31.01.13

Umbenennung

Vier Parteien gegen die Hindenburgstraße

SPD, Grüne, FDP und Linke im Bezirk Nord fordern die Umbenennung, die CDU ist dagegen. Entscheiden muss eine Senatskommission.

Von Marlies Fischer
Foto: Andr Zand-Vakili
n.n.
Staatsbesuch in Hamburg. Reichspräsident Paul von Hindenburg besucht am 04. Mai 1926 die Hansestadt und wird vom Kommandeur der Hamburger Hafenpolizei empfangen

Winterhude. Reichspräsident Paul von Hindenburg war ein wichtiger Helfer für Adolf Hitler, als er diesen vor 80 Jahren zum Reichskanzler ernannt hat. Doch vielen galt er damals als herausragender Soldat, der sich um sein Land und sein Volk bemüht hat. In der Debatte um die Umbenennung der Hindenburgstraße in Winterhude und die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Hindenburg geht es um diese Fragen. Die Diskussion angestoßen haben die Grünen in der Bürgerschaft und im Bezirk Nord.

In der Bezirksversammlung Nord haben SPD, FDP und Linke jüngst die Grünen unterstützt. Michael Werner-Boelz, Vorsitzender der Grünen-Bezirksfraktion, nennt es "beschämend, dass Persönlichkeiten wie Max Brauer, Herbert Weichmann, Herbert Wehner, die vor den Nazis ins Exil fliehen mussten, gemeinsam mit Hindenburg in der Liste der Ehrenbürger Hamburgs stehen." Hindenburg sei "nicht der nette Opa" gewesen, der sich erfolgreich im Krieg engagiert habe. Eine Ehrung durch eine Straßenbenennung sei nicht mehr tragbar.

Die gut drei Kilometer lange Hindenburgstraße reicht vom Borgweg über den Stadtpark bis in ein Gewerbegebiet nach Groß Borstel. Nach Meinung der Grünen haben Straßennamen auch immer eine Vorbildfunktion. Hindenburg passe nicht als Vorbild für eine freiheitliche, pluralistische und demokratische Gesellschaft.

Kürzlich hatten sich die Einwohner der westfälischen Universitätsstadt Münster in einem Bürgerentscheid dafür ausgesprochen, den ehemaligen Hindenburgplatz wieder als Schlossplatz zu führen. Auch in Lübeck und Kiel gibt es derartige Initiativen.

Im Bezirk Nord gibt es einen Beschluss, Opfer des NS-Regimes sowie Widerstandskämpfer durch Straßennamen zu ehren. Die Grünen möchten die Hindenburgstraße deshalb nach einem Opfer der NS-Militärjustiz benennen und schlagen den in Hamburg geborenen Kunststudenten Kurt Elvers vor. Er wurde von der NS-Militärjustiz zum Tode verurteilt und im Februar 1945 am Höltigbaum hingerichtet.

SPD und FDP in der Bezirksversammlung Nord plädieren dafür, weitere Straßen auf Umbenennung zu überprüfen. Ein Beispiel ist die Schottmüllerstraße in Eppendorf, die nach dem Arzt und NSDAP-Mitglied Hugo Schottmüller benannt ist.

In der Regel sind es die Bezirksversammlungen, die Vorschläge für Straßennamen einbringen. Auch Anwohner können ihre Wünsche äußern. Das Staatsarchiv prüft die Vorschläge dann, die "Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen" unter Vorsitz der Kulturbehörde entscheidet schließlich. Wann sie sich mit der Hindenburgstraße beschäftigt, ist noch völlig unklar. Staatsarchiv und Kommission folgen dabei klaren Regeln: Die Namen sollen unter anderem "möglichst kurz, einprägsam, wohlklingend und für den mündlichen und schriftlichen Gebrauch unmissverständlich sein". Sie sollen aber auch "zur Pflege des Heimatgefühls" beitragen. Nicht zulässig sind unter anderem "Benennungen in Fremdsprachen, wenn die Schreibweise zu falscher Aussprache führen kann". Bei Straßen von gesamtstädtischer Bedeutung entscheidet letztlich der Senat.

Ehrenbürger Hamburgs ist Hindenburg seit 1917. Die Grünen-Bürgerschaftsabgeordnete Katharina Fegebank will das ändern. "Es ist an der Zeit, dass Hamburg seine Ehrenbürgerliste entrümpelt und Hindenburg da rausstreicht", so Fegebank. Bisher wurde nur Nationalsozialisten nachträglich die Ehrung aberkannt. Im Juli 2010 hatte der Stuttgarter Stadtrat Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerwürde der Stadt Stuttgart formal aberkannt. Nur ein Republikaner stimmte dagegen.

Der CDU missfällt die Diskussion über Straßenumbenennung und Aberkennung der Ehrenbürgerwürde. "Wir unterstützen den Vorstoß nicht", sagt Dietrich Wersich, Vorsitzender der CDU-Bürgerschaftsfraktion und Parteichef im Kreisverband Nord. "Hindenburg war weder Freund noch Unterstützer der Nazis. Es wäre unhistorisch, Menschen nicht im Kontext ihrer Zeit zu beurteilen." Als "Bezirksangelegenheit" bezeichnet Alexander Luckow, Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, die Pläne zur Straßenumbenennung. "Und über das Thema Ehrenbürgerschaft hat die Fraktion noch nicht beraten." SPD-Bürgerschaftsfraktionschef Andreas Dressel sagt zurückhaltend: "Die Liste der Ehrenbürger unserer Stadt reicht bis 1813 zurück. Die Liste der Straßenbenennungen bildet das historische Gedächtnis der Stadt ab. Jede Bereinigung muss sorgfältig geprüft werden. Mit Entrümpelungen je nach politischer Stimmungslage tut man dem historischen Gedächtnis unserer Stadt, das auch die Schattenseiten nicht ausblenden darf, keinen Gefallen."

Die Linken-Fraktionschefin Dora Heyenn begrüßt die Ideen der Grünen und schlägt vor, auch die Schimmelmannstraße in Wandsbek umzubenennen. "Heinrich Karl von Schimmelmann machte sein Vermögen mit Sklavenhandel."

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