Elbphilharmonie Ex-Senatorin: Projekt unterschätzt und überstürzt

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Hamburgs Ex-Kultursenatorin Karin von Welck ist trotz Kritik an Stadt, Baukonzern und Architekten vom Nutzen des Projekts überzeugt.

Hamburg. Die frühere Hamburger Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) ist "entsetzt" über die Kostenexplosion und Probleme bei der Elbphilharmonie, ist aber nach wie vor vom Nutzen des Projekts für die Stadt überzeugt. Das sagte die 65-Jährige am Donnerstag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) der Bürgerschaft.

Von Welck nannte vier Hauptgründe, die hauptsächlich zur Kostenexplosion beigetragen hätten. Erstens: "Alle drei Parteien – also die Stadt, der Baukonzern und die Architekten – haben das Projekt unterschätzt." Zweitens sei das Vertragswerk mit den Architekten Herzog & de Meuron und dem Baukonzern Hochtief "sehr kompliziert" gewesen. Drittens habe sich die Stadt zu spät mit den Risiken des Projekts beschäftigt, und viertens seien die Terminpläne der Architekten und der Baufirma nicht aufeinander abgestimmt gewesen. Außerdem sei das Konzerthaus-Projekt 2006/2007 überstürzt begonnen worden. "Der Vertragsschluss erfolgte zu einer Zeit, als wesentliche Kernpunkte des Projekts noch nicht feststanden."

Die Verantwortung für die Misere sah von Welck vor allem bei dem früheren Projektkoordinator Hartmut Wegener. Er habe alles mit Baufirmen und Planern unter vier Augen regeln wollen und es abgelehnt, die Kulturbehörde auf dem Laufenden zu halten, weil er sich nur dem Bürgermeister Ole von Beust (CDU) berichtspflichtig fühlte. Daher habe sie von Beust im Sommer 2008 gebeten, Wegener abzulösen und durch Heribert Leutner zu ersetzen – so kam es auch.

Wegener selbst hatte kürzlich im PUA vor allem die "Illoyalität" der Architekten gegenüber der Stadt für die Probleme verantwortlich gemacht. Zu seiner Zeit habe es keine Kostenexplosion gegeben.

Bis Ende Februar wollen die Stadt und Hochtief eine Neuordnungsvereinbarung unterzeichnen. Danach werden die Architekten künftig unter dem Dach des Baukonzern arbeiten. Dafür und für den erheblichen Zeitverzug beim Bau erhält Hochtief einen Nachschlag von 198 Millionen Euro, dadurch steigt das Auftragsvolumen für den Konzern auf 575 Millionen Euro. Wie berichtet, entfallen von diesen Mehrkosten 35 Millionen Euro auf die Architekten, deren Honorar damit von bislang 58 auf 93 Millionen Euro steigt.