Rathausmarkt Hamburgs Junge Liberale und der "Che-Guevara-Skandal"

Foto: Marcelo Hernandez

Die Nachwuchspolitiker entrüsten sich über eine Statue des Revolutionsführers auf dem Rathausmarkt und wittern einen Skandal.

Hamburg. Was hat Che Guevara auf dem Hamburger Rathausmarkt zu suchen? Seit Tagen steht eine Statue des Revolutionsführers mitten auf dem Platz. Einfach so, ohne Erklärung. Viele bemerken sie gar nicht, manche wundern sich und einer wittert einen Skandal!

Finn Ole Ritter, Vorsitzender der Jungen Liberalen Hamburg, fordert in einer ausführlichen Erklärung die sofortige Entfernung des "Stalin-Verehrers" vom Rathausmarkt. Er befürchtet gar, dass die Skulptur ohne offizielle Genehmigung von Fans der "linken Pop-Ikone" heimlich - in einer Art Guerilla-Aktion - in die Nähe des Rathauses gestellt wurde.

Dabei ist die Erklärung ganz anders und in Zeiten des Internets - dem die Nachwuchspolitiker der JuLis sonst sehr zugetan sind - sogar innerhalb von Millisekunden zu finden. Es handelt sich um eine Skulptur des Berliner Künstlers Christian Jankowski. Von ihm stehen seit dem 13. Februar drei Bronze-Skulpturen auf dem Rathausmarkt: Die eine zeigt Che Guevara, die zweite Julius Cäsar und die dritte eine Frau mit Sonnenschirm, die ganz offensichtlich einem Dalí-Werk nachempfunden wurde.

Die Skulpturen sollen auf die Ausstellung "Täuschend echt - Illusion und Wirklichkeit in der Kunst" aufmerksam machen - und für Gesprächsstoff sorgen. Zumindest letzteres hat ja nun bestens funktioniert. Die Skulpturen wurden vor fünf Wochen unter großem Aufwand des Bucerius Kunstforums auf den Rathausmarkt gestellt. Auch das Hamburger Abendblatt hatte über die Ausstellung berichtet - bereits am 12. Februar.

Dass die Gesichtszüge der Statue dem bekannten Antlitz von Ernesto Guevara de la Serna nicht hundertprozentig entsprechen, hat auch seinen Grund. Sie soll nämlich nicht den Guerillaführer selbst darstellen, sondern einen Straßenkünstler, der als Che Guevara agiert.

"Jankowski hat sich für seine Living Sculptures drei Historien- oder Phantasiekostüme ausgesucht, wie er sie in der Fußgängerzone in Barcelona gesehen hat", erklärt Ortrud Westheider, Direktorin des Bucerius Kunstforums. "Es geht ihm nicht darum, mit Che Guevara eine "linke Pop-Ikone zu stilisieren", wie es die Jungen Liberalen vermuten, er hat Kostüme von Mimen ausgewählt und setzt deren Spiel mit der Illusion fort." Für Jankowski sei mit der Aufstellung in Hamburg ein Wunsch in Erfüllung gegangen, weil er seine Idee zu den Living Sculptures bekam, als er in Hamburg den "Silbermann" sah, den viele noch in Erinnerung haben.

Die Aufstellung der Skulpturen wurde dem Hamburger Oberbaurat Jörn Walter vorgelegt und mit seinem Wohlwollen im Januar vom Bezirksamt der Freien und Hansestadt genehmigt. Gemeinsam mit dem Bezirksamt wurden auch die Positionen auf dem Rathausmarkt so ausgewählt, dass die zwischen 300 und 800 Kilogramm schweren Bronzen Fluchtwege oder Lieferverkehr auf der Schleusenbrücke und auf dem Platz nicht behindern.

Die Ausstellung im Bucerius Kunstforum ist noch bis zum 24. März täglich von 11 bis 19 Uhr und donnerstags bis 21 Uhr zu sehen – die Figuren von Christian Jankowski auf dem Hamburger Rathausmarkt täglich von Sonnenauf- bis untergang.