19.01.13

Medienmacher

Ex-"Spiegel"- Chef Stefan Aust schaut in die Röhre

Drittsendezeiten bei RTL werden vergeben. José Carreras Gala ist Geschichte. NDR-Regionalprogramme weiterhin im Kabelnetz.

Foto: HA / A.Laible
Medienautor Kai-Hinrich Renner
Medienautor Kai-Hinrich Renner

Die Würfel um die Vergabe der begehrten Drittsendezeiten bei RTL sind offenbar gefallen. Große Privatkanäle wie der Kölner Fernsehsender müssen aus Gründen der Vielfaltssicherung ein gewisses Quantum an Sendeplätzen unabhängigen Produzenten zur Verfügung stellen. Über deren Vergabe entscheidet die zuständige Landesmedienanstalt, in diesem Fall die niedersächsische NLM, wobei sie sich mit dem jeweils betroffenen Sender abstimmen muss. Eine solche Abstimmung zwischen RTL und NLM hat es nun gegeben. Es sei "Einvernehmen" hergestellt worden, bestätigt Tobias Schmid, bei RTL verantwortlich für Medienpolitik. Wie es in Branchenkreisen heißt, soll die erste Sendeschiene mit Sendeplätzen am Sonntag, Dienstag und Mittwoch wieder an die DCTP des Filmemachers Alexander Kluge gehen. Mit Kluges Lizenz senden bei RTL auch "Spiegel TV" und "Stern TV" . Die zweite Sendeschiene mit Sendeplätzen am Sonnabend und Sonntag geht demnach an die AZ Media, die dem hannoverschen Zeitungshaus Madsack ("Hannoversche Allgemeine") gehört.

Bei RTL sind seit Einführung der Drittsendezeiten 1999 ausschließlich DCTP und AZ Media zum Zuge gekommen. Deshalb gilt die Entscheidung als angreifbar. Um etwaigen Klägern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat die AZ Media diesmal jedoch ein Konsortium mit mindestens acht weiteren Produzenten gebildet. Zuletzt ist ihm auch der preisgekrönte Hamburger Dokumentarfilmer Stephan Lamby mit seiner Eco Media beigetreten, der ursprünglich mit dem Kölner fernsehbüro und der Berliner taglicht media ein eigenes Konsortium bilden wollte. Nicht zum Zug gekommen ist der ehemalige "Spiegel" -Chefredakteur Stefan Aust, der sich mit seiner Aust Media für die zweite Sendeschiene beworben hatte. Auch Focus TV, das auf die erste Sendeschiene spekuliert hatte, schaut in die Röhre. Es gilt als wahrscheinlich, dass die unterlegenen Bewerber gegen die Entscheidung klagen werden.

Die Vergabe der Drittsendezeiten muss noch vom Programmausschuss der NLM bestätigt werden, der Montag tagt. Da dessen Vorsitzende aber an der Entscheidung von NLM und RTL beteiligt war, gilt eine Zustimmung als so gut wie sicher. Offiziell wollten weder die NLM noch RTL verraten, an wen die Drittsendeplätze gehen.

Die "José Carreras Gala" im Ersten, die den Kampf gegen Leukämie unterstützt und zuletzt im Dezember zu sehen war, ist endgültig Geschichte. Das bestätigt die ARD auf Anfrage: "Nach der 'José Carreras Gala' plant die ARD eine neue Charity-Show für das Erste", sagt ein Sendersprecher. "Ein entsprechendes Konzept wird derzeit entwickelt." Als Nachfolgeshow war zuletzt die Benefizgala "Musik hilft" im Gespräch, die alljährlich am Vorabend der Echo -Verleihung veranstaltet wird. Überraschenderweise haben die ARD-Unterhaltungs-Chefs auf einer Sitzung in Frankfurt aber für ein Konzept votiert, das sich an die Gala "Sternstunden" des Bayerischen Rundfunks anlehnt. Ihre Einnahmen kommen Kindern in Not zugute. Die Bayern werden auch bei dem neuen Projekt die Federführung übernehmen. Verlierer ist der MDR, der für die "José Carreras Gala" verantwortlich war und auch "Musik hilft" verantworten wollte.

Die NDR-Regionalprogramme aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern werden nach wie vor über das Hamburger Netz von Kabel Deutschland verbreitet. Ursprünglich wollte die Kabelgesellschaft sie zum 8. Januar aus dem Netz verbannen. Sie vergaß aber, die für sie zuständige Landesmedienanstalt rechtzeitig über diesen Schritt zu unterrichten. Vorgesehen ist eine Frist von vier Wochen. Nun verschwinden die Landesprogramme erst zum 8. Februar aus dem Hamburger Netz. Hintergrund ist ein Streit um Einspeisegebühren des Unternehmens mit der ARD.

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