine geplante Protestdemo zum Deutschlandbesuch Benedikts XVI. in Berlin-Mitte notfalls per Gericht durchsetzen. Wie Bündnis-Koordinator Pascal Ferro nach einem Treffen der beteiligten Organisationen in Berlin mitteilte, will der Zusammenschluss gegen ein offenbar geplantes Verbot der Kundgebung am Brandenburger Tor klagen. Die Klage soll in den nächsten Tagen vorbereitet werden, um keine Zeit zu verlieren, so Ferro.

Das Bündnis plant für den 22. September eine Demonstration in Berlin, zu der es mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet. An dem Tag spricht der Papst vor dem Deutschen Bundestag. Bei der Demo soll unter anderem die Haltung der katholischen Kirche zu Homosexualität, Verhütung und Gleichberechtigung der Frauen kritisiert werden.

Die Demo-Route soll nach Planungen des Bündnisses vom Brandenburger Tor über Unter den Linden und Friedrichstraße bis zur katholischen St. Hedwigs-Kathedrale führen. Nach Angaben der Polizei läuft das Genehmigungsverfahren noch.

Das Bündnis geht nach Gesprächen mit der Versammlungsbehörde aber nach eigenen Angaben davon aus, dass die Bannmeile zum Schutz des Papstes um den Bundestag auf das Brandenburger Tor ausgeweitet wird und damit die geplante Kundgebung dort unmöglich wird. Zudem stünden auch die zentralen Straßen als Demo-Route infrage, sagte Ferro. Sollten auch diese nicht genehmigt werden, werde es eine Sammelklage geben, kündigte der Koordinator an. (dpa/epd)

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