08.01.13

Steinwerder

Ausbau des mittleren Hafens nicht vor 2020

Mietvertrag für Buss Hansa Terminal bis Ende 2016 verlängert. Für Central Terminal Steinwerder gibt es auf absehbare Zeit keine Nachfrage.

Von Martin Kopp und Olaf Preuß
Foto: Röhrbein ( ingo-roehrbein.de )/Roe
BUSS Stückgut
Stauer bereiten auf dem Buss Hansa Terminal Schwergut für die Verladung auf ein Schiff vor. Mit dem Mietvertrag bis Ende 2016 kann Buss besser planen

Hamburg. Es ist auf den ersten Blick nur ein Mietvertrag von vielen im Hafen. Der Hamburger Hafenlogistik-Konzern Buss Group wird den Buss Hansa Terminal bis Ende 2016 betreiben. Darauf hat sich Buss mit der Hamburg Port Authority (HPA) geeinigt. Zugleich hat dieser Mietvertrag aber weitreichende Konsequenzen, bedeutet er doch das Ende einer jahrelangen Ausbaustrategie des Hafens. Denn der Hansa Terminal liegt dort, wo die Stadt eigentlich in weniger als zehn Jahren riesige Containerschiffe abfertigen wollte, im mittleren Freihafen auf Steinwerder.

Hier sahen die bisherigen Hafenplanungen den Bau des großen Central Terminals Steinwerder (CTS) vor. 3,5 Millionen Containereinheiten (TEU) sollten hier einmal jährlich umgeschlagen werden. Es gab Markterkundungsverfahren und einen Ideenwettbewerb. Sogar Pläne für den Bau eines CO2-neutralen Containerterminals mit angeschlossenem Wassererlebnispark waren ausgearbeitet. Doch die Verlängerung mit dem bisherigen Mieter Buss macht deutlich: Die Pläne für den Bau eines großen Central Terminals sind tot. Stattdessen setzt die HPA nun auf eine kleinteilige Entwicklung.

Schon im neuen Hafenentwicklungsplan, der bis 2025 gelten soll, hat die Hafenverwaltung den Schritt angedeutet: "Nach derzeitigem Planungsstand ist eine Entwicklung des Areals aus mehreren Bausteinen optimal", heißt es in dem Papier. Einen großen Wurf wie in Rotterdam, wo die Konkurrenz mit der Maasvlakte 2 auf 20 Hektar Fläche einen völlig neuen Tiefwasserhafen entstehen lässt, wird es in Hamburg nicht geben. Und wenn das CTS doch noch Wirklichkeit werden soll, dann verschiebt sich die Realisierung um viele Jahre. Bis 2016 bleibt Buss jedenfalls sicher in Steinwerder.

Aus Sicht des Unternehmens bietet die neue Frist vor allem den Beschäftigten Sicherheit. "Für die Mitarbeiter ist das eine gute Nachricht. Wir können nun auch für den Fall besser planen, dass wir das Terminal nach der Frist tatsächlich räumen müssen", sagte Heinrich Ahlers, Kogeschäftsführer der Buss Group, dem Abendblatt. "Mit einer Perspektive von vier Jahren können wir in das Hansa Terminal aber auch wieder investieren, zumindest begrenzt."

Buss beschäftigt auf dem Hansa Terminal im Regelbetrieb 85 Mitarbeiter. Auf der Anlage wird vor allem schweres Industriegut verladen, etwa Generatoren, Loks oder Baumaschinen. In Spitzenzeiten arbeiten dort und auf dem benachbarten Schrott-Umschlagterminal von Buss, dem Ross Terminal, bis zu 200 Menschen. Auch Buss hatte sich 2009 an dem Markterkundungsverfahren zur Entwicklung des CTS beteiligt. Das Unternehmen steuerte seinerzeit einen Plan für den Aufbau eines Mehrzweckterminals bei. Dieses könnte sowohl die Verladung von rollendem Schwergut, sogenanntes RoRo-Gut, umfassen wie zugleich auch Logistikhallen und ein Containerterminal. Ob Buss an einer solchen Anlage auf dem CTS künftig aber beteiligt wird, ist heute völlig offen. "Die Verlängerung des Mietvertrages für das Hansa Terminal hat mit dem späteren Projekt CTS nichts zu tun", sagte Ahlers.

Mit dem Kuhwerder Terminal hat Buss bereits zum Jahreswechsel eine große Fläche an die HPA übergeben. Dort war früher Kupfererz für Aurubis, die einstige Norddeutsche Affinerie, umgeschlagen worden. Mit Blick auf das geplante Central Terminal Steinwerder vergab die HPA aber schon vor Jahren keinen langfristigen Mietvertrag mehr für den Betrieb auf Kuhwerder. Die HPA will 2013 mit der Vorbereitung der Fläche für die spätere Nutzung beginnen. Der Kupfererzumschlag für Aurubis von Seeschiffen mit Schuten zum Werk wird seit einigen Jahren in Brunsbüttel organisiert. Und auch der Nachbarhafen am Unikai steht seit eineinhalb Jahren leer. Am 30. Juni 2011 hat die Hamburger Hafen und Logistik AG den Betrieb ihres dortigen Leercontainerzentrums aufgegeben. Seitdem ist das Management der Leercontainer im Hafen schwieriger geworden, heißt es von den Hafenbetrieben. Zwar wurden Ersatzflächen geschaffen. Diese sind aber nicht so zentral und gut erreichbar.

Obgleich wertvolle Hafenflächen brach liegen, verteidigt der Chef der HPA, Jens Meier, das Vorgehen seiner Behörde. "Steinwerder wird die Flächenvorsorge der Zukunft sein. Wir müssen in der Lage sein, sie bereitzustellen, wenn die Stadt sie benötigt." Er halte eine gestufte Entwicklung des CTS für richtig. "Wir müssen bedarfsgerecht agieren", sagte Meier. Es nütze wenig, einen großen Umschlagsplatz nur für Container zu schaffen, wenn er nicht voll ausgelastet wird. Seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 hat sich der Hafen noch nicht wieder voll erholt. Zweistellige Wachstumsraten wie noch vor einigen Jahren wird es nach Meinung aller Experten auf absehbare Zeit nicht geben. Zudem haben die großen Terminalbetreiber HHLA und Eurogate inzwischen angekündigt, dass sie durch Erweiterungsbauten und Produktivitätssteigerungen die Umschlagskapazitäten an den bereits bestehenden Terminals deutlich erhöhen können - von derzeit neun auf 20 Millionen Standardcontainer pro Jahr.

Zudem will Meier mehr Ladung an den Hafen binden, indem die Wertschöpfung im Hafengebiet erhöht wird, entweder durch die Ansiedelung von Industrie oder durch weitere Logistik-Dienstleistungen. So strebt er eine Mischnutzung des ursprünglich als Containerterminal geplanten CTS-Areals an, einerseits für den Güterumschlag, andererseits für hafenaffine Produktion. Eine Reihe von Industriebranchen bevorzugt bei der Wahl von Produktionsstandorten die Nähe zum seeschifftiefen Wasser. Beispiele sind die Hersteller von Windkraftanlagen, Biomasse-Raffinerien oder Kraftwerke. Generell gilt dieser Trend aber darüber hinaus für solche Industrien, die große Rohstoffmengen verarbeiten und umschlagen und die einen hohen Export- oder Importanteil aufweisen. Meier will auch nicht ausschließen, dass bereits in diesem Jahr erste Genehmigungsverfahren in Steinwerder anstehen könnten: "Wir sind jedenfalls ready to go."

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