15.01.13

Medien

Wichmann soll den "Stern" neu erfinden

Der 41-Jährige ist ab Mai Chefredakteur des Flaggschiffs von Gruner + Jahr. Er wird Nachfolger von Thomas Osterkorn und Andreas Petzold.

Von Kai-Hinrich Renner
Foto: dpa
Dominik Wichmann wird "Stern"-Chefredakteur
Dominik Wichmann war von 2000 bis 2011 Chefredakteur des Magazins der "Süddeutschen Zeitung", mit dem er mehrfach die wichtigsten Branchenpreise gewann

Hamburg. Eine Überraschung war es nicht. Als am Montag gegen 10.30 Uhr bei den Redakteuren des "Stern" eine E-Mail von Chefredakteur Thomas Osterkorn einging, in der er sie bat, um 11 Uhr im Konferenzraum der Illustrierten zu erscheinen, konnte sich jeder denken, worum es gehen würde. Und so war es dann auch: Einziges Thema der etwa zehnminütigen Veranstaltung war der bevorstehende Generationswechsel in der Chefredaktion des "Stern".

Der 41 Jahre alte Dominik Wichmann, bisher stellvertretender Chefredakteur, ist ab sofort zusammen mit Osterkorn, 59, und Andreas Petzold, 57, gleichberechtigtes Mitglied der "Stern"-Chefredaktion. Am 1. Mai werden sich die beiden Oldies auf den Herausgeberposten zurückziehen. Zudem wird Osterkorn zum 1. Januar 2014, kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres, den "Stern" ganz verlassen. Er soll dann als "Chefredakteur für Sonderaufgaben und journalistischer Berater des Gruner+Jahr-Vorstands Deutschland" firmieren. In der neuen Position wird er unter anderem mit der "Stern"-Chefredaktion Veranstaltungen und Initiativen des Blattes wie "Jugend forscht" und den Henri Nannen Preis betreuen.

Bei der Inthronisierung Wichmanns habe das Gruner+Jahr-Vorstandsmitglied Julia Jäkel ausdrücklich die Verdienste von Osterkorn und Petzold hervorgehoben, erzählen Teilnehmer. Abgesehen vom legendären "Stern"-Gründer Henri Nannen war kein Chefredakteur länger im Amt als die beiden, die bereits seit 1999 die Geschicke der Illustrierten bestimmen. Die zwei Chefredakteure haben in dieser Zeit den "Stern" stabilisiert, ihn zur Ruhe kommen lassen. Nicht aufhalten konnten sie den Auflagenverfall des Blattes, der sich mit der derzeitigen Medienkrise allein nicht erklären lässt. Der "Stern" verliert bereits seit 1983 kontinuierlich Leser. Damals flog der Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher auf. Das lag zum einen an dem durch die Affäre ausgelösten Vertrauensverlust. Zudem dürfte das Konzept der Illustrierten als bunte Wundertüte, wie sie einst Nannen definierte, schon mit dem Start des Privatfernsehens Anfang der 80er-Jahre an seine Grenzen gestoßen sein. Heute im Zeitalter des Internets hat es sich endgültig überlebt. Es ist kein Zufall, dass alle anderen klassischen Illustrierten, ob "Quick" oder "Neue Revue", längst das Zeitliche gesegnet haben.

Seine Aufgabe, den "Stern" neu zu erfinden, hat Wichmann bereits in Angriff genommen: Schon im vergangenen Jahr startete das von ihm geleitete Projekt "Nordwind", an dessen Ende ein komplett überarbeiteter "Stern" stehen soll. Wie es heißt, wird die Zeitschrift künftig noch mehr auf opulente Optiken und lange Lesestücke setzen.

Dass Wichmann, der ein für das Blatt so wichtiges Projekt verantwortet und zudem mit Johannes Erler bereits den derzeitigen Art Director aussuchte, früher oder später Chefredakteur werden würde, war jedem klar. Schließlich ist der promovierte Politikwissenschaftler nun auch schon anderthalb Jahre bei der Illustrierten. Er gilt schon lange als einer der besten deutschen Zeitschriftenmacher. Von 2000 bis 2011 war er Chefredakteur des mehrfach mit den wichtigsten Branchenpreisen ausgezeichneten Magazins der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Wichmann ist Teamplayer und erfreut sich in der "Stern"-Redaktion großer Beliebtheit. Dass er erst jetzt Chefredakteur des Blattes wird, erklärt man in Verlagskreisen hinter vorgehaltener Hand auch damit, dass vor allem Osterkorn der Abschied schwergefallen sei.

Zuletzt fiel auf, dass der "Stern" Aktuelles zugunsten beliebiger Service-Geschichten hintanstellte. So hatte vor einem Jahr "Stern"-Reporter Martin Tillack die Geschichte um den Bau-Kredit des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff zeitgleich mit der "Bild"-Zeitung recherchiert. Doch während das Boulevard-Blatt die Lorbeeren für die Story einheimste, die das Ende der Amtszeit Wulffs einleitete, mochte "Stern"-Chef Petzold sie zunächst nicht bringen. Und dass der aktuelle "Stern" mit dem eher mäßig aufregenden Nutzwert-Titel "Gesünder Leben" statt mit dem Exklusiv-Interview mit Pola Kinski aufmacht, in dem sie ihren Vater des jahrelangen Missbrauchs bezichtigt, empfand nicht nur der Online-Mediendienst "Meedia" als "verschenkt".

Ob Wichmann aktuellen Stücken den Platz einräumen wird, der ihnen gebührt? Beim "SZ"-Magazin punktete er vor allem mit zeitlosen Storys, was bei einem Zeitungssupplement nicht weiter verwundert. Auch musste er sich bei seinem letzten Arbeitgeber keine Titel einfallen lassen, die sich am Kiosk verkaufen, liegt doch das Magazin jeder Freitagsausgabe der "SZ" bei. Aber selbst wenn Wichmann beim gedruckten "Stern" alles richtig macht, was bei einem Mann seines Kalibers keine Überraschung wäre, liegt die wirklich große Herausforderung für ihn woanders: Auch für Zeitschriften werden digitale Medien immer wichtiger. Eine schlüssige Digital-Strategie ist beim "Stern" aber nicht erkennbar. Stern.de hinkt Wettbewerbern wie Spiegel Online oder Bild.de meilenweit hinterher. Die Ära Wichmann wird daran gemessen werden, mit welchem Erfolg er den "Stern" in das digitale Zeitalter führt.

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