16.01.13

Laeiszhalle

Die Anna-und-Erwin-Show: Gesangs-Szenen einer Ehe

Das aktuelle Glamourpaar der Opernszene, Anna Netrebko und ihr Gatte Erwin Schrott, begeisterte das Publikum mit einer Best-of-Gala.

Von Joachim Mischke
Foto: dpa
Netrebko und Schrott in Hamburg
Bei ihrem einzigen gemeinsamen Deutschland-Konzert wurden Anna Netrebko und Erwin Schrott von den Hamburger Symphoniker unter der Leitung von Claudio Vandelli begleitet.

Hamburg. Ein Dutzend Gesangsnummern, zwei Abendkleider und drei Zugaben – so in etwa ließe sich die Gesangs-Gala kurz und knapp zusammenfassen, mit der das letzte große Glamourpaar der Opernszene nach dem Liebes-Aus der Kollegen Angela Gheorghiu und Roberto Alagna am Dienstag in der ausverkauften Laeiszhalle gastierte. Eigentlich hätten Anna Netrebko und ihr Gatte Erwin Schrott im letzten Jahr im Derbypark einzeln und zu zweit verzücken wollen, doch es kam anders und wurde verschoben. Nun also die Anna-und-Erwin-Show überdacht und mit einer sehr bunt, sehr üppig gefüllten Bonbonniere, in der für jeden Geschmack etwas dabei sein durfte.

Im ersten Teil des Programms ging es eher gediegen zu und auch hier - von den dazugebuchten Symphonikern mal mehr, mal weniger trittsicher umrahmt - wurde schon phasenweise sehr hübsch gesungen. Die Sopranistin startete mit Arditis Kusswalzer "Il bacio", der Bassbariton-Gatte variierte das Thema danach mit Leporellos Registerarie aus "Don Giovanni". Doch im Vergleich zu der virilen Geschmeidigkeit, mit der er diese Rolle bei den Salzburger Festspielen zu einem Fest machte, fiel dieses Bravourstückchen auf der Laeiszhallen-Bühne deutlich rustikaler und grobkörniger aus. Auch beim teuflischen Rondo-Tanz ums Goldene Kalb aus Gounods "Faust" hätte man sich von Schrott mehr gestalterische Rafinesse gewünscht, bevor er mit seiner Gattin allerliebste Kostpröbchen aus Donizettis "L'elisir d'amore" zum Besten gab.

Nach der Pause: neues Kleid, anderes Sortiment. Mit "Lippen schweigen" etwas verknutschter Operettenseligkeit aus der "Lustigen Witwe" also, und als Tränendrücker Puccinis "O mio babbino caro" brach der romantisch gemünzte Teil des Abends an. Während der Südamerikaner Schrott nun vor allem den melodramatischen Tango-Sänger gab, besann sich Netrebko auf ihre größte Stärke als Interpretin: den Herzschmerz. Rusalkas "Lied an den Mond" war wirklich und ganz ohne doppelten Boden allerliebst. Und Gershwins "Bess, You Is My Woman Now", weitestgehend blue-note-bereinigt und fast schon akademisch, bot die Gelegenheit zum letzten echten Bühnenkuss des Paars, bevor es in die Zugaben-Bonusrunde ging.

Eine ausführliche Kritik lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe vom Hamburger Abendblatt.

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