Reeperbahn Amüsiermeile und nobles Wohnviertel - verträgt sich das?

Foto: Christina Lachnitt

Zugezogene Anwohner rufen immer häufiger die Polizei. Einer Band, die im Lehmitz auftrat, reichte es. Mitglied wandte sich an die Anwohner.

Hamburg. Seit 1954 gibt es das Lehmitz auf der Reeperbahn und fast genauso lange treten dort Live-Bands auf. Doch nun scheint so manchem zugezogenen Anwohner die Musik zu laut zu werden. Bereits zum wiederholten Mal wurde die Polizei alarmiert und zu der Kultkneipe gerufen - anscheinend immer von dem selben Anwohner aus der Seilerstraße 22, einer Parallelstraße der Reeperbahn, in der viele Zugezogene in modernen Neubauten wohnen.

Die Cover-Band Mrs. Jones, die häufiger im Lehmitz auftritt, war am 29.November zum wiederholten Mal von dem Polizeiruf betroffen und musste ihre Musik leiser spielen. Auch musste ein Konzert schon einmal ganz abgebrochen werden. Einem Mitglied der Band reichte es. Er richtete sich kurzerhand mit einem Schreiben direkt an die Bewohner der Seilerstraße 22. "Herzlichen Glückwunsch, nicht-geehrte Nachbarinnen und Nachbarn, mal im Ernst: Ihr zieht in ein weltweit bekanntes Vergnügungsviertel...in die Parallelstraße von einer berühmt-berüchtigten und durchaus lauten Straße...und offenbar informiert ihr Euch vorher nicht über den Wohnort Eurer Wahl", schreibt ein Mitglied der Band. Denn anders könne er sich nicht erklären, warum zum wiederholten Mal die Polizei ins Lehmitz kam. "Ihr zerstört den Kiez und alles wofür es seit 200 Jahren steht", schreibt er weiter.

Das Schreiben verbreitete sich in Windeseile über Facebook und bekam dort sehr viel Zuspruch. "Yuppies go Home!" oder "Schließ die Tür ab, mach lauter...!!!" waren einige der Reaktionen.

Und prompt reagiere ein Anwohner und entschuldigte sich für seine "spießigen Nachbarn" - ebenfalls mit einem Schreiben, das er an die Eingangstür des Lehmitz hängte. Der anonyme Schreiber plädiert für ein friedliches Miteinander. Er hoffe, dass seine seine offensichtlich verklemmten Nachbarn solche Polizeiaktionen in Zukunft lassen werden.

Im Internet wird die Immobilie Seilerstraße 22 mitten auf St. Pauli übrigens als "Vielfalt und Toleranz in ruhiger und zentraler Lage" beworben. Und zwei Wohnungen wären sogar noch frei - natürlich nur für tolerante Käufer.