22.12.12

Reportage

Ein Tag auf der Geburtenstation des UKE

Im Durchschnitt kommen hier täglich sieben Kinder auf die Welt. Das Abendblatt hat die Menschen und das Wunder der Geburt begleitet.

Foto: Marcelo Hernandez
Ein Moment tiefster Verbundenheit von Mutter und Kind: Ulrike hält ihre Tochter Nauka in den Armen. Die Kleine ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr eine Stunde alt
Ein Moment tiefster Verbundenheit von Mutter und Kind: Ulrike hält ihre Tochter Nauka in den Armen. Die Kleine ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr eine Stunde alt

Die Geburtenstation des Uniklinikums Eppendorf gehört zu den modernsten in Deutschland. Im Durchschnitt kommen hier täglich sieben Kinder auf die Welt. Routine gibt es nicht, weil jede Entbindung anders ist. Hanna Kastendieck (Text) und Marcelo Hernandez (Foto) haben die Menschen auf der Station - und das Wunder der Geburt - einen Tag lang begleitet.

Es ist kurz nach Mitternacht. Fast zehn Monate hat Ulrike B. auf diesen Tag gewartet. Sie hat sich gesund ernährt. Sie hat Bücher gelesen. Sich mental vorbereitet. Sie hat eine Spieluhr besorgt, ein Bettchen, Strampelanzüge. Sie hat gut auf sich achtgegeben, weil sie seit jenem Tag im April doppelt Verantwortung trägt. Ulrike erwartet ein Baby. Jetzt ist es so weit. Um kurz nach Mitternacht werden die Wehen immer stärker. Sie kommen im Abstand von drei Minuten.

In den vier Kreißsälen der Geburtenstation am Universitätsklinikum Eppendorf ist in dieser Nacht nicht viel los. Die Luft draußen ist eiskalt. Der Mond hängt wie eine Pflaume am Himmel. Er hat seine Fülle verloren. In solchen Nächten kommen weniger Kinder auf die Welt, besagt ein Mythos. Doch der Glaube, dass bei Vollmond mehr, bei abnehmendem Mond weniger Babys geboren werden, konnte statistisch bislang nicht bewiesen werden. Der Mathematiker Oliver Kuß von der Uni Halle hat es ausgerechnet. Seine Studie entzaubert die Kraft des Mondes. Die Wahrheit ist, dass bei mehr als vier Millionen Geburten in 37 Jahren kein Zusammenhang zwischen Mondzyklus und Geburt besteht.

Ulrike B. und ihr Mann Dennis schnappen sich die Tasche mit den Dingen fürs Krankenhaus. Sie steht vorsorglich gepackt im Flur. Die beiden steigen ins Auto und fahren los. Die Fahrt von Winterhude dauert nur fünf Minuten. Doch jeder Kilometer kommt der jungen Frau wie eine Ewigkeit vor. Sie hat starke Wehen. So also fühlt es sich an, wenn ein Kind auf die Welt kommen will, denkt sie. Sie hat versucht, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Doch der Schmerz, der eine Frau überfällt, die ein Kind gebärt, ist nicht berechenbar.

Ulrike hält ihren Bauch. Die Gesichtszüge sind weich, nur manchmal zeigt sich eine steile Falte auf der Stirn. Trotz der Schmerzen steht in ihren braunen Augen dieser hoffnungsvolle Blick einer Frau, die bereit ist, für das Wichtigste auf der Welt zu kämpfen.

Noch weiß sie nicht, welche Schlacht sie schlagen muss. Die Geburt eines Kindes lässt sich nicht erahnen. Nicht üben. Nicht planen. "Sie ist jedes Mal anders", sagen die Hebammen. "Einmalig - so wie jede Persönlichkeit, die das Licht der Welt erblickt."

Die Nacht ist still. Die meisten Menschen schlafen. Leise atmet die Stadt. Alles schwarz, die Bäume, die Häuser, die Fenster. Und dann plötzlich ganz viel Licht. Die Klinik ist erreicht. Der große Neubau leuchtet in der Dunkelheit wie ein Stern. Hier ist es warm. Die Rolltreppen fahren. Die Fahrstühle öffnen ihre Türen. Menschen geben freundlich Auskunft. Dennis und Ulrike laufen durch die Notaufnahme, fahren bis ins fünfte Obergeschoss. Sie kennen den Weg. Sie sind ihn vorsorglich schon viele Male gegangen.

