13.11.12

Talkshow von Stefan Raab

"Absolute Mehrheit": Schlag die Talkshow

Bei "Absolute Mehrheit", der neuen Sendung von Stefan Raab, blieb nicht nur die Würde auf der Strecke. Auch der Humor ging in den Keller.

Von Christoph Rybarczyk
Foto: dapd
ProSieben-Talkshow "Absolute Mehrheit"
Moderator Stefan Raab während der ersten Ausgabe der Talk-Show ""Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen" des Fernsehsenders ProSieben die Zuschauer

Hamburg. Es gibt eine Grundweisheit des politischen Geschäfts, die Deutschlands seit Jahrzehnten talentiertester Showmann verinnerlicht hat: Eine starke Behauptung ist besser als ein schwacher Beweis. Für den durchschlagenden Erfolg muss man lospoltern und die Lacher auf seine Seite ziehen und nicht nachher akribisch belegen, dass man doch recht hatte. Mit jeder Faser seiner Killerplauze hat Stefan Raab das verinnerlicht. Was kann also schiefgehen für das Fernseh-Raubein, wenn er sich nach "TV total", Bratpfannen-Rodeln und Endlos-Duellen mit Zuschauern ans politische Fach wagt?

Und doch hat Raab mit seiner Talkshow "Absolute Mehrheit" den Bogen überspannt. Wie ein antrainierter Late-Night-Talker, ein Harald Schmidt für ganz Arme, inszenierte sich Raab vor seinen Gästen. Die Witze waren so billig, dass es beim Zuhören schmerzte. Den renommierten CDU-Wirtschaftsmann Michael Fuchs fragte er, ob er wisse, wer die Gans gestohlen habe. Den Hamburger Linken-Abgeordneten Jan van Aken, immerhin Fraktionsvize im Bundestag, nannte er einen "Reichenschreck". Van Aken beschäftigt sich durchaus ernsthaft mit Waffenexporten, mit dem Elend der Welt, mit Umweltschutz. Keine Themen für Raab.

Und den letzten Roh-Liberalen der FDP, Wolfgang Kubicki, kündigte er an wie einen Boxer, der in der eigenen Partei wild um sich schlägt. Für die Show spielte Kubicki natürlich mit. Doch er schaute gequält süßsauer drein, als Raab zur Entgleisung des Abends abhob: "Wenn der Rösler das jetzt beim Abendessen sieht", sagte er über den FDP-Chef, "hoffentlich fallen ihm dann nicht die Stäbchen aus der Hand." Ein Brüller auf Kosten von Rösler, der ein vietnamesisches Waisenkind war.

Müsste man einen anderen Namen vergeben, könnte man Raabs Chaos-Runde auch Bundesvision Laber Contest nennen. Was hätte Raab zu Peter Altmaier gesagt, dem Umweltminister, der ihm in letzter Minute einen Korb gab? Dass er ein fetter, allein lebender, twitternder Typ sei? Alles Dinge, über die Altmaier in Interviews gesprochen hat. Kann man auch thematisieren. Aber wird der Strom dadurch billiger? Raab führt seine Gäste am Nasenring durch sein Studio. Das ist Klamauk, das ist komisch - nur dem selbst gesetzten Anspruch eines Talkformats wird das nicht gerecht. Dem steht bereits im Konzept der mögliche Gewinn von 100 000 Euro für den überzeugendsten Gast entgegen. Die Zuschauer dürfen abstimmen, SMS und Anrufe sind kostenpflichtig. Bei einem Gewinnspiel lockt ein Diesel-Vollhybrid eines französischen Herstellers für 40 000 Euro, sogar Split-Screen-Werbung taucht während der Sendung am Bildschirmrand auf. Das ist Privatfernsehen, Raabs Schatulle will gefüllt werden.

Das wäre alles vertretbar, wenn bei der Konfrontation von Raabs Welt mit gewählten Volksvertretern nicht die Würde auf der Strecke bliebe. Leider haben sich die Kollegen von Kubicki, Fuchs und Co. nicht wirklich mit Sachverstand bekleckert, weil sie die Sendung schon vor der Premiere verdammten. Das war Carte blanche für Raab. Genüsslich legte er mit voller Promotion-Kraft dar, wes Geistes Kind jemand ist, der eine Show attackiert, die doch Politik transparent machen soll.

Verwunderlich, dass nur 1,79 Millionen Zuschauer (Marktanteil 11,6 Prozent) zuschauten. Bei dem Tamtam hätten es mehr sein müssen. Zumal Günther Jauch direkt zuvor mit dem Standardthema Löhne und Armut und den Standardgästen Ursula von der Leyen (CDU) und Oskar Lafontaine (Linke) in der ARD 5,54 Millionen Zuschauer anlockte (18,9 Prozent Marktanteil). Raabs Sender ProSieben sang die Quote schön: In der werberelevanten Zielgruppe hätten deutlich mehr zugesehen. Aber nicht mehr als 1,79 Millionen.

Am Ende gewann Kubicki mit 42 Prozent den Blödelwettbewerb. Die 100 000 Euro bleiben im Jackpot. Wie viele Zuschauer überhaupt angerufen haben, hätte man gern erfahren. Aber in Sachen Transparenz war Raab schon immer verschlossener als der Vatikan. Nur eine Drohung verriet er: Im Januar soll die nächste Sendung folgen.

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