27.02.13

Konzert in der Markthalle

Neal Morse: Old School, aber nicht Retro

Dreieinhalb Stunden Progessive Rock: Neal Morse mit Band plus Mike Portnoy und die schwedische Band The Flower Kings in der Markthalle.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Neal Morse mit Band plus Mike Portnoy und The Flower Kings spielten in der Markthalle
Neal Morse mit Band plus Mike Portnoy und The Flower Kings spielten in der Markthalle

Hamburg. Der Sound, die Posen, das rote Samtsakko des Sängers, die runde Brille mit den roten Gläsern – ist das auf der Bühne der Hamburger Markthalle ein Flashback, der in die frühen 70er zurückführt? Zum Teil ja, denn die schwedische Band The Flower Kings knüpft mit ihrem Habitus direkt an die Zeit an, als im Progressive Rock alles möglich schien, als stilistische Vielfalt, komplizierte Arrangements und vertrackte Rhythmik einige Jahre zum guten Ton gehörten - bis der Punk mit seinen reduzierten technischen und kompositorischen Ansprüchen Ende der siebziger Jahre den kreativen Höhenflug beendete.

The Flower Kings sind bewusst Old School, aber nicht Retro, denn der Prog lebt, wie am Montagabend lautstark und langanhaltend bewiesen wurde. Das schwedische Quintett um den international gefragten Gitarristen Roine Stolt sorgte mit einem eineinviertelstündigen Set für den Auftakt eines dreiteiligen Konzerts, das gewissermaßen den "State of the Artrock" markierte. Denn im Mittelpunkt des "20 Years Anniversary Concerts" stand ein Mann, der für das Revival des Prog durch kreative Wiederbelebung steht: der Amerikaner Neal Morse, Mitgründer der Bands Spock's Beard und der Supergroup Transatlantic und seit zehn Jahren vor allem mit Solo-Projekten beschäftigt.

Was Morse von den Flower Kings unterscheidet, wird im zweiten Teil schnell hörbar: Den Songs der Schweden fehlt trotz manch guter Motivideen und handwerklich sauberer Arbeit der größere architektonische Zusammenhang, der Kompositionen des Amerikaners von Anfang bis Ende ohne Hänger gestaltet und trägt. Diese Qualität des Komponisten Morse zeigt sich insbesondere beim epischen, gut dreißigminütigen Stück "World without End", das den Abschluss eines fast zweistündigen Sets bildet, das bis zur in extenso ausgedehnten Agonie des Finales spannungsvoll bleibt. Es trifft jedoch ebenso auf die kürzeren Songs zu, drei weitere vom aktuellen Album "Momentum" sowie drei ältere ("Author of Confusion", "The Temple oft he Living God" und "Entrance").

Bei Morse sind Vorbilder - der Synthie-Bombast von Yes, die weitschweifigen Konzeptalben von Jethro Tull, der mehrstimmige Gesang von Gentle Giant - erkennbar, doch Morse hat, ohne seine Einflüsse zu leugnen, ein originelles eigenes Prog-Vokabular entwickelt. Seine Songs haben oft ein eingängiges melodisches Motiv, in jedem von ihnen stecken Ideen für mehrere, die Rhythmik ist komplex und manchmal heftig wie beim Metal, das Tempo variabel und in den Ostinati aberwitzig forciert. Jethro Tull bewegte sich noch im "Locomotive Breath" – Morse bringt dagegen Hochgeschwindigkeitszüge auf Fahrt.

Für die exzellente Band bedeutet das Schwerstarbeit, vor allem im rhythmischen Kraftzentrum, wo zwei bewährte Helfer agieren: der stoische Bassist Randy George und der überragende - zugleich wuchtig-kraftvolle und präzise - Schlagzeuger Mike Portnoy als personifizierte Spielfreude. Dazu der Multiinstrumentalist Bill Hubauer (Keyboards, Violine, Saxofon) und die wunderbaren, von Morse entdeckten jungen Gitarristen Adson Sodré und Eric Gillette (auch Keyboards).

Neal Morse selbst singt die Lead Vocals und wechselt zwischen Gitarre und Keyboards, wenn er nicht gerade auf der Bühne oder im Publikum (bei "Entrance") unterwegs ist. Er ist ein Entertainer, nicht aus Kalkül, sondern weil ihn das eigene Glücksgefühl zu tragen scheint, während er tanzt, Grimassen schneidet, lächelt und vor seinem Keyboard niederkniet.

Zum Abschluss des dreieinhalb Stunden langen Konzerts dann doch noch eine Retro-Einlage: Alle elf Musiker kommen im Laufe der Zugabe auf die Bühne und spielen ein ausgedehntes Transatlantic-Medley – eine Erinnerung an die Prog-Supergroup Transatlantic, der Morse, Portnoy und Stolt angehörten. Ein bisschen Nostalgie darf nach dem Comeback des Prog sein.

(wend)
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