Und dann stehen sie vor dieser Tür, auf der in weißen Buchstaben das Wort "Kreißsaal" steht. Zwei junge Menschen. Sie werden als Paar hineingehen. Und als Eltern herauskommen. Sie wissen, dass nun das größte Abenteuer ihres Lebens beginnt.

Die Hebamme wartet an der Anmeldung, die ein paar Mitarbeiter mit grüner Tannengirlande, roten Kugeln und Lichterkette geschmückt haben. Die beiden stehen dort wie am Schalter eines Flughafens. Ulrike zieht den Mutterpass aus ihrer Tasche. Sie sagt, dass es jetzt wohl losgeht. Auf diese Reise ins Ungewisse. Sie hat keine Angst. Weil sie weiß, dass das, was jetzt kommt, das Natürlichste auf der Welt ist. Nur die Wege dorthin können sehr unterschiedlich sein.

"Viele Wege führen bekanntlich nach Rom", sagt Ulla Halliger. Sie ist 56 Jahre alt und seit 30 Jahren Hebamme. Sie hat in dieser Zeit ein ganzes Dorf auf die Welt gebracht, sagt sie. Mindestens 2500 Babys. Sie liebt ihren Beruf, weil er sie immer wieder aufs Neue überrascht. "Jedes Kind hat seine eigene Geburtsgeschichte. Und es wird immer eine neue Persönlichkeit geboren." Ulla Halliger weiß, dass eine unkomplizierte Geburt ein perfektes Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele ist. "Nur wenn die Seele bereit ist, loszulassen, macht sich das Kind auf den Weg. Das braucht manchmal viel Geduld."

Manchmal fehlt den Müttern ganz am Ende genau dieses Quäntchen Geduld. 280 Tage haben sie auf diesen Moment gewartet. 40 lange Wochen auf diesen Termin hingefiebert. Sie haben den Bauch massiert, Schwangerschaftskurse besucht, Yoga gemacht und meditiert. Sie haben Geburtsabläufe gegoogelt, Kitas angeschaut und mit den Arbeitskollegen mit O-Saft angestoßen. Sie haben sich mit entkoffeiniertem Kaffee angefreundet, Wasser statt Wein getrunken und angefangen, Kinderlieder zu singen. Sie haben über Namen diskutiert, über den Sinn von Ein- oder Zweisprachigkeit gestritten, Kinderzimmer gestrichen und Babymöbel aufgebaut. Sie haben das Erstlings-Outfit erstanden, die kleinsten Schuhe der Welt in die Hand genommen und Ultraschallbilder ins Album geklebt. Sie haben noch einmal richtig gefeiert, eine Reise gemacht und die Freiheit genossen. Sie haben Folsäure, Jod und Eisenpräparate geschluckt, Sodbrennen in Kauf genommen und gelernt, dass man auch mit wenig Schlaf auskommen kann. Sie haben begriffen, dass es einen Menschen gibt, der bereits jetzt ihr Leben maßgeblich bestimmt. Es ist ihr Kind, dieses unbekannte Wesen, das sie nun endlich kennenlernen wollen.

Doch ein Kind braucht seine Zeit. "Das ist wie mit einem Apfel", sagt Ulla Halliger. "Natürlich kann man ihn pflücken, wenn er im August am Baum hängt. Dann ist er hart, sauer und unreif. Lässt man ihn hängen, gönnt man ihm noch ein paar Wochen Sonne, Licht und Wärme, ist er schließlich so reif, dass er von allein vom Baum fällt. Erst dann schmeckt er richtig gut."

