07.02.13

"Holy Fire"

Foals: Indiepop-Ohrwürmer, klug geklaut

Morgen erscheint mit "Holy Fire" das neue Werk der englischen Band Foals. Am 18. März spielt sie in der Hamburger Markthalle.

Von Thomas Andre
Foto: Jahnke
Die britische Band Foals aus Oxford
Die britische Band Foals aus Oxford

In einer Musikzeitschrift war kürzlich zu lesen, das neue Album der Foals sei ein Rockalbum geworden - was für ein Blödsinn. Im Gegenteil ist die immer noch sehr, wie man so sagt, "angesagte" Band aus Oxford so radiopopmäßig unterwegs wie nie zuvor in ihrer zugegebenermaßen auch erst drei Alben währenden Geschichte. "Holy Fire", das diesen Freitag erscheint, ist ganz, ganz glatt produziert und trotzdem ganz schön gut. Wenn man denn auf den zackigen Indiepop der Marke Foals steht.

Und das kann man guten Gewissens. Denn wenn man ehrlich ist, ist der Dancefloor-optimierte Popentwurf immer dann am besten, wenn er aus England kommt. Der Stakkato-Takt, den Franz Ferdinand anschlugen, war ja mal das ganz große Ding. Und auch Maximo Park (in ihrer frühen Phase) war tanzbar ohne Ende. Noch besser zucken konnte man freilich zuletzt zu dem Math-Rock genannten Musikstil von Foals, der durchaus auch mal im Siebenachteltakt daherkommen kann. Foals ist tendenziell eher Musik für hektische Menschen oder für jederzeit sprungbereite. "Foals" heißt ja bekanntlich Fohlen auf Deutsch, und es gefällt uns schon, sprachspielerisch feststellen zu dürfen: Immer langsam mit den jungen Pferden is' nicht auf "Holy Fire".

Neben einem zunächst schwergängigen, dann lauernden und leicht bedrohlich anmutenden Intro kommt mit "Inhaler" das Stück, das einen über den Charakter von "Holy Fire" am meisten in die Irre führen könnte. Das fette Gitarrenbrett wird, sieht man mal von "Providence" ab, dem beinah grotesk schlechten Song im letzten Plattendrittel, auf dem Album sonst nämlich überhaupt nicht aufgelegt. Es ist eher die Leichtfüßigkeit von Tracks wie "My Number" und "Everytime", die den neuen Sound der Foals ausmacht. Einen fröhlicheren Song als "My Number" hat die Band bis jetzt jedenfalls noch nicht geschrieben. Er dürfte es schnell in die Riege der Live-Favoriten schaffen - das Hamburger Konzert der Engländer ist am 18.3. in der Markthalle.

Wo gerade von "Favoriten" gesprochen wurde: Der Hype um Bands wie Foals, die neben Rockelementen auch auf die Strukturen elektronischer Musik setzen, ist ja schon längst weitergewandert und im wunderbarsten aller Orte angekommen: dem Lande Retro, in dem die Songs so klingen wir früher, also in den wirklich aufregenden Jahren der Popmusik. Da wäre zum Beispiel Matthew E. White zu nennen, der wie ein Waldschrat aussehende Sohn zweier Missionare aus Virginia, dessen Album "Big Inner" ebenfalls diesen Freitag erscheint. White ist ein klassischer Singer-Songwriter, dessen Stil von namensfindigen Journalisten die Bezeichnung "Countrysoul" erhielt.

Und da ist natürlich der Teenager Jake Bugg aus Nottingham, dessen Debüt in England bereits im vergangenen Herbst die Spitze der Charts erklomm. Jetzt schickt sich Bugg auch an, Deutschland zu erobern. Bugg ist die Reinkarnation des 70er-Jahre-Songwriters, ein echtes Wunderkind, das seltsam erwachsene Musik spielt, als sei es alt geworden vor der Zeit und dabei doch zeitlos. Vom Plattencover guckt Oasis-Fan Bugg mit seiner Mod-Frisur recht geschmackssicher - der Mann hat Instinkt.

Von Foals und "Holy Fire" kann man das übrigens ganz und gar nicht behaupten. Das Cover? Kitsch pur. Und so schlimm in seiner Abgeschmacktheit, dass es schon wieder gut ist. Yannis Philippakis (Gesang, Gitarre), Jack Bevan (Drums), Jimmy Smith (Gitarre, Keyboard), Walter Gervers (Bass) und Edwin Congreave (Keyboard, Saxofon) sind trotzdem oder gerade deswegen sehr zeitgemäß auf ihrem neuen Album. Die Dreampop-Klangflächen von "Stepson" oder "Moon" passen jedenfalls gut in die Pop-Gegenwart, in der flauschige Songs von Bands wie Beach House hoch im Kurs stehen. Eklektizismus - das schlaue Klauen - beherrschen die Foals perfekt, ohne dabei je altmodisch oder retro zu klingen.

Die Gitarrenlicks auf "Holy Fire" sind so schön, wie der hingebungsvolle Gesang von Philippakis entrückt ist. Dass die Texte nicht weiter wichtig sind, stört auch nicht wirklich. Wichtig ist der Pop-Appeal von zum Beispiel "Milk & Black Spiders": Hier legt es jemand darauf an, einen Ohrwurm zu produzieren. Rock machen die Foals vielleicht dann auf der nächsten Platte.

Foals: "Holy Fire" (Warner) Konzert am 18. März in der Markthalle

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