01.12.12

Hamburg

Kirchentag: Wenn aus Fremden Freunde werden

Für den Kirchentag werden 12.000 Gästebetten gesucht. Familie Boeken aus Langenhorn beherbergte schon 1995 Protestanten.

Von Hanna-Lotte Mikuteit
Foto: Röhrbein ( ingo-roehrbein.de )/Roe
Betten für den Kirchentag , Boeken
Sabine und Stefan Boeken wollen wieder Kirchentagsbesucher in ihrem Haus in Langenhorn aufnehmen

Hamburg. Es war ein spontaner Entschluss, damals vor 17 Jahren. "Wir hatten gelesen, dass private Gastgeber für Kirchentagsbesucher gesucht werden und dachten: 'Das probieren wir mal'", sagt Stefan Boeken. Obwohl er anfangs ein bisschen skeptisch gewesen sei, Unbekannte ins Haus zu lassen.

Boeken ist Polizist, arbeitet bei der Kriminalpolizei. Aber der Beschluss des Familienrats stand. Und dann klingelten im Juni 1995 die Heinzes aus Gundersheim an der Tür. 600 Kilometer waren sie gereist, um beim Protestantentreffen in Hamburg dabei zu sein. "Es passte einfach von Anfang an. Wir waren auf der gleichen Wellenlänge", sagt Stefan Boeken, und seine Frau Sabine nickt. Vier Tage lang beherbergte die Langenhorner Familie das Ehepaar aus Rheinland-Pfalz. Aus den Fremden wurden Freunde.

In fünf Monaten ist wieder Kirchentag an der Elbe, und die Gastfreundschaft der Hamburger ist wieder gefragt. Unter dem Motto "Soviel du brauchst" werden vom 1. bis 5. Mai mehr als 100.000 Dauerteilnehmer erwartet. Viele von ihnen übernachten in Schulen, Jugendherbergen, bei Freunden und Verwandten oder in Hotels. Für ältere Besucher, Familien mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen sucht der Kirchentag kostenlose Unterkünfte in Privathaushalten - insgesamt 12.000 Betten. Und weil das erfahrungsgemäß nicht so einfach ist, wurde am Freitag die Werbekampagne "Koje frei?" gestartet - mit prominenter Unterstützung.

"Die Hamburger sind gastfreundlich, das haben sie schon bei anderen Kirchentagen gezeigt", sagte der Schirmherr der Kampagne, Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Das habe auch etwas mit ihrer Weltoffenheit zu tun und mit ihrer Lässigkeit. "Seien Sie dabei", rief er seine Mitbürger auf. "Werden Sie Teil des großen Hamburger Gemeinschaftsprojekts Kirchentag." Gesucht werden Menschen wie Stefan und Sabine Boeken. "Wir sind ein bisschen zusammengerückt und dann ging es", erinnert sich der Familienvater. Der Sohn war kurzerhand zu einem Freund ausquartiert worden, die beiden Töchter hatten sich im Keller eingerichtet. Die Heinzes zogen ins Kinderzimmer. "Das lief reibungslos." Sie teilten das Badezimmer, tranken morgens zusammen den ersten Kaffee. Gemeinsam waren sie auf dem Kirchentag unterwegs, besuchten ein Konzert auf dem Rathausmarkt und einen Gottesdienst in der Langenhorner Kirche. Und abends saßen sie am Esstisch und redeten über den Tag.

An ein Erlebnis erinnert sich Boeken besonders. Es war ein milder Abend, mit anderen Gastgebern aus der Nachbarschaft hatten sie in einer Sackgasse Tische aufgestellt. Alles war weiß gedeckt, man aß, sang und blieb bis in die Nacht zusammen. "Das war toll, diese verbindende Atmosphäre", sagt der 57-Jährige. "Gänsehaut-Feeling pur."

Es gehe ja nicht nur um eine Koje, sagte Kirchentagspräsident Professor Gerhard Robbers. "Wichtig sind die Begegnungen." So komme der Kirchentag zu den Hamburgern nach Hause. Auch Bischöfin Kirsten Fehrs rührte ordentlich die Werbetrommel. Gemeinsam enthüllten sie ein Werbeplakat, das in der ganzen Stadt zu sehen sein wird und von der Design-Studentin So-Young Wedekind gestaltet wurde. Wer einen Kirchentagsgast aufnehmen möchte, braucht kein Gästezimmer. Das leer geräumte Kinderzimmer, ein Schlafsofa oder eine Liege reichen völlig. "Bringen Sie ihre Gäste so unter, wie Sie auch Freunde und Familienangehörige unterbringen würden", sagte Robbers. Ehrensache, dass auch die Bischöfin Gäste aufnimmt.

So wie die Boekens. Bis heute besteht der Kontakt mit den Heinzes aus Gundersheim. Sie schreiben sich, telefonieren immer wieder. "Das hätte ich damals, als ich sie zum Bahnhof gebracht habe, gar nicht erwartet", sagt Kriminalhauptkommissar Boeken, der sich wie seine Frau in der Broder-Hinrick-Kirche engagiert. Gerade hat der Kirchenvorsteher die Organisation der Privatquartiersuche in seiner Gemeinde übernommen. Dafür hat er sich auch schon an die U-Bahn gestellt und Info-Blätter verteilt. "Mindestens 300 Betten wollen wir in Langehorn zusammenbekommen", so das ehrgeizige Ziel.

Ob Familie Heinze auf dem Hamburger Kirchentag im nächsten Mai dabei sein kann, ist noch unklar. Bei den Boekens in Langenhorn hätten sie ein Quartier sicher. "Die Tür öffnen, ein Bett haben. Das ist menschliche Verbundenheit", sagt Stefan Boeken, "ein schönes Gefühl."

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