Das kleine Früchtchen in Ulrikes Bauch ist reif. Das Köpfchen drückt seit Stunden mit aller Kraft im Mutterleib nach unten. Das Paar hat sich im Kreißsaal zwei häuslich eingerichtet. Sie ahnen, dass es eine lange Nacht werden kann, denn trotz der Schmerzen geht die Geburt nicht richtig voran. Inzwischen hat sich Kathrin Hofstödter an das Entbindungsbett gesellt. Sie ist Ulrikes Schwester, 44 Jahre alt und Mutter. Ihre Söhne sind acht und sechs Jahre alt. Der Ältere kam in den USA zur Welt. Damals war Ulrike an ihrer Seite und außerdem eine Doula. Der Begriff "Doula" kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie "Dienerin der Frau". Eine Doula kümmert sich intensiv um die Gebärende. Sie massiert, stärkt sie emotional und unterstützt allein durch ihre zuverlässige Anwesenheit. Sie entlastet den Partner und hilft ihm, mit der Situation klarzukommen. Sie verfügt über ein fundiertes Wissen rund um die Geburt und hat bereits eigene Kinder geboren. Kathrin ist für ihre Schwester wie eine solche Doula. Bis zum Morgengrauen sitzen die beiden Frauen im Kreißsaal. Kathrin massiert ihrer Schwester den Rücken. Sie reden über die Geburt, halten sich die Hände. Sie halten den Schmerz gemeinsam aus.Als die Sonne über die Dächer der Klinikgebäude steigt, erblickt nebenan in Kreißsaal 3 ein Neugeborenes das Licht der Welt. Die Fruchtblase war um 22.15 Uhr geplatzt. Zehn Stunden und 37 Minuten hatte die Mutter in Wehen gelegen. Der Schmerz der Entbindung war gewaltig. Das Glück der Geburt ist noch gewaltiger. Ulla Halliger legt das Baby auf den Bauch der Mutter. Damit es die Nähe spürt, die Wärme, den vertrauten Geruch. Damit auch nach Durchtrennung der Nabelschnur die Bindung nicht unterbrochen wird. Die Hebammen wissen, wie wichtig diese Momente sind.

Einige von ihnen aber kennen noch eine ganz andere Zeit. Eine Zeit, in der Frauen in weiß gekachelten Kreißsälen auf schmalen Betten im Liegen entbinden mussten. Eine Zeit, in der das Baby nach der Geburt erst einmal gründlich gewaschen wurde und dann in ein kleines Bettchen gelegt wurde. Dieses Bettchen wurde in einen separaten Raum geschoben, in dem viele weitere Babys in ihren Bettchen lagen. Manche schliefen, manche weinten, andere lagen einfach wach und schauten an die Decke. "Dreimal täglich wurden die Kinder von den Hebammen dann zu ihren Müttern zum Stillen gebracht", erinnert sich Hella Dick, die seit 26 Jahren als Hebamme tätig ist. "Nach 20 Minuten haben wir die Kinder dann wieder abgeholt."

Ein Szenario, das heute unvorstellbar ist. Kaum ist das Baby nach dem großen Abenteuer Geburt auf der Welt, wird es der Mutter in den Arm gelegt. Sie ist der sichere Hafen, wo die ganz großen Gefühle vertäut werden: Geborgenheit, Sicherheit, Liebe und Nähe. Was so beginnt - mit der Suche nach dem anderen Menschen, dem, der den Säugling behütet und der der Hafen der Verlässlichkeit wird -, nennt die Psychologie "Bonding". Seit den 1970er-Jahren erforscht sie diesen für das weitere Leben des Kindes fundamentalen Bindungsprozess. Er wird bestimmend sein für die Art, wie es Beziehungen zu anderen empfindet, er wird dazu beitragen, festes Vertrauen dafür zu schaffen, dass es im Leben wenig zu fürchten gibt, wenn man sich aufeinander verlassen kann.

Während in Kreißsaal 3 die ersten Grundsteine für ein lebenslanges Urvertrauen gelegt werden, kämpft nebenan Ulrike B. mit den Schmerzen. Die Wehen kommen häufig. Und stark. Doch die Geburt geht nicht voran. Das Köpfchen des Babys hat sich quergestellt. Es passt nicht durch das ovale Becken. Die Geburt gerät ins Stocken, und die Schmerzen werden unerträglich. Oberarzt Gerhard Ortmeyer bietet ihr an, eine Peridualanästhesie (PDA) zu machen. Hebamme Virginia Henschke will versuchen, Ulrike umzulagern und das Baby auf diese Weise dazu bewegen, sein Köpfchen ebenfalls zu drehen. Die werdende Mutter willigt ein. Sie weiß, dass sie alles versucht hat, das Kind ohne Schmerzmittel zur Welt zu bringen. Sie weiß aber auch, dass sie noch Kraft für den Endspurt aufsparen muss.

