01.10.11

Thalia-Theater Enthusiastischer Beifall für "Faust"-Marathon

Von Heinrich Oehmsen
Der erste Teil von "Faust" mit dem Pakt zwischen Mephisto und Faust entstand 1797 bis 1805

Foto: dpa

Der erste Teil von "Faust" mit dem Pakt zwischen Mephisto und Faust entstand 1797 bis 1805 Foto: dpa

Weil die Nachfrage nach dem "Faust I + II"-Marathon so groß ist, hat das Thalia-Theater drei weitere Termine in den Spielplan aufgenommen.

Hamburg. Auf eine Premierenfeier hatten die Zuschauer um 1.30 Uhr dann doch keine Lust mehr, nachdem der enthusiastische Beifall im Thalia-Theater verklungen war. Dabei hätte es soviel gegeben, über das man nach dem achteinhalbsündigen "Faust"-Marathon hätte reden können, ja reden müssen. Über die grandiosen Schauspieler zum Beispiel. Den ersten dreistündigen Teil stemmten Sebastian Rudolph, Patrycia Ziolkowska und Philipp Hochmair in drei Stunden ohne Pause ganz allein. Welch große Sprechkunst kam über die Rampe, welch konzentriertes und dabei so leicht wirkendes Spiel zeigten die drei Protagonisten dabei! In Nikolas Stemanns postdramatischem Ansatz sind die Figuren längst aufgelöst. Da wird Patrycia nicht auf das Gretchen reduziert, sie darf auch Doktor Faust sein und die Marthe Schwertlein übernimmt sie in breitem Kölsch gleich mit. Auch vor Rudolph und Hochmair müsste man eigentlich auf die Knie fallen. Während Hochmair meistens in der Mephisto-Rolle Goethes Verse oft mit einer Spur Pathos sprach, setzte Hochmair dagegen einen alltäglichen Ton, den er oft mit mundartlichen Färbungen variierte.

In Faust II komplettieren Josef Ostendorf, Barbara Nüse und Birte Schnöink das Ensemble, wobei die junge Schnöink besonders auffiel. Hier reift im großartigen Thalia-Ensemble das nächste Talent heran. Mit ihrer Performance und ihrem Tonfall, der an Annette Paulmann erinnert, empfahl die 27-Jährige sich für große Rollen.

+++ So viel "Faust" war nie auf der Bühne +++

+++ "Faust"-Variationen +++

Stundenlang hätte man auch mit Philipp Stemann reden können und ihn nach all seinen Ideen befragen können. Während Faust I auf einer kargen Bühne gespielt wurde, interpretierte er den zweiten Teil als einen riesigen Mummenschanz und zeigte dabei Goethes Aktualität etwa in wirtschaftlichen Fragen. Das erinnerte mit seinem Puppentheater an einen überbordenden Kindergeburtstag oder einen durchgeknallten Drogentrip und war für Schauspieler und Publikum ein Heidenspaß. Stemann selbst funktionierte in dieser Show als gewandter und erklärender Conferencier.

Zu Beginn des Abends beglückwünschte er das Publikum dazu, sich für den Marathon aus beiden Teilen entschieden zu haben, weil es mehr Sinn mache, "Faust I und II" hintereinander zu sehen. Recht hat er, obwohl beide Teile so unterschiedlich sind. Weil die Nachfrage nach dem "Faust"-Marathon so groß ist, hat das Thalia-Theater am 26.11., 10. und 26. 12. weitere Termine in den Spielplan aufgenommen. Dieser "Faust" ist nicht nur wegen seiner Länge ein wirkliches Theatererlebnis und nicht eine Minute langweilig.