30.10.12

Überjazz

Herbie Hancock: Auf der Suche nach den richtigen Beats

Die magischen Momente bleiben bei Herbie Hancocks lang erwartetem Konzert zum Finale des Hamburger Überjazz-Festivals aus.

Von Heinrich Oehmsen
Foto: Abaca
Herbie Hancock live at Montreux
Herbie Hancock bei einem seiner Auftritte (Archivbild)

Hamburg. Es hat etwas von Goethes Zauberlehrling, wie Herbie Hancock auf der Kampnagel-Bühne ratlos agiert. Sein Besen sind vier iPads, die an seinem schicken Korg-Kronos-Keyboard befestigt sind. Auf ihnen sucht Hancock nach Beats, die sein Klavierspiel rhythmisch unterfüttern sollen. Er drückt auf die Oberflächen, doch den passenden Beat findet er nicht. "Ich hab die Dinger erst seit sechs Wochen. Wenn ich fünfzig Jahre jünger wäre, würde ich damit besser zurechtkommen", sagt er und lacht entschuldigend. "Da steht doch ein Klavier!", ruft ein Mann von der Empore. Doch Hancock fummelt weiter an den kleinen Geräten, ein Techniker kommt zu Hilfe, doch so einfach lässt sich ein passender Sound nicht finden. "Den nächsten Song kennt ihr", sagt Hancock und stimmt auf dem Keyboard das bekannte Eröffnungsriff von "Cantaloupe Island" an.

Das Publikum klatscht begeistert, Wiedererkennung funktioniert immer. Zum ersten Mal an diesem Abend ist der Beifall laut, denn die 72 Jahre alte Jazzlegende macht es den etwa 1000 Zuhörern nicht einfach. Den Abend beginnt Hancock, gekleidet in ein leuchtend grelles Hawaii-Hemd, am großen Flügel. Darauf spielt er eine zwanzigminütige Version von "Footprints". Allerdings dürfte kaum jemand im Auditorium die Komposition seines Freundes und Musikerkollegen Wayne Shorter erkannt haben. "Ich habe mal eine andere Form gewählt", erklärt Hancock. "Es ist kein Bassist da, der mich einschränkt und auch kein Schlagzeuger." Vielleicht hätte dieses rhythmische Gerüst der Musik jedoch gutgetan, denn was Hancock zusammenspielt, besitzt keine rechte Struktur. Die magischen Momente, die er kreieren kann, bleiben zum Abschluss des Überjazz-Festivals aus. Sein Spiel wirkt wie eine Aneinanderreihung von spontanen Einfällen, die aber kein Ganzes ergeben. Auch "Maiden Voyage", in Superzeitlupe hingeperlt, entwickelt durch die Entschleunigung keinen neuen Reiz.

Dass sein Publikum am Ende doch noch ganz versöhnt nach Hause geht, hat mit der lebensfrohen Aura dieses Musikers zu tun. Hancock scherzt, nimmt sich selbst auf die Schippe und erzählt, dass sein Taxifahrer die Begrüßung "Hummel, Hummel" nicht mit "Mors, Mors" erwidert. Über diese kleinen Gags freuen sich seine Fans und scheinen darüber die Unzulänglichkeiten des Auftritts vergessen zu haben. Am Ende gibt Hancock ihnen noch einmal eingängigen Rhythmus mit seinem 80er-Jahre-Scratch-Hit "Rockit" und der Funkversion seines schon 50 Jahre alten Hits "Watermelon Man". Das Thema ist ein Ohrwurm und ein launiger Begleiter auf dem Weg nach Hause.

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