Behra F. steht noch ganz am Anfang. Sie kommt um 10 Uhr auf die Station. Eine kleine Frau mit langen dunklen Haaren, 1,60 Meter groß. Ihr Bauch ist riesig. Darin wohnen seit Mitte April Noah und Luca, etwa 2700 und 2500 Gramm schwer. Sie haben sich nicht nur eine Eizelle geteilt, sondern auch eine Plazenta. Das kann gefährlich werden. Also ist Behra bereits nach wenigen Schwangerschaftswochen zur Untersuchung ins UKE gekommen. Sie hatte davon gehört, dass hier eine besondere Laser-OP angeboten wird. Sie hätte die OP gewagt, wäre es notwendig gewesen. Sie hat es ohne Operation geschafft. Doch die Schwangerschaft ist anstrengend, das Gewicht drückt auf die Bandscheibe. Behra kann kaum noch gehen, nachts nur im Sitzen schlafen. Sie bittet die Ärzte darum, die Geburt einzuleiten. Drei Wochen sind es noch bis zum offiziellen Entbindungstermin. Aber der Muttermund ist bereits fünf Zentimeter geöffnet. Oberarzt Ortmeyer und Hebamme Halliger wägen ab. Sie beschließen, die Geburt einzuleiten. Frau F. wird ans CTG angeschlossen, das die Herztöne der Babys aufzeichnet.

Während die Familie aus Kreißsaal 3 auf die Wochenstation verlegt wird, hat sich die Stimmung in Kreißsaal 2 bei Ulrike, Kathrin und Dennis entspannt. Die PDA wirkt, die Schmerzen sind verschwunden. Die Herztöne des Babys sind gut. Sie werden über einen Monitor im Überwachungsraum kontrolliert.

Nur das Köpfchen steht noch immer quer zum Becken. "Geburtshilfe ist 99 Prozent stilles Abwarten und ein Prozent Heldentum", sagt Ulla Halliger zu Hans-Hermann B., dem werdenden Opa, der extra aus Aumühle gekommen ist, um mal persönlich nach seiner Schwiegertochter und der sehnlich erwarteten Enkelin zu sehen. "Wahrscheinlich macht sie sich noch für Opa hübsch", witzelt er und stellt fest, dass heutzutage doch alles anders ist auf so einer Station als früher. "Damals gab es kein Parkett, keine farbigen Wände, kein Feng-Shui", sagt er. Aber schaden könne es ja nicht, diese heimelige Atmosphäre. Sie ist auch für die Mitarbeiter etwas ganz Besonderes. Ulla Halliger kennt die alten Räume noch gut. Seit dem Umzug in das neue Gebäude denkt sie nur noch ungern daran zurück. "Hier ist alles viel heller, die Räume sind so gestaltet, dass die Energie fließen kann", sagt sie. Eine Feng-Shui-Beraterin habe nicht nur die Vorwehenzimmer, die Flure und Behandlungsräume, sondern auch die Entbindungsräume konzipiert. Die Wände sind in warmen Rot-, Gelb-, Grün- und Fliedertönen gestrichen. Eine Bernsteinlampe wirft warmes Licht in den Raum. Es gibt Gebärwannen, Seile und Gebärhocker.

Die Hebammen versuchen mit Akupunktur, Aromatherapie und Homöopathie die Geburt zu erleichtern. Neben dem Operationssaal, in dem jedes Jahr etwa 680 Kaiserschnitte gemacht werden, stehen zwei Reanimationseinheiten für Säuglinge. Die Neugeborenenintensivstation liegt auf derselben Ebene. Innerhalb von wenigen Sekunden können die Ärzte im Kreißsaal sein. Auch die Pränatalstation und -ambulanz liegt auf Ebene 5. Sie gehört zu den modernsten in Deutschland. Ulla Halliger weiß, dass diese moderne Medizin großartige Möglichkeiten bietet. Sie weiß aber auch, dass mit ihr die Zahl der Totgeburten steigt. Weil eben frühzeitig erkannt wird, ob ein Baby lebensfähig ist oder nicht. "Es geht heute in der Geburtshilfe nicht mehr nur darum, lebensfähige Kinder auf die Welt zu bringen", sagt Halliger. Manchmal gehe es auch darum, eine Mutter zu begleiten, die weiß, dass ihr Kind bei der Geburt sterben wird. "Mich hat die Geburtshilfe sehr viel Achtung vor dem Leben gelehrt", sagt Ulla Halliger. "Und dass Leben und Tod sehr eng beieinanderliegen."

Viel häufiger als diese traurigen Ereignisse sind die glücklichen auf Station 5. Durchschnittlich 200 Kinder pro Monat kommen hier auf die Welt, das sind sieben Geburten pro Tag. Bis zum Jahresende werden es voraussichtlich 2500 Geburten sein. Das ist Rekord.

