10.01.13

Gastronomie

Jürgen Gosch - Der Kopf des Fisch-Imperiums

Dem Sylter Jürgen Gosch gehören schon mehr als 30 Restaurants. Sein neues eröffnet im März auf der Reeperbahn: im alten Café Keese.

Von Juliane Kmieciak
Foto: dpa
Gosch plant Eröffnung einer Filiale auf der Reeperbahn
Jürgen Gosch vor "der sündigsten Fischbude der Welt", die er im alten Café Keese eröffnet

St. Pauli. Manchmal hat Jürgen Gosch noch die Stimme seiner Großmutter Annemarie im Ohr. "Mensch, Jünne", sagte sie zu dem Jungen, "mach was aus dir." Wenn der heute 71-Jährige davon erzählt, schmunzelt er verschmitzt durch seinen weißen Bart. Der Rat der Oma war zwar weise, aber auf eine Art völlig überflüssig. Denn Geschäftssinn lag Jürgen Gosch schon als Kind im Blut. "Ich wusste immer, wie man aus allem Geld machen kann", sagt Gosch. Außerdem könne er nicht anders, als "einfach zu machen". Gosch, das Arbeitstier.

Das hat sich ausgezahlt. Sein Familienname, das ist heute eine Marke, die deutschlandweit für Fischgenuss steht. Allein auf "seiner" geliebten Insel Sylt hat er elf Läden, dazu 22 weitere Filialen in ganz Deutschland. Sein neuestes Geschäft eröffnet er noch in diesem März in Hamburg auf der Reeperbahn: im Café Keese. Es soll die "sündigste Fischbude der Welt" werden. Gosch setzt besonders auf die Touristenmassen, die sich täglich über die Meile schieben - und die, die das Kultcafé noch von früher kennen.

Ein- bis zweimal im Monat fährt Gosch von Sylt nach Hamburg. Um nach dem Rechten zu schauen. Auch in seinen Filialen in der Wandelhalle des Hauptbahnhofs, am Flughafen und im Alstertal-Einkaufs-Zentrum. "Als Arbeit empfinde ich das nicht", sagt Gosch, der auch mit seiner Krawatte ein wenig wie ein Seemann aussieht. Vielleicht liegt es daran, dass Arbeit für ihn nie eine Qual war. Gosch wuchs ohne Vater mit seinen zwei Schwestern bei seiner Mutter in Tönning auf der Halbinsel Eiderstedt auf. Rasch übernahm er die Rolle des Ersatzvaters. Sein erstes Geld verdiente er als Krabbenpuler, später kamen alle möglichen kleinen Jobs dazu. Manchmal half er am Hafen mit oder verkaufte Schrott.

Schon in dieser Zeit wurden ihm "Titel" verliehen. Die Leute nannten ihn "Schietbarg-König" ("Müllberg-König") oder "Krabbenpulweltmeister". Nach der Schule sah es zunächst so aus, als ob aus dem jungen Mann auch noch ein "Maurer-König" werden würde. Doch es kam anders.

Für die Firma, für die er eine Zeit lang arbeitete, sollte er sich aufmachen zu einer Baustelle nach Sylt. Da setzte er sich manchmal zu den Fischern an den Lister Hafen und half ihnen beim Krabbenpulen - das konnte er schließlich. Dann hörte er, dass die Leute auch nach Aal verlangten. Den gab's aber noch nicht. Also nahm Gosch die Sache in die Hand. Kaufte Aale in einer Räucherei und bot sie am Hafen an. Vielleicht war es dieser Schritt, der den Grundstein für seine Karriere legte. Denn er hatte den richtigen Riecher bewiesen. Aus seiner ersten kleinen Verkaufsbude wurde bald ein richtiges Restaurant - das erste ist bis heute auch sein berühmtes Hauptquartier auf Sylt. Gosch, der selbst auf der Insel lebt, kommt fast täglich vorbei. Meist macht er sich morgens um zehn auf den Weg, vor Mitternacht kommt er selten nach Hause. Oft kommt es vor, dass er sich "festquatscht" - nicht selten mit einem seiner prominenten Gäste. "Ich bin ein geselliger Typ", sagt er. "Außerdem wollen die Leute, dass man präsent ist."

Wenn er mal nicht arbeitet und nach dem Rechten schaut, dann genießt er die Zeit mit seiner Frau, mit der er seit 36 Jahren verheiratet ist. Seine Kinder sind erwachsen und längst aus dem Haus. Ob er ein Familienmensch sei? "Ich bin vielleicht kein hundertprozentiger Familienmensch", sagt er. "Aber ich bin ein korrekter Familienmensch." Seitdem er ein wohlhabender Mann ist, macht er regelmäßig große Reisen mit seiner Ehefrau. Am liebsten auf die Malediven. Ansonsten hat sich eigentlich nicht so viel geändert, außer dass aus dem "Krabbenpul-Weltmeister" auch ein "Unternehmer-Weltmeister" geworden ist. Obwohl: "Krabbenpulen kann ich immer noch ziemlich gut."

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