03.02.13

St. Pauli

Stammgäste statt Partyvolk: "Mojo Club" feiert Rückkehr

Besucheransturm vor dem Tanztempel auf dem Kiez, der mit seiner alten Philosophie überzeugen will. Eröffnung zeigt: Das könnte klappen.

Von Mareike Enghusen
Foto: dpa

Hunderte Gäste stehen zur Wiedereröffnung vor dem legendären Mojo Club auf der Reeperbahn

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Hamburg. "Disco für alte Leute", antwortet einer der Wartenden dem Passanten, der wissen will, wofür all die Menschen vor den Tanzenden Türmen auf der Reeperbahn Schlange stehen. Das ist eine scherzhafte und eher unübliche Beschreibung des Clubs, der vielen als Legende gilt: Der "Mojo Club", von 1991 bis 2003 auf der Reeperbahn ansässig, feierte am Sonnabend Neueröffnung.

"Es war einfach der beste Club", meint ein 43-jähriger Unternehmer. Er ist einer der vielen Anhänger des alten "Mojo", die nun in der Winterkälte anstehen, um die Wiedergeburt der Kultstätte zu feiern. Der alte Club hatte sich vor allem mit aus London inspiriertem Dancefloor-Jazz einen Namen gemacht. "Es gab keinen anderen Club, der so was gespielt hat", erinnert sich der frühere Stammgast.

Wer das Warten überstanden hat, betritt den Club durch eine von zwei schweren Klappen, die vor den Tanzenden Türmen in den Straßenboden eingelassen sind – der neue "Mojo Club" liegt unter Erde. Die tiefste Ebene besteht aus Bühne und Tanzfläche, eine Etage höher liegt die Bar. Daran angeschlossen ist das "Jazz Café" im Erdgeschoss, durch dessen Glasfront man auf die Reeperbahn blickt.

Der Andrang zur Eröffnung ist enorm, bald drängen sich Hunderte im Inneren. Das Publikum ist mehrheitlich über 30, viele Herren tragen Hemd, manche Sakko; zu den Klängen der britischen Band, die Jazzversionen bekannter Popsongs spielt, wird eher dezent gewippt als getanzt. Viele erinnern sich noch gut an den alten "Mojo Club": "Eine verräucherte und versiffte Höhle" sei der gewesen, erzählt eine 56-jährige Besucherin, "wie ein Wohnzimmer", meint ein anderer.

Damit ist es vorbei: Die Einrichtung des neuen Clubs ist schmucklos, aber elegant, schwarz die dominierende Farbe. Die Schlichtheit hat Methode: "Das Hauptaugenmerk ist die Musik und nicht die Details", betont Oliver Korthals, einer der beiden Gründer. Der 46-Jährige ist zuversichtlich, dass sein Club auch nach fast zehnjähriger Pause wieder erfolgreich sein kann, selbst wenn der Kiez sich seitdem verändert habe. Denn der Club sei nicht darauf angewiesen, vorbeiziehende Partygänger anzulocken, sondern lebe von Stammgästen: "Die Leute kommen her, weil sie in den Mojo Club wollen, nicht weil sie zufällig auf der Reeperbahn sind."

Glaubt man den Partygästen, könnte das Konzept aufgehen. "Ein erstaunlich ähnliches Flair" wie früher erzeuge der Club, meint ein 35-jähriger Besucher. Ein anderer, der ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift: "Dein Mojo braucht dich" – eine Erinnerung an die Zeit, als der alte Club vor der Schließung stand -, denkt ähnlich. "Erst hatte ich ein bisschen Angst, dass der neue Club zu vornehm wird", erzählt er. "Aber so" – er zeigt auf ein paar nackte Heizungsrohre, die sich oben an den kahlen Wänden entlangwinden – "ist das in Ordnung." Wird er hier wieder Stammgast werden? Er grinst: "Ich glaube schon."

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