Zwei der jüngsten Erdenbürger, die an der Martinistraße das Licht der Welt erblickt haben, sind Moritz und Lisa. Moritz kam am 30. November auf die Welt. Seine Geburt dauerte fast 17 Stunden. Mutter Dana Syren, 39, beschreibt dieses Erlebnis so: "Es ist der schlimmste und schönste Schmerz zugleich." Imke S., der Mutter von Lisa, sind die Spuren der Entbindung noch ins Gesicht geschrieben. Ihre Tochter wurde am 1. Dezember um 1.14 Uhr mit einem Gewicht von 3160 Gramm und einer Länge von 53 Zentimetern geboren. Es war eine regnerische Nacht. Drei Tage hat die Geburt gedauert.

Die 32-Jährige war am 28. November in die Klinik gekommen, sieben Tage nach dem Stichtag. Erst gab es Rizinusöl zur Einleitung, dann in regelmäßigen Abständen Einleitungstabletten. Doch die Wehen blieben unregelmäßig, erst am Freitagnachmittag wurden sie regelmäßiger.

Hebamme Helene Rost, 24, hatte an jenem Freitag Spätschicht. Sie ließ ihr eine Wanne ein, machte Übungen am Seil. Sie redete mit der Mutter, machte ihr Mut. Um 19 Uhr bekam sie dann doch eine PDA. Sechs Stunden später war Lisa da. "Dass ich um einen Kaiserschnitt herumgekommen bin, ist das Verdienst der Hebammen", sagt Imke. Sie kann inzwischen wieder lachen. Und sagt sogar: "Mal sehen, wann das Zweite kommt."

Auch Ulrike B. kommt um eine Operation herum. 206.012 Frauen in Deutschland haben das im vergangenen Jahr nicht geschafft. Das sind 32 Prozent aller Geburten. Um 13.15 Uhr wird ihre Tochter geboren. Sie soll Nauka heißen, wie das Zigeunermädchen aus Ursula Wölfels Kinderbuch "Mond, Mond, Mond", das mit Tanzen, Puppenspiel und Feuerschlucken seinen Lebensunterhalt verdient. "Einmal hier, einmal dort schlagen sie ihr Lager auf. Einmal hier, einmal dort sehen die Kinder den wandernden Mond hinter den kleinen Wagenfenstern vorüberziehen", heißt es in dem Buch. Einer Zigeunerkarawane gleicht auch der Auszug der Familie B. ins Familienzimmer auf der Wochenstation nebenan. Kurz nach der Geburt ist ihr Schwager gekommen mit Moritz und Quirin. Die ganze Familie hat sich an dem großen Entbindungsbett um das kleine neue Familienmitglied geschart.

Es ist ein Moment außerhalb jeder Zeitrechnung. Mit Taschen, Fruchtsäften und Rucksäcken verlassen Ulrike und Dennis am Nachmittag den Kreißsaal. Nauka ist in ein buntes Tuch gewickelt. Sie sieht ein wenig aus wie das Christkind. Ulrike hält ihre Tochter in ihren Armen. Dieses Kind, das alle Hoffnung verkörpert, den Traum aller Möglichkeiten. Hinter ihnen schließt sich die Tür vom Kreißsaal. Es wird ruhig auf der Station. Nur Behra und ihr Mann Kai bleiben zurück. Die 37-Jährige ist entspannt. Sie habe keine Angst, sagt sie. Doch dann werden die Wehen immer stärker, die Kräfte immer weniger. Die Mutter entschließt sich zu einer PDA. Um 21.23 Uhr kommt der kleine Noah auf die Welt. 17 Minuten später folgt sein Bruder Luca.

Erst kurz vor Mitternacht machen auch sie sich auf den Weg ins Familienzimmer. Es ist Zeit zum Schlafen. Es ist eine eisige Nacht. Der Himmel ist wolkenverhangen. Irgendwann hat es angefangen zu schneien. Leise. Leise.

Das ist der Kreislauf des Lebens. Pro Tag sterben weltweit 155.000 Menschen. An diesem 3. Dezember gehören dazu Heinrich Springer, Edith Vollmers, der Stockholmer Publizist und Nobelpreis-Juror Knut Ahnlund. Sie alle haben weit über 80 Jahre auf dieser Erde verbracht, sind Mutter, Vater, Großmutter, Großvater, Urgroßmutter, Urgroßvater geworden.

362.000 Kinder erblicken im Schnitt jeden Tag das Licht der Welt. Nauka, Luca und Noah sind drei von ihnen. Sie sind Gegenwart und Zukunft. Wunder der Schöpfung. Oder wie es ein persisches Sprichwort sagt: Kinder sind eine Brücke zum Himmel.

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