05.01.13

Stadtplanung

Der Sperrbezirk im Zentrum von Bergedorf

Politiker wollen Bordelle, neue Spielhallen und Wettbüros im historischen Kern verbieten. Änderung im Baurecht für diesem geplant.

Von Matthias Rebaschus
Foto: pa/Tagesspiegel
Berlin Kreuzberg
Solche Fassaden von Spielhallen will Bergedorf nicht mehr zulassen: Bisher gibt es 14 Spielhallen und Wettbüros im Zentrum

Bergedorf. Als erster Bezirk Hamburgs wird Bergedorf in seinem Kern ein Gebiet ausweisen, das frei von Rotlicht und frei von Vergnügungsstätten wie Spielhallen und Wettbüros, werden soll. Um das zu erreichen, soll das Planrecht geändert werden: Die Neuansiedlung von derartigen Betrieben wird dann verboten sein. "Bestehende Betriebe haben natürlich Bestandsschutz", sagt Bergedorfs Bauamtschef Uwe Czaplenski, "daher ist es eigentlich kein Sperrbezirk."

Genau genommen, ist es doch einer: Denn in dem Gebiet gibt es nach Auskunft des Bezirksamtes keine Bordelle sondern lediglich 14 Spielhallen und Wettbüros. Amtsleiter Arne Dornquast sagt es daher auch ganz klar: "Mit unserem neuen konzeptionellen Ansatz werden wir zukünftig in dem genannten Bereich auch jede Form der Prostitution ausschließen wollen." Das alles könnte schon Ende des Monats mit einem Beschluss der Bezirksversammlung auf den Weg gebracht werden.

Die Grenzen des Sperrbezirks sollen im Stadtplanungsausschuss in der kommenden Woche diskutiert werden. Sicher ist: Der historische Kern mit Einkaufszentren, Marktplatz und Fußgängerzonen liegt mitten in dem Gebiet. Die südliche Grenze bildet die Bergedorfer Straße (B 5). Im Westen ist es der Sander Damm, im Norden der Lohbrügger Markt. Von dort wird eine Grenzlinie zum Bergedorfer Schlosspark und bis zur Wentorfer Straße gezogen.

Hintergrund der Bestrebungen, die der Bezirk über geänderte Bebauungspläne erreichen will, ist auch der Stolz der Bergedorfer auf ihr Städtchen: "Die positiven Entwicklungen der Bergedorfer Innenstadt in den letzten Jahren möchte ich durch planerische und stadtgestalterische Maßnahmen weiterhin intensiv fördern. Damit verbunden sind auch Einschränkungen für die Entwicklung einzelner Branchen", sagt Arne Dornquast. Hierbei gehe es nicht um die Verdrängung bestehender Angebote, sondern um "eine mittelfristige konzeptionelle Neuordnung".

Mit dem neuen Sperrgebiet will der Bezirk alle seine kleinstädtischen Attraktionen besonders schützen. Denn wie kein anderer Hamburger Bezirk konzentriert Bergedorf diese mit einer ungewöhnlich guten Infrastruktur und bietet ein Flair, das es selbst für Hamburger zum Touristenmagneten macht. Über den neuen Bahnhof mit ZOB und großen Parkhäusern kommt man direkt ins Zentrum. Nur ein paar Schritte weiter liegen das Bergedorfer Schloss mit Teich und Park, die Kirche und viele gemütliche Ecken mit Fachwerkhäusern, die zum Verweilen einladen. Wer zum ersten Mal den Kern Bergedorfs besucht, fühlt sich ein wenig an eine Kleinstadt im Harz erinnert.

Das alles wollen sich die Bergedorfer nicht nehmen lassen. Sie haben Angst vor Spielhallen und der sogenannten "Sportsbar", die "Glücksspiele und Sportwetten in geselligen Runden" anbietet. Besonders letztere Betriebe schießen in städtischen Bereichen wie Pilze aus dem Boden. Sie gelten selbst in den ausgewiesenen Rotlichtbereichen Hamburgs als lukrativer als Bordelle.

"Die tolle Entwicklung der Bergedorfer Innenstadt hat ja auch viel Geld gekostet. Das soll nicht kaputtgehen. Wir haben aber in einigen Nebenzentren durchaus nicht unproblematische Situationen. Wir müssen diese Standorte schützen", sagt Sven Noetzel Chef der Bergedorfer CDU Fraktion.

Mit den hohen Umsätzen der Vergnügungsbetriebe kommt ein Mechanismus in Gange, der irgendwann nicht mehr zu stoppen ist. "Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe werden aus den zentralen Versorgungsbereichen verdrängt, da Betreiber von Vergnügungsstätten bereit sind, hohe Mieten zu zahlen", heißt es im Bezirksamt. Die Vergnügungsstätten würden besonders in Randlagen der Innenstädte, in Gewerbegebiete und an Hauptverkehrsstraßen drängen. Und genau hier wird die zentrale Lage des so attraktiven Stadtkerns an der B 5 und der nahen Autobahn (mit einem großen Einzugsgebiet) zum Problem.

Zurzeit werden Anträge von Vergnügungsstätten nur in Einzelfällen entschieden. So eine Einzelfallentscheidung führte im Bezirk Hamburg-Mitte im Jahr 2009 zum Umbau einer Lagerhalle zu einem - "Saunaklub" genannten - Großbordell, weil die Genehmigung vorschnell gefällt wurde, während Politik und die Amtsleitung eigentlich genau dies verhindern wollten.

Mit dem neuen Gebiet wollen die Bergedorfer auch Quartiere benennen, in denen Rotlicht erlaubt sein soll. Aber man gibt sich zugeknöpft: "Mir ist durchaus bewusst, dass es im Bereich Bergedorf an anderen geeigneten Stellen Entwicklungsmöglichkeiten für diese Nutzungen geben muss und wird", sagt Arne Dornquast. Die Einzelheiten würden im Dialog mit der Politik erarbeitet. Konkret heißt das: Man peilt ein Gebiet mit Gewerbe südlich der B 5 